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Blutige Seide (1964)

Eine Kritik von Boxhamster (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 02.06.2004, seitdem 840 Mal gelesen


Inhalt:
Eine Mitarbeiterin eines Modesalons wurde ermordet und als ihr Tagebuch auftaucht geht dem Rest der Belegschaft gehörig der Stift, denn dieses Schriftstück scheint Dinge zu enthalten, die jeden von ihnen zum Verdächtigen machen könnte. Als das Buch spurlos verschwindet, geht die Mordserie weiter...


Kritik:
Mit diesem Film schuf Mario Bava ein kleines Meisterwerk, das das Subgenre des Giallo, den besonderen italienischen Thriller, wie kein anderer prägte.

Zugegeben, die Story an sich ist nicht meisterlich, da sie sehr einfach gestrickt ist. Das meisterliche ist die Umsetzung, mit der Mario Bava ein Gemälde auf dem Filmsektor geschaffen hat.
Die Art, wie hier die einzelnen Szenen ausgeleuchtet und mit unterschiedlichen Farben ins Licht gerückt wurden, ist absolut beeindruckend und ein Fest fürs Auge des Zuschauers. Soetwas habe ich bisher nur bei meinem offiziellen Lieblingsregisseur Dario Argento, bei dem der Einfluss Bavas augenscheinlich ist, z.B. in "Suspiria" und "Horror Infernal" gesehen.

Hinzu kommen die phantastischen Kamerafahrten- und einstellungen, bei denen die Kamera stellenweise minutenlang durch Kulissen gleitet und den Zuschauer so in seinen Bann zieht. Ledglich bei längeren Dialogszenen wirkt die Kamera stellenweise etwas statisch.

Wie auch bei den späteren Giallos (oder Gialli?) beispielsweise des bereits oben genannten Herren werden die zahlreichen Mordszenen wie kleine Kunstwerke inszeniert, wobei bei diesem Frühwerk der Aderlass noch keine übermäßigen Ausmaße annimmt. Trotzdem sind wird hier eine bedrohende Athmosphäre erzeugt und die Spannungskurve erreicht in diesen Momenten ihre Höhepunkte.

Der Täter verbirgt sich selbstredend hinter einer Maske (hier einem Tuch), ist mit Handschuhen ausgestattet und lässt bei den Morden seiner Kreativität freien Lauf. Ihn vor Ende des Filmes zu entlarven ist nahezu unmöglich, da es eine Vielzahl von Verdächtigen gibt, die allesamt Dreck am Stecken zu haben scheinen. Auch die bei den Giallos entscheidende Frage nach dem Motiv wird erst am Ende des Streifens klar.

Die Darsteller und Darstellerinnen liefern alle gute, glaubwürdige Leistungen ab, wobei mich vor allem die wunderschöne Eva Bartok überzeugt hat, deren Erscheinungsbild auch in späteren Giallos immer wieder aufgegriffen wurde.

Die Musik ist gut und ohrwurmtauglich, nimmt aber noch nicht so eine starke Rolle ein, wie beispielsweise die der grandiosen Goblin in Argentos Krachern.

Ein Wegbereiter des italienischen Thrillerkinos, dessen Inhalt leider etwas hinter der visuellen Genialität zurückbleibt, aber an keiner Stelle Langeweile aufkommen lässt und für Fans des italienischen Films ohnehin ein absolutes Muss ist.

8 von 10 Punkten


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