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Laura - Eine Frau geht durch die Hölle (1982)

Eine Kritik von KillBill-75 (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 19.11.2010, seitdem 424 Mal gelesen


Die Kritik beruht auf dem ungeschnittenen DVD-Release vom österreichischen Label NSM Records!

Bruno Mattei, einer der fleißigsten und dreistesten Plagiatoren und Schundfilmer des italienischen Trashkinos, inszenierte zur Blütezeit des WIP-(Women In Prison)-Genre dieses kleine, dreckige Machwerk und lieferte damit eine der wenigen handwerklich anspruchsvollsten Perlen seiner Karriere ab.
Bruno Matteis Filme mögen für Trash-Liebhaber wie mich eine Offenbarung sein, doch inszenatorisch erinnerten sie nicht von ungefähr an das Unvermögen eines Jess Franco.
In dieser Hinsicht hebt sich "Laura - Misshandelt im Frauenknast" von Werken wie "Private House Of The SS-Girls" oder "Virus" wohltuend ab.

Um den Raubbau perfekt zu machen wurde für den internationalen Markt noch die Serienfigur der "Black Emmanuelle" eingebaut und die titelgebende Darstellerin Laura Gemser gleich mit rekrutiert um den Anschein zu erwecken, dieser Film sei ein weiterer Beitrag der erfolgreichen Erotikfilm-Reihe von Regie-Kollege Joe d´Amato.
Desweiteren bewies Mattei einen lukrativen Geschäftssinn und verwendete sein aus "Die Hölle der lebenden Toten" bekanntes Pseudonym Vincent Dawn, um eine möglichst breite Masse für seinen Frauenknast-Schocker zu erreichen.

Sicherlich erfindet Mattei das Genre nicht neu, kann ihm aber durch die Darstellung eines gemischten Gefängnisses mit sowohl weiblichen als auch männlichen Insassen etwas Abwechslung abgewinnen.
Für den Unterhaltungswert sorgen unter anderem die genretypischen Nuditäten, Lesbennummern und Vergewaltigungen, die aber weit weniger explizit ausfallen als man es von dem Regisseur hätte erwarten können.
Wer die früheren und auch späteren Werke des Regisseurs kennt wird überrascht sein, dass er sich in punkto Gewaltdarstellung und Erotik zurückhält, was aber nicht bedeutet, dass es in diesem Knast nicht ordentlich zur Sache geht.
Auch Laura Gemser wird hier weitaus weniger als das Sexobjekt ausgeschlachtet wie man es aus ihren Filmen mit d´Amato gewöhnt ist. Zwar spielt sie auch hier wieder eine verdeckt recherchierende Reporterin, die zum Zwecke der Berichterstattung hin und wieder ihre Hüllen fallen lässt, doch weitaus weniger exzessiv. Sie überzeugt sogar teilweise mit ihrer Performance als erniedrigte und geschundene Insassin des Knastes.

Natürlich wird in "Laura" alles aufgefahren was die Klischeekiste zu bieten hat: von der sadistischen Wärterin über die Knasttunte und den verständnisvollen Gefängnisarzt bis hin zur despotischen Direktorin und der weisen, schon seit Jahrzehnten einsitzenden Gefangenen - in Matteis Knast sitzt das Who Is Who des Genre ein.

Das Drehbuch der beiden Autoren Palmanbragio Molteni und Oliver Lefait lässt für Fans keine Wünsche offen und erfüllt alle Erwartungen, die man an einen Film dieses Kalibers haben kann. Von den sadistischen Neigungen der Wärterin, knallharten Frauenkämpfen bis hin zu Foltereinlagen und der anschließenden Flucht wird die Liste fleißig abgearbeitet.
Dabei inszenierte Mattei ungewohnt routiniert, sauber und mit sicherer Hand und auch der obligatorische Schwachsinn in den Dialogen der Darsteller hält sich angenehm in Grenzen. Anschlussfehler oder Brüche in der Handlung sind ebenso wenig auszumachen wie Anspruch oder Tiefgang.

Dafür überzeugt der Film mit einem hohen Maß an Unterhaltungswert und einer temporeichen, teilweise sogar spannenden Handlung, die unentwegt von einem fetzigen Soundtrack begleitet wird, für den Komponist Luigi Ceccarelli verantwortlich zeichnete.

Insgesamt gesehen liegt hier ein knackiger, exploitativer Sleaze-Klassiker vor, der mit zu den besten Beiträgen des Genres aus der italienischen Ära gezählt werden darf.


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