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Satan der Rache (1969)
Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 01.02.2009, seitdem 325 Mal gelesen
Antonio Margheriti ist vor allem für seine Söldnerfilme bekannt, war aber in verschiedenen Genres aktiv und fabrizierte unter anderem diesen schnieken Italowestern.
Schon der Beginn verweist darauf, dass Gary Hamilton (Klaus Kinski) selbst nach zehn Jahren Zwangsarbeit im Steinbruch ein klares Ziel hat – so sieht er es auch als unmöglich von einer Klapperschlange getötet zu werden, bevor er sein Ziel erreicht hat und erledigt das Tier flink. Natürlich ahnt man bereits, dass es wohl eines der Hauptmotive des Italowestern ist: Rache. Und selbige kann Gary dann nehmen, als man ihn nach Ablauf von zehn Jahren Steineklopfen freilässt.
In der Postkutsche trifft Gary Dick (Antonio Cantafora), den Sohn seines Feindes Acombar (Peter Carsten). Der herrscht mit eiserner Hand über ein kleines Städtchen, schafft für sein Sohn aber eine Fassade des Ehrbaren. Dagegen werden Garys Vorleben als Soldat im Bürgerkrieg und sein gutes Ansehen gestellt, woran man schnell merkt, dass Acombar ihm ein Versprechen in die Schuhe schob. Von früher Rechtschaffenheit ist nun nicht mehr viel zu merken, tatsächlich präsentiert „Satan der Rache“ seinen Helden als nach Jahren der Zwangsarbeit innerlich abgestorbenen Vergelter, dessen einziges Lebensziel besagte Rache ist.
Während eines Tornados sucht Gary das Städtchen heim, bereits mit vorheriger Ankündigung seiner Rache. Doch selbst die gewappneten Peiniger haben ihm wenig entgegenzusetzen und werden nach und nach dezimiert…
In „Satan der Rache“ vereinen sich Elemente des Rachewestern und des Horrorfilms. An letzteres erinnert vor allem die Plotstruktur des Films, da Gary massig-kleine-Negerlein mit den Übelwichten spielt. Ist der Killer im Rachefilm meist der Gute, im Horrorfilm meist der Böse, so kommt durch diese Vereinigung schön die Ambivalenz von Garys Charakter zum Vorschein. Tatsächlich spielt der größte Teil des Films während der Nacht der Vergeltung, Subplots um alte Bekannte Garys handelt Margheriti angenehm zügig ab und konzentriert sich auf das Wesentlich. Einzig und allein dem Nebenstrang um Acombar und seinen Sohn wird mehr Platz gelassen, denn Garys Rache spielt nicht nur auf rein physischer Ebene sie lässt den Vater auch das Vertrauen des über allen geschätzten Sohnes verlieren, der langsam hinter die Kulissen blickt.
Insofern ist „Satan der Rache“ eine wirklich angenehm geradlinige Angelegenheit, die sich nur wenige Patzer leistet. So werden einige Nebenfiguren doch etwas sehr lieblos und salopp abserviert und mit der Logik nimmt man es auch nicht immer genau, z.B. wenn Gary einen Fiesling durch eine Falltür zieht, eine ganze Weile mit diesem rangelt, der Übelwicht aber erst nach Hilfe schreit, wenn sein Schicksal bereits besiegelt ist. Aber trotz solcher kleiner Schönheitsfehler ist „Satan der Rache“ ein schönes, wenn auch simples Vergnügen, denn großartige Twists hält das Geschehen dann nicht parat.
Erstklassig ist auch die Inszenierung, die mal wieder Parallelen zum Horrorkino zieht: Omen wie Tierschreie in der Nacht kündigen die Ankunft des Rächers an, wehende Vorhänge und ähnliche Schauermomente finden sich ebenso und die stürmische Nacht erinnert vom Setting sowieso an dieses Genre. Dazwischen setzt „Satan der Rache“ auf kurze, aber schick inszenierte Shoot-Outs, bei denen sich Gary und Verbündete auch einfallsreicher Metoden bedienen, um Fieslinge ins Jenseits zu befördern, z.B. mittels fallender Kirchenglocke oder Stampede.
Klaus Kinski spielt die Hauptrolle auch überraschend zurückgenommen, kein Ausrasten wie man es von späteren Filmen und natürliche realen Auftritten gewohnt ist, stattdessen agiert er in sich gekehrter, determinierter Racheengel ebenso ruhig wie glaubwürdig. Mit Peter Carsten hat einen guten Gegenspieler erhalten, der gerade Acombars verzweifelte Versuche die Fassade aufrecht zu erhalten wunderbar rüberbringt (man beachte die Szene beim Abendessen, bei der er versucht die Schießerei im Hintergrund für nichtig zu erklären). Antonio Cantafora als Sohnemann macht einen ebenso guten Job, der Rest vom Fest hingegen hat wenig Screentime.
„Satan der Rache“ mag zwar nur das alte Lied von Rache singen, doch der Ton macht hier die Musik: Simpel, aber gradlinig erzählt, inszenatorisch einfallsreich und ziemlich spannend – ein gelungener Italowestern.
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