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Letzten Glühwürmchen, Die (1988)

Eine Kritik von diceman
eingetragen am 18.07.2005, seitdem 555 Mal gelesen


Zweiter Weltkrieg, Japan kurz vor der Kapitulation. Der junge Seita und seine kleine Schwester Setsuko verlieren ihre Eltern bei einem verheerenden Luftangriff der Alliierten. Zunächst kommen sie bei ihrer Tante unter, doch wohl fühlen sich dort beide nicht, also ziehen sie in eine verlassene Höhle am Flußufer. Seita gibt sein Bestes um seiner Schwester das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten, doch die Zeiten sind hart: ständig gibt es Bombenalarm und genügend Nahrung aufzutreiben wird zunehmend schwieriger.

Es gibt jene monumentalen Anime-Streifen, die mit flüssigen Animationen, immensem Detailgrad und furiosen Action-Szenen prahlen, Filme wie "Cowboy Bebop - The Movie" oder "Steamboy". Und es gibt Animes wie "Die letzten Glühwürmchen", bei denen innere Werte heller strahlen als technische Perfektion.
Die Story wird in ruhigen Bildern erzählt, überraschende Wendungen gibt es keine, trotzdem fesselt der Film durch seine emotionale Intensität. Die Charaktere sind komplex, so ist es z.B. alleine Seitas Stolz, der die Geschwister von der Tante fortziehen lässt, obwohl beide dort zwar keine angenehme, aber immerhin eine sichere Existenz geboten bekämen. Setsuko vertraut ihrem Bruder, ist er doch der einzige aus der Familie, der ihr nahesteht. Es geht um Entscheidungen, richtige und falsche, und ihre Konsequenzen.
Statt einem Showdown versickert der Film unspektakulär und entlässt den Zuschauer mit sanfter, melancholischer Musik und einem fast erdrückenden Gefühl von Trauer und Hoffnungslosigkeit. Für mich hätte der Film ruhig etwas mehr auf die Tränendrüse drücken können, andererseits kann übertriebene Melodramatik viel kaputt machen, also will ich zufrieden sein. Es darf geweint werden.
Auszusetzen gibt es wenig: Das Payoff mit der Fruchtbonbon-Dose wird kurz vor Schluß nur erzählerisch zusammengefasst, mehr Bilder hätte ich mir gewünscht. Die Animationen sind weitgehend flüssig, häufig stilisiert, und Hintergründe meistens starr; stören tut das nicht.
Ich habe den Film auf japanisch mit Untertiteln geguckt und empfand lediglich die Stimme der Tante als emotionslos dahingeleiert, die deutsche Synchronisation wurde von ARTE in Auftrag gegeben und geht in Ordnung, erschien mir aber als etwas zu kräftig abgemischt.
Ansonsten bleibt anzumerken, daß der Film von der FSK zwar eine 6er-Freigabe bekommen hat (auf intensive Kriegs-Szenarien und Gewalt wird verzichtet), trotzdem erachte für kleine Kinder die Thematik als unangemessen.

Bewegendes Weltkriegs-Märchen für Erwachsene und ältere Kinder. Angesichts der ruhigen Erzählweise sollte man Geduld mitbringen, dann wird man mit einer sensibel erzählten, kitschfreien Geschichte belohnt, die unvermeidlich auf ein tragisches Ende zusteuert. Schöne Bilder und dezenter Musikeinsatz runden das Erlebnis nahezu perfekt ab.

8 von 10 in Schönheit sterbenden Leuchtkäfern.


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