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Edward mit den Scherenhänden (1990)

Eine Kritik von Der Kre-Lo (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 18.08.2005, seitdem 1900 Mal gelesen


Edward ist ein künstlicher Mensch, liebenswert, höflich, unvollendet. Statt seiner Hände hat er gewaltige Scheren. Seit sein Schöpfer nicht mehr aufgewacht ist, lebt er zurückgezogen und allein in seinem gewaltigen, heruntergekommenen und düsteren Schloss, das wie ein lauerndes Raubtier über der aalglatten Vorstadtgegend thront. Soziale Kontakte hat er nicht.
Doch eines Tages verirrt sich die Avonberaterin Peg zu dem Schloss und entschließt, Edward bei sich zu Hause aufzunehmen. Er stößt schnell auf Bewunderung und Faszination ob seiner Fertigkeiten mit den Scheren, welche sich vor allem im Haarfrisieren und Zurechtschneiden von Hecken äußern. Aber stärker noch als die Faszination ist die Angst vor dem Neuen und Unbekannten, die sich nach und nach unter den Nachbarn breit macht...
Ein Meisterstück sonders gleichen ist Tim Burton hier gelungen, eine Brise Sozialkritik verpackt in eine märchenhafte, wunderschöne, berührende, teils komische, aber letztlich tragische und todtraurige Liebesgeschichte.
Wundervoll ausgearbeitete Sets, das verwinkelte, verschrobene und mit liebevoll gestalteten Apparaturen ausgestatte Schloss im direkten Kontrast zur perfekt abgeglichenen Vorstadtsiedlung, in der jeder Grashalm millimetergenau abgemessen ist; tolle Kostüme; wunderschöne Musik von Danny Elfman; der unvergleichliche Vincent Price in einer Nebenrolle. Johnny Depp legt eine der besten Darstellungen seiner Karriere ab. Wie er dem schüchternen, unsicheren, melancholischen, missverstandenen Edward, der sich lediglich nach Zuneigung und Wärme sehnt, Leben einhaucht, ist atemberaubend. Unvergessen die Szene am Weihnachtsabend, an dem sich die Ereignisse überstürzen, als Kim ihn darum bittet, sie in den Arm zu nehmen und er nur hilflos bemerken muss, dass er das nicht kann. Jeder seiner Blicke sagt mehr aus als andere Darsteller mit den ausuferndsten Gesten nicht ausdrücken können.
Vielleicht mag man sich wundern, woher Edward diese gewaltigen Eisblöcke nimmt, doch sollte man sie als Teil dieser märchenhaften Atmosphäre akzeptieren, denn die Szene, als er aus ihnen eine überlebensgroße Kim formt, während sie dazu in den umherschwirrenden Eisflocken tanzt, ist eine der schönsten, die ich je gesehen.
Ein großartiges Filmerlebnis für jung und alt, Taschentücher sollte man vielleicht bereithalten.
Wunderschön.


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