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Underground (1995)

Eine Kritik von rheinfire (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 26.01.2007, seitdem 745 Mal gelesen


Da muß ich doch wieder einmal eine Perle der Filmkunst rauskramen.
Was für ein Rausch an Bildern.Emir Kusturica zieht in "Underground" alle Register seines Könnens.Der Film ist eine surrealistische Groteske,zynisch,bösartig bis ins Mark treffend und doch agieren die handelnden Personen zutiefst menschlich,nachvollziehbar und auf ihre Art sympathisch.
Die Freunde Marko und Blacky schlagen sich während des Zweiten Weltkriegs als Schwarzmarkthändler in Belgrad durch. Als Blacky in die Hände der Nazis gerät, wird er von Marko befreit und in einem Keller versteckt, wo Waffen produziert werden. Nach Kriegsende gelingt es Marko, seine Genossen weiter im Untergrund versteckt zu halten, indem er ihnen vergaukelt, daß die Deutschen noch nicht geschlagen seien. Durch Zufall gelangen einige der "Waffenschmiede" schließlich 1991, mitten im Balkankrieg, wieder ans Tageslicht.
Die reale Welt oben verschwimmt mit der irrealen unten und dabei läßt Regisseur Kusturica kein gutes Haar an nichts und niemandem.Besonders infam die dokumentarischen Jubelszenen aus Maribor und Zagreb beim Einmarsch der Nazis.Auch die Folterknechte sind eindeutig als Kroaten zu identifizieren.Kusturicas Film wurde deshalb von vielen als proserbisch denunziert und doch bekommt auch die KP Jugoslawiens ihr Fett weg,genauso wie die Blauhelme der UN.Es ist schwarz-weiß Malerei auf allerhöchstem Niveau.Und letztlich liegt viel Wahrheit in Kusturicas Bildern.Letztendlich ist es egal von wem die Bomben auf Belgrad geworfen werden,sie treffen sympathische Menschen mit allen Schwächen,die wir Menschen nun mal haben.
Die immer wieder aufspielende Zigeunerkapelle unterstützt dabei Kusturica in seinem Bemühen seine Landsleute in all ihrer Lebenslust zu zeichnen.Mal fröhlich und schmunzelnd ,im nächsten Moment wild tanzend und trinkend ,orgiastisch und ausschweifend ,mehr noch im Rausch auch gewalttätig.Und so manches Mal bleibt einem das Lachen im Halse stecken.
Wilde Kamerafahrten,grandiose Bilder und überzeugend agierende Schauspieler erinnern teilweise ein bißchen an Fellinis Satyricon.Kusturica spielt allerdings noch mehr mit symbolträchtiger Übertreibung.
Natürlich ist "Underground" ein politischer Film.Vor allem zeigt er aber ,was Kusturica nahe geht."Die Deutschen haben den Krieg gewonnen" heißt es an einer Stelle,es spielt auch keine Rolle ,daß es jetzt andere Deutsche sind.Jugoslawien ist nicht mehr."Es war einmal ein Land" und dann die Einblendung: dieser Film hat kein Ende .Logisch,kann er ja auch nicht,der Kampf für die Utopie geht weiter.
Großes Kino,von mir gibt es 9 von 10 Punkten


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