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Braindead (1992)
Eine Kritik von Schlombie (Bewertung des Films: 5/10) eingetragen am 23.04.2008, seitdem 410 Mal gelesen
Mit "Braindead" verstärkte Peter Jackson das in "Bad Taste" von ihm entwickelte und selbstbetitelte Subgenre des Splatstick. Da der Nachfolgefilm noch einmal einen wesentlichen Grad härter ist als sein Vorgänger mit den bösen Aliens, ist "Braindead" quasi konkurrenzlos. Und genau das ist es, was den Film so kultig macht. Kultig bedeutet nicht immer, dass etwas super ist. Ich verstehe zwar den Hype der um diesen kleinen Film gemacht wird, mehr als Mittelmaß kann ich in ihm allerdings nicht erkennen.
Der Film trumpft genau in den Punkten, in denen er auch immer gut gemacht wird: den makaberen blutigen Witzchen. Darin ist er wirklich originell, und ein lautes Lachen wird sich keiner verkneifen können, wenn man nicht gerade zu den arg konservativen Menschen gehört. Da sind unglaubliche Ideen eingearbeitet. Mit zu meinen Lieblingen gehört die komplette "Mit dem Baby in den Park"-Szene, die Art einen Zombie zu füttern wenn diesem der Kopf ewig nach hinten klappt, die endlos lange Rasenmäherszene und das Puddingessen. Da gab es noch einiges mehr zu lachen, aber man kann sich diesen Wahnsinn ja nun nicht komplett merken (was ein zweites Gucken trotz Mittelmaß durchaus anregend macht). Eine meiner Meinung nach sehr gute Idee wurde leider nicht so gut umgesetzt. Und das war die wirklich fiese Idee der Aufforderung der mutierten Riesenmutti an ihren Sohn nun wieder ab in den Bauch zu kommen. Das wäre ja schon hart an der Würggrenze bei einer nichtmutierten Mutter, so ist es das ganze schon hoch zehn.
Wo mit Blut gearbeitet wird, da schreien die Sittenwächter auf. Wegen des Humors wird diese Diskussion bei "Braindead" nicht so extrem geführt wie bei anderen, harmloseren, ernsten Werken. Diese Grundhaltung ist schon etwas bedenklich. Zeigt ein Film eine blutige Szene im ernsten Rahmen, womit immerhin noch eine Aussage enthalten sein könnte und die dadurch näher an der Realität sein könnte, werden ausgerechnet dann die Augen zugedrückt, wenn sich über derart extrem abartige Dinge amüsiert wird. Das ist ungefähr so heuchlerisch wie die Grundhaltung der Amerikaner gegenüber Gewaltszenen im Vergleich zu Oben-ohne-Szenen. Nun, letztendlich soll es mir egal sein. In meinen Augen entmündigen Sittenwächter den erwachsenen Menschen nur, und ich mag die Komik "Braindead"s, aber ich fand es wichtig diesen Punkt mal anzuschneiden.
Das blutig chaotische Treiben in seiner aufgeblähten Extreme ist also ganz klar der Pluspunkt des Films und gleichzeitig das, was ihn innerhalb kürzester Zeit zum Kultfilm machte. Was mir allerdings fehlte war die Seele des Films. In der deutschen Fassung ist sie überhaupt nicht vorhanden, hier erlebt man dank einer viel zu kühlen Synchronisation ein atmosphärisch leeres Werk, bei dem man immer auf den nächsten Ekeleffekt wartet um was zu lachen zu haben. Nein, es ist keine dieser Porno-Synchros, es ist aber eine, die einen immer aus dem Film rauswirft, weil man mit den Figuren einfach nicht warm wird. So guckt sich "Braindead" im Original noch einmal wesentlich besser. Doch auch hier will der letzte Schritt zum Im-Film-einfühlen einfach nicht geschehen. Klar erleben wir hier comichaft übertriebene Charaktere, die zudem comichaft übertrieben handeln, aber der Funke will einfach zu mir, dem Zuschauer, nicht überspringen. Vielen wird es egal sein, bei anderen mag der Funke angekommen sein, ich frage mich allerdings wie das geschehen ist. Die Rolle des Ash in "Tanz der Teufel 2" ist einem trotz ähnlicher Charakteristiken wesentlich näher, mitunter auch weil man sich trotz all seiner Idiotie und Fragwürdigkeit mit ihm identifizieren kann. Mit der Hauptrolle aus "Braindead" kann man das nicht wirklich. Den Film umweht die ganze Zeit die Kühle, die sein Elternhaus ausmachte, und die ihn zu dem machte was er nun ist. Was wie ein guter Regiekniff klingt ist leider nur das unnötige Verpuffen der richtigen Wohlfühl-Atmosphäre des Films.
Der Hype, der um Peter Jackson als Regisseur gemacht wird, ist mir ebenso fremd wie der Hype um Spielberg und Cruise. Jacksons Filme sind grundsätzlich guckbar, machen auch Spaß und sein bestes Werk hat er in meinen Augen mit "The Frighteners" abgeliefert, der die anderen Jackson-Filme weit hinter sich lässt. Ein richtig guter Regisseur wird mir durch seine Arbeiten allerdings nicht offenbart. Aber auch Jackson lernte dazu, und rein regietechnisch erkennt man von Film zu Film Fortschritte. Die Wirkung seiner Werke ist dennoch in seiner Qualität sehr unterschiedlich. Und der Witz bei "Braindead" ist der, dass er auf Amateurfilmbasis vielleicht sogar gelungener geworden wäre als in dieser richtigen Produktion mit größerer Regieerfahrung. Diesen Amateurbonus hat aber nun mal nur der Vorgänger "Bad Taste".
Was "Braindead" fehlt ist eine richtige Geschichte. Das was man hier sieht ist die Hülle einer Story mit wirklich guten Elementen. Das Ödipusthema wirkt ebenso positiv wie das Experimentieren mit dem Zombiethema. Allein dass Untote Sex haben ist eine interessante Idee, die z.B. in "Porno Holocaust" durch zu langweiliger sexueller Provokation komplett in den Sand gesetzt wurde. Auch die Frage wie man eine Hand voll Zombies sicher verstecken kann, bzw. ob man dies überhaupt kann, wird wunderbar eingebracht. Das ist einer der wenigen Punkte, die sich auch auf den Zuschauer gekonnt ausbreiten. Letzten Endes führen diese ganzen wunderbaren Ideen aber nirgendwo hin. Am Ende wird die Schlachtplatte ausgebreitet, alles wird niedergemetzelt, schräge Ideen reihen sich aneinander, man lacht sich kaputt, aber irgendwann ist der Film vorbei und ein Gefühl von Leere bleibt zurück. Der Film ist wie ein überdimensionaler (brutalerer) Road-Runner-Sketch. Über die Witzchen dort würde man auf Spielfilmformat auch nicht mehr lachen können, bzw. man könnte noch über die besonders gelungenen Witzchen lachen, wäre aber auch erschöpft weil es einfach kein Ende nehmen will. Und der Zuschauer wäre nicht gefordert wegen einer zu geringen Geschichte ohne echte Rollenidentifikation. Und genau so ergeht es mir mit "Braindead".
Super lustig, aber arg ermüdend. Wären die Figuren etwas griffiger wäre eine bessere Geschichte drum herum eigentlich kaum noch nötig. Aber beides zusammen zu vernachlässigen, lässt das eigentlich so innovative Werk dann doch nur wieder mittelmäßig wirken. Das finde ich sehr schade.
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