5 Jahre ist es nun schon wieder her, als der wohl größte und beliebteste US-Zeichentricklieferant seine Tore für den handgefertigten 2D-Kinofilm verschloss und ab sofort nur noch auf die moderne 3D-Computeranimation setzen wollte. Disney, unter der damaligen Führung von Michael Eisner, dem wohl schlimmsten Studiochef aller Zeiten, war der Meinung das handgezeichnete Filme keinen Menschen mehr interessieren, was zumindest in Amerika vielleicht auch gar nicht so verkehrt war, da Filme wie "Der Schatzplanet" und "Bärenbrüder" weit hinter den sonstigen Kinoeinnahmen zurückblieben. Doch Disneyfans liefen Sturm gegen diese Entscheidung, und schon bald schmissen die Disneyaktionäre Michael Eisner vom Tron und das Studio nahm, unter neuer Leitung, die Arbeit in den Animation Studios wieder auf. Und nun ist es endlich wieder so weit: ein handgezeichneter Disneyfilm erleuchtet die Filmspielhäuser rund um die Welt. Die immensen Erwartungen waren hoch, so dass man nach Sichtung des Werks nun eher von einer Enttäuschung sprechen muss. "Küss den Frosch" bleibt hinter den früheren Filmen spürbar zurück.
Und das liegt dabei nicht einmal an der Story, denn diese hat durchaus das Potenzial zu einem großen Disneyfilm, welcher zudem eigentlich auch optimal in die heutige Zeit eingearbeitet wurde. Es geht um die schwarzhäutige Teenagerin Tiana, welche sich nichts sehnlicher wünscht, als den großen Wunsch ihres verstorbenen Vaters, ein eigenes Restaurant mit allem drum und dran zu führen, wahr zu machen. Eines Tages trifft sie auf einen Frosch. Dieser behauptet ein verwunschener Prinz zu sein, der von ihrem Kuss erlöst werden kann. Dafür würde er sich auch fürstlich belohnen. Aus Jux macht Tiana diesen Spaß mit und küsst ihn. Doch anstatt den Prinzen zu erlösen, wird nun auch sie in einen Frosch verwandelt. Eine alte Voodoo-Zauberin soll den Bann lösen können, also macht sich das Frosch-Duo auf die Suche nach ihr. Doch der böse Magier Dr. Facilier versucht die Pläne zu durchkreuzen... Ohne Frage, hier steckt viel von dem drin, was Disneyfans schon seit Jahren an diesen Filmen so mögen. Ein bekanntes Märchen wird neu interpretiert, bzw. in diesem Fall sogar persifliert und neben allerhand fantastischen Figuren gibt es auch wieder Spaß, Romantik und natürlich ein Happy End. Doch der Weg dahin ist leider äußerst holprig ausgefallen.
Denn die Macher schaffen es diesesmal leider nicht, von Anfang bis Ende die charmanten Seiten eines Disneyfilms dieser Art auszureizen. Nach dem die ersten Minuten bis zum Vorspann noch richtig Lust auf mehr machen und den Geist von modernen Disney-Filmen wie z. Bsp. "Lilo & Stitch" aufleben lassen, fällt das Ganze nach dem Intro doch erst einmal in einem ziemlich hektischem Chaos zusammen. Die Einführung der Figuren wirkt gefühllos und kalt und auch nicht gerade sauber zusammengesetzt. So sehen wir Hauptfigur Tiana erst einmal, wie sie durch ihre beiden Jobs hechelt, bevor uns Prinz Naveen als Straßenmusiker gezeigt wird, welcher vom Bösewicht des Films, Dr. Facilier, dann ruck zuck in den Frosch verwandelt wird, ohne dass man dessen Hintergrund zu dieser Tat irgendwo glaubwürdig erklärt bekommt. Zudem wird die Slapstick-Schiene immer wieder auf volle Touren gebracht, dabei aber teilweise total deplatziert und übertrieben wirkt. Einige Gags wirken recht grob, andere sind dagegen einfach nur seicht ausgefallen und irgendwie mag an ein wenig Ordnung im ganzen Getümmel nur selten gedacht werden. Das führt letztendlich dazu, dass sich die Kiddies nicht selten überfordert fühlen und den Erwachsenen die Nerven blank liegen, teils vom Treiben auf der Leinwand, teils von den quengelnden Kindern, denen man anmerkt, das ihnen der Zugang zum Film bis jetzt verwehrt geblieben ist. Und das ist für einen Disneyfilm natürlich alles andere als gut.
Zumal auch andere Dinge hier die Freude am ganzen Treiben bremsen. Z. Bsp. müssen sich auch die Songs den Vorwurf gefallen lassen, dass sie einem irgendwann nur nerven. Zwar gab es schon in den früheren Disneyfilmen viel Gesang und auch schon da mag es den ein oder anderen Zeitgenossen gegeben haben, der mit der Musik und den Liedern in Disneyfilmen recht wenig anzufangen wusste. Doch Disneyfans wissen, dass Musikstücke wie "Märchen schreibt die Zeit" aus "Die Schöne und das Biest" oder "Unter dem Meer" aus "Arielle, die Meerjungfrau" Meisterwerke seines Fachs sind. Hier jedoch wird es teilweise richtig sülzig und passt ebenfalls nicht wirklich ins Konzept, selbst wenn man es den Liedern lassen muss, die Geschichte ein wenig besser voranzutragen, als die Songs in manch anderem Disneyfilm. Aber vielleicht liegt das alles auch nur an der dt. Synchronisation, die ebenfalls enttäuschend ist, doch dazu später noch mehr.
Denn trotz all der bereits angesprochenen Probleme schafft es "Küss den Frosch", nach einiger Laufzeit, dann glücklicherweise doch noch, zu einem recht charmanten Film zu werden. Wenn man all das Chaos und einige recht nervige Nebencharaktere (Charlotte) überstanden hat, wird der Streifen dann doch noch zu dem, was man sich zumindest erhofft hat. In dem Moment wo die schräge Voodoo-Mutter Odie auftaucht, ist der so lange auf sich warten lassende Zugang in das Treiben dann doch noch gekommen. Die Szenerie wirkt nun endlich ein wenig ruhiger und es wird sich stärker auf das fantastische Wesen der Story konzentriert, zusammen mit ein paar lustigen Neben-Figuren, die man nach Charlotte schon lange aufgegeben hat. Ein Trompete spielendes Krokodil namens Louis und das liebenswerte Glühwürmchen Ray schaffen es dann doch noch, zusammen mit dem Froschpärchen, das Publikum an sich zu reißen. Sogar eine gute Musical-Szene schafft es noch in den Film, nach dem die vorhergehenden Songs, wie schon angesprochen, eher von nerviger Natur waren. Und natürlich darf auch ein Happy End nicht fehlen.
Wobei man beim Happy End nicht unerwähnt lassen darf, dass Disney kurz vor Schluss sogar mal erstaunlichen Mut beweist. Denn jeder Disneyfan weiß, dass es den sympathischen Figuren in diesen Filmen nie so wirklich an den Kragen geht, geschweige denn, dass eine dieser Figuren gar das Zeitliche segnet. Hier jedoch gibt es am Ende wirklich so etwas wie einen dramatischen Höhepunkt, der bei so manchem sicher ein Tränchen aus der entsprechenden Drüse drücken dürfte, denn Disney lässt hier am Ende wirklich etwas zu, dass man sonst bei diesem Familienunternehmen nur selten zu sehen bekommt. Auch wenn dieser traurige Moment dann im Nachgang natürlich trotzdem ein wenig aufgelockert wird, so ist ein absolut vollkommenes "Heile-Welt"-Ende hier nicht zu finden, was dann doch noch einmal als recht positiver Punkt zu werten ist, selbst wenn er für das ein oder andere kleinere Kind vielleicht ein wenig zu heftig sein mag. Aber das am Ende nicht immer alles super ausgeht, dass hat wohl mittlerweile auch Disney gemerkt, selbst wenn das Happy End natürlich trotzdem nicht ausbleibt, denn das will der Zuschauer hier nun mal schlicht und ergreifend haben.
Und auch die Tatsache, dass man es bei Disney doch wieder gewagt hat, dem klassischen Zeichentrickfilm ein Comeback zu bescheren, sollte noch einmal positiv erwähnt werden. Nachdem man uns nun schon seit Jahren Animationen nur noch aus dem Computer beschert, hat ein handgezeichneter Film heutzutage irgendwo einen (nostalgischen) Charme, dem man sich einfach nicht entziehen kann, wenn man das Genre mag. Und die Zeichnungen sind auch allesamt gelungen, wirken lebhaft und glänzen vor allem durch ihre frohe, aber nicht überbordernde Farbauswahl. Dazu die herrlichen Hintergründe eines alten New Orleans und eine Figurenanimation, welche sich ebenfalls sehen lassen kann und weit charmanter wirkt, als ein Computerprodukt je wirken könnte. Auch wenn die ganz großen Produktionen des Studios nicht erreicht werden und der Computer natürlich auch nicht völlig außen vor bleibt, so ist es doch einfach irgendwo eine Schönheit, die man auf der Leinwand nicht verpassen sollte, vor allem weil man diese nur noch selten im Kino bewundern darf, trotz all der bereits erwähnten Probleme.
Apropo Probleme: In Deutschland bekommen wir übrigens noch ein weiteres hinzu und das ist die Synchronisation. Schon in der Vergangenheit hat sich Disney nicht gerade mit Ruhm bekleckert, wenn sie Schauspiel- und Fernsehstars die Arbeit von Synchronsprechern haben machen lassen, doch "Küss den Frosch" klingt das erste Mal wirklich stark enttäuschend. Dabei ist Roger Cicero als Prinz Naveen noch am besten zu ertragen. Viel schlimmer trifft es da Tiana, welche von Cassandra Steen nicht einmal annähernd gekonnt interpretiert wurde. Und auch Bill Ramsey, eigentlich sonst ein guter Sprecher, wirkt als Krokodil merkwürdig fehlbesetzt. Schade, kann man da nur sagen.
Fazit: Nach 5 Jahren Warten endlich wieder einen handgezeichneten Disneyfilm im Kino erleben zu dürfen steigert die Erwartungen enorm, doch leider werden diese erst einmal enttäuscht. Zu überfrachtet wirkt die erste Hälfte des Films, zu unsympathisch sind manche der (Neben-)Charaktere und auch die Songs gehen einem irgendwie auf den Keks. Glücklicherweise fängt sich das ganze Treiben dann aber doch noch, so das man wenigstens in der zweiten Hälfte einiges von dem zu spüren bekommt, was Disney früher ausgemacht hat. Dazu sogar eine (für Disney) recht mutige Sache kurz vor dem Finale und dann natürlich ein Ende das sich gewaschen hat und in aller bester Disneytradition steht. Und hey, nach Jahren voller Nullen und Einsen auf der Leinwand ist es auch einfach schön anzusehen, endlich mal wieder etwas Handgemachtes entdecken zu dürfen. Dennoch, für einen Disneyfilm unterm Strich trotzdem eher enttäuschend, so das man nur hoffen kann, dass die Zukunft des Zeichentrickfilms im Kino (welche Disney mit seiner Ankündigung von weiteren handgezeichneten Filmen schon besiegelt hat) besser aussieht.
Wertung: 6/10 Punkte