|
 |

Ansicht eines Reviews
Musa - Der Krieger (2001)
Eine Kritik von Der Mann mit dem Plan (Bewertung des Films: 6/10) eingetragen am 04.04.2003, seitdem 1439 Mal gelesen
Kim Sung-Sus "Musa - The Warrior" gehört zu dem neuesten Output koreanischer Megablockbuster nach "Shiri" und "Joint-Security Area" und wie sie alle heissen. "Musa" schickt sich an, die asiatische Version von "Braveheart" zu werden. Lang, episch, brachial, gewalttätig, historisch korrekt, heroisch - plus dem Quäntchen asiatischer Konsequenz und Düsterheit, die den Film ehrlicher erscheinen lassen, als den unter dem Hollywood-Regelwerk erschienene "Braveheart".
Der Film spielt im 14. Jahrhundert in China. In dem unruhigen Land kommt es gerade zur Machtablösung - die Ming-Dynastie beginnt. Korea schickt eine Reihe von Diplomaten zusammen mit einigen Soldaten in das chinesische Nachbarland, um den neuen Herrschern Ehre zu erweisen. Doch die koreanischen Besucher werden gar nicht freundlich empfangen. Die Delegation wird von den Ming-Herrschern ins Exil gezwungen: In die weite Wüste. Ming-Soldaten zerren die gefangenen Koreaner durch die heiße Wüstenlandschaft, als die Gruppe von Mongolen angegriffen wird, die alle Chinesen niedermetzelt, die Koreaner aber verschont. Diese beginnen nun ihren eigenen Heimatweg zurück durch die Wüste zu fuß nach Korea!
Welch ein großartiger Plot. Doch dieser sehr schnell erzählte Ausgangssituation folgt zwar ein Film mit einer stattlichen Lauflänge von 158 Minuten, jedoch bleibt er bis dahin seiner etwas eindimensionalen Erzählrhythmik treu: Die Gruppe Koreaner reist, macht halt, es kommt zu einer Schlacht, sie reist weiter, macht halt, sie kämpfen, und so weiter. Und genau nach diesem Muster geht es bei "Musa" auch weiter. Der Exilanerzug macht Halt in einem kleinen Dorf, wo sie einen buddhistischen Mönch bei sich aufnehmen, und treffen dann auf eine weitere Mongolenarmee. Hier retten sie in einer halsbrecherischen Aktion die gefangene Ming-Prinzessin Buyong aus der Gewalt des Mongolengenerals Rambulhwa.
Zu diesem Zeitpunkt haben wir alle relevanten Charaktere kennen gelernt. Die hübsche, zarte Prinzessin Buyong wird von Zhang Ziyi gespielt. Wer ein weiteres hartes Mädchen im Stil von "Crouching Tiger, Hidden Dragon" erwartet, wird enttäuscht sein. Ziyi spielt getreu dem Klischee der zickigen, hochnäsigen Prinzessin. Jedoch steht jene Prinzessin zwischen zwei Männern, die sehr deutlich ihre Zuneigung zeigen und im Kampf auch beweisen. Koreanergeneral Choi Jung (Jin-Mo Ju) rettet sie aus dem Machteinfluss des ehrbaren Opponenten Rambulhwa (Yu Rongguang), aus persönlichen Gründen, denen er eine politische Legitimation vorschiebt. Wenn er mit einer Mingprinzessin zurückkehrt, könnte er damit beweisen, dass den Koreanern keine bösen Absichten bezüglich Chinas neuer Regierung hegen.
Der andere Mann, der die Prinzessin begehrt, ist der Sklave Yeo-Sol (Sung-Sus Stammschauspieler Jung Woo-sung). Als sein Herr, ein Diplomat, stirbt, gibt er ihn frei. Doch der brillante, athletische Krieger wird dennoch von seinem Rivalen Choi Jung als Sklave behandelt. Rückendeckung bekommt Yeo-Sol von dem besonnenen Kapitän Jin-Lib (Ahn Sung-Kee in einer großartigen Rolle), der oft seine eignen Soldaten gegen die strenge und harte Führung des Generals verteidigen muss.
Durch eine reichhaltige Anzahl an interessanten und gut gezeichneten Nebenfiguren bleibt es aus, dass sich der Film selbst auf eine triviale "Menage-à -trois" im 14. Jahrhundert entwickelt. Doch so schön und dreidimensional viele der Nebenfiguren sind, gerade die Hauptcharaktere wirken in der ersten Stunde eher farcenhaft, und nicht gerade gut entwickelt. Dies ändert sich schnell, wenn der Film nach einiger Zeit deutlich an Erzähltempo und Atmosphäre gewinnt. Aber gerade diese erste Erzählstufe, in der all die Charaktere etabliert werden, die Story nur fahrig vorangetrieben wird, schmälert leidlich den Genuss des Gesamtfilmes. Hier werden zu viele Möglichkeiten verschenkt.
Durchweg auf sehr hohem Standard erweisen sich jedoch die groß angelegten Actionszenen, die durch tollkühne Stunts und blutgetränkte Effekte aufgewertet werden. Das Editing in den Kampfszenen ist ohne gleichen. Die meiste Zeit zittert eine sehr unruhige Handheld-Kamera durch das Schlachtengewirr, und es entsteht ein unglaubliches "Mittendrin"-Feeling. Zwischendurch gibt es dann noch edle Steadycamfahrten und "Gladiator"-Ästhetik mittels kurzer Verschlusszeiten an der Kamera. Das Kampfgeschehen wird zwar detailliert dargestellt, und all jene Gräuel, die in Splatterfilmen gern aufs ekeligste breit ausgelegt werden, kommen zwar auch in "Musa" vor, jedoch derart sekundenkurz, dass der Zuschauer zwar wahrnimmt, was der da eben gesehen hat, aber letzten Endes nicht wirklich in all der Schnelle etwas gesehen hat.
Das Ende in einer verlassenen Ming-Festung ist dann der Höhepunkt an Spannung. Zwar hat bis dahin die Figur des General Chois jegliches Profil verloren, aber das interessiert zu diesem Zeitpunkt eh nicht mehr. Eine fantastische Schlacht mit tragischem Ende ist die Folge.
"Musa - The Warriror" ist ein prächtiges Historiendrama im breiten, obligatorischen 2,35:1-Format gedreht. All die detailreichen und sorgfältigen Kostüme und all die wunderschönen Schauplätze füllen das bemerkenswert gestaltete Bild völlig aus, und machen es zu einem weiteren visuellen Leckerbissen aus asiatischem Lande. Die Dreharbeiten wurden durch extreme Klimaveränderungen und Verletzungen an der Crew gefährdet, doch den Produzenten schien nichts zu schade zu sein, und "Musa" wurde zu einer der teuersten und gehyptesten Produktion aus Korea seit Jahren. Nun, "Musa" erfüllt zwar nicht die Erwartungshaltung des nächsten großen Koreaklassikers, aber dennoch ist er sehr, sehr große Unterhaltung. Wenn man einige darstellerische Unzulänglichkeiten, die viel zu direkte Geschichte und die sehr schwache erste Stunde weglässt, hat man einen wunderbar komponierten, visuell, musikalisch überragenden Film vor sich, der bis in die letzte Minute hin fasziniert.
 | "Surprise me!" BETA |
Zur Übersichtsseite des Films Liste aller lokalen Reviews von Der Mann mit dem Plan
Zurück
 |
 |
|