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Einfacher Plan, Ein (1998)
Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 20.02.2006, seitdem 571 Mal gelesen
Stilistisch etwas an „Fargo“ erinnernder Thriller von Sam Raimi über das Leben in der US-Kleinstadt.
Hauptpersonen sind die Brüder Hank (Bill Paxton) und Jacob Mitchell (Billy Bob Thornton) sowie Jacobs arbeitsloser Kumpel Lou Chambers (Brent Briscoe). Hank hat studiert, arbeitet trotzdem nur als Angestellter im Krämerladen, Jacob und Lou sind beide arbeitslos. Sie müssen nicht um ihre Existenz fürchten, doch ein erfülltes Leben scheint in weiter Ferne und das ist fruchtbarer Boden für kriminelle Ambitionen.
Diese ergeben sich als die drei abgestürztes Flugzeug finden: Der Pilot ist tot und im Wrack befinden sich über 4 Millionen Dollar. Sie nehmen das Geld unter der Bedingung mit es nur unter sich zu verteilen, wenn keiner danach sucht. Doch bald ergeben sich Komplikationen…
„Ein einfacher Plan“ ist kein Thriller mit einem sonderlich komplexen Plot oder vielen überraschenden Twists, sondern eher ein geradliniger, sehr fatalistischer Film. Natürlich ist so ein Vermögen gerade für die drei wenig Betuchten eine besonders große Verlockung und bei dem Versuch die Beute zu schützen, kommt es bald sogar zu Toten. Meist ist zwar abzusehen, wen es wohl bald erwischen wird, nur Raimi gestaltet die Frage wann genau immer sehr spannend (z.B. im Finale am abgestürzten Flugzeug). Doch die Morde und Gewaltausbrüche sind von geringer Zahl und so sauber über den Film verteilt, dass sie den Zuschauer äußerst effektiv schocken.
Dabei erweist sich „Ein einfacher Plan“ noch als relativ schwarzhumorig, später dafür umso bitterer. Anfangs sind einige Dinge noch auf makabere Weise amüsant (z.B. die musikalische Inszenierung bei dem inszenierten Schneemobilunfall), doch gegen Ende wird das Geschehen umso bitterer. Ausgerechnet der anfangs noch recht ehrliche Hank wird unter dem Einfluss seiner intriganten Ehefrau Sarah (Bridget Fonda) zum Fanatiker, während Jacob als emotionalerer Bruder immer mehr Zweifel an der Sache bekommt – *SPOILER* Da ist die Szene im Finale, in der Hanks Fanatismus über Jacobs Menschlichkeit siegt, ein echter Schlag in die Magengrube. *SPOILER ENDE*
Verdammt trostlos werden dabei die verschneiten Weiten dargestellt und ähnlich trostlos sieht es bei den Charakteren aus. Keiner ist ein grundsätzlich schlechter Mensch oder böse, doch die Umstände treiben die Figuren zu Verbrechen und Bluttaten an. Angesichts der gut erdachten Charaktere entspinnt sich so neben dem Thriller noch ein menschliches Drama über moralische Fragen: Rechtfertigt Geld die Verbrechen, wer ist bei diversen Diskussionen im Recht usw. Obendrauf kredenzt Sam Raimi noch ein wahrhaft böses Ende, das zu der fatalistischen Struktur des Films passt.
Doch trotz der bemerkenswert pessimistischen Art und des eindringlichen Dramaaspekts ist „Ein einfacher Plan“ trotzdem nur ein sehenswerter Thriller und kein Meisterwerk geworden. Denn so zieht sich der Film in der Mitte etwas arg (z.B. beim gemeinsamen Saufen der Partners in Crime) und tritt zu sehr auf der Stelle, ehe im turbulenten Finale dann noch mal deutlich die Spannung angehoben wird und der Schluss wieder voll zu überzeugen weiß.
Erstklassig hingegen ist die Besetzung: Vor allem Billy Bob Thornton beweist als liebenswerter Simpel Mut zur Hässlichkeit und sticht den Rest schauspielerisch aus. Grandios z.B. die Szene, in der sonst so naiv wirkende Jacob Hank klarmacht, dass der Tod ihres Vaters kein Unfall war. Bill Paxton ist fast ebenso gut, aber auch Bridget Fonda und Brent Briscoe machen ihre Sache nur geringfügig schwächer als die Darsteller der beiden Brüder.
„Ein einfacher Plan“ ist ein zumindest vom Plot her einfacher Thriller und hat so seine Längen, doch ziemlich spannend und unterhaltsam ist er trotzdem, da er sehr dramatisch, sehr einfühlsam und auch ungewöhnlich fatalistisch über Geld, Freundschaft und Habsucht reflektiert.
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