Oftmals hört man schon bei bekannteren Vertretern des Hongkong-Kinos, daß es schwer sei, ein gutes Master zu finden, da sich lange Zeit niemand über die Konservierung Gedanken gemacht hat. Filme waren ein Produkt für den Moment. Wer konnte schon ahnen, daß zwanzig oder dreißig Jahre später noch eine Nachfrage bestehen könnte? Wenn nun ein Label Fragmente aus italienischen und englischen Fassungen einfügen muß, um eine ungeschnittene Version bieten zu können, dann könnte dies durchaus schon dafür sprechen, daß der betroffene Film eine unglaubliche Rarität sein muß - vielleicht auch, weil sich eine aufwendigere Restauration schlicht nicht rentieren würde.
Tatsächlich ist Chen Sing - Die Faust im Genick ein durchschnittlicher Actionfilm mit Rachethema. Chen Sing, der seinen Namen im deutschen Verleih immerhin vor eine ganze Reihe nicht zusammenhängender Titel stellen darf, wird am Flughafen von der Polizei überwältigt und festgenommen, da in seinem Gepäck eine gehörige Menge Heroin gefunden wurde. Seine Freundin glaubt zwar an seine Unschuld und versucht alles in ihrer Macht stehende, um Sing freizubekommen, doch der spricht keine Silbe, sitzt seine Zeit tapfer ab, bis auf einen Tag vor der Freilassung. Dann nämlich bringt ihm ein Bote einen Satz Bilder, deren Inhalt Sing zur Weißglut bringen. Er zerschlägt die trennende Glasscheibe und tobt, bis er schließlich in Rage ausbricht.
Es genügt für die knapp achtzig Minuten von Chen Sing - Die Faust im Genick, die Schuldigen im Freundeskreis zu suchen. Die Erkenntnis, daß ihm die Drogen untergeschoben wurden, ist nun aber auch wahrlich nicht erstaunlich. Eigentlich wird sich im Folgenden nur noch kräftig das Freßbrett poliert und man muß zugeben, der Chen Sing, der hier wirklich wie ein asiatischer Charles Bronson anmutet, dieses auch mit einer brutalen Direktheit beherrscht.
Hier setzt dann aber auch die Frage des Anspruchs ein, die sich der potentielle Zuschauer zu stellen hat. Chen Sing - Die Faust im Genick bietet durchaus Szenen, die sich als Standards über die Jahre gehalten haben. Darunter fällt zum Beispiel ein Sprung Füße vorraus in eine Windschutztscheibe, die auch heute noch eine Regung beim Publikum verursachen dürfte. Ein lang ausgekosteter Kampf über Dachelemente und mehrere Treppen und Etagen innen und außen ist durchaus sehenswert, zählt aber zu einem akrobatisch mit der Zeit noch deutlich verbesserten Repertoire.
Es ist sehr wahrscheinlich, daß Chen Sing - Die Faust im Genick seinerzeit gedreht wurde, um kurzweilige Unterhaltung zu bieten, der man nicht böse ist, die aber zu Gunsten des finanziellen Gewinns über ein gewisses Mindestmaß nicht hinaus geht. Das dürfte Anfang der Siebziger noch ganz gut funktioniert haben, immerhin schwang hier der Trend gerade vom historischen Kung Fu Film zum modernen Actionkino um und dank erfolgreicher Exporte setzten einige ausländische Produzenten auf eine Zusammenarbeit mit den Studios aus Asien. Auch das Sujet um ein Rachemotiv zu gestalten, war noch ein international weit verbreitetes Phänomen in den Kinos, welches auch vor Majorfirmen nicht halt machte.
Doch was ist heute? Der ausgesprochene Fan kann immer noch eine gewisse Freude an Chen Sing - Die Faust im Genick finden, auch wenn es an wirklich memorablen Szenen etwas mangelt. Optisch durch ihr Klopsformat oder ihre Plastikweste hervorstechende Figuren regen hier und dort zum schmunzeln an. Das Hinterlassen von Faustabdrücken in Wänden scheint ferner eine zentrale Problematik zu sein. Zum Mitfiebern bewegt schließlich nur Nancy Yen, sobald sie selbst Teil des Kampfgeschehens wird.
Interessant wird die DVD in dem Moment, wo man sich endlich eine ungeschnittene Version gönnen möchte, die allerdings, um dies nicht zu verschweigen, eher um Handlung und/oder wenig relevante Szenen erweitert wurde. Der Film sollte also weder auf der Suche nach ausgesprochenen Klassikern, noch dem brutalsten Eastern mit einem solchen verwechselt werden. So toll es also ist, daß Labels ihr Sortiment heute mit solch speziellen Raritäten schmücken mögen, so sehr muß man dann leider auch der Realität ins Auge sehen: Ohne Sinn und Drang diese auch konsumieren oder sammeln zu wollen, ist Chen Sing - Die Faust im Genick in Anbetracht der breiten Auswahl nun abermals ein Titel, den man durchaus übergehen könnte, wenn rein die gebotene inhaltliche Qualität und Einzigartigkeit den Ausschlag geben.