MANIPULATION von Regisseur Pascal Verdosci, der bislang noch nicht mit bekannten Filmen in Verbindung gebracht werden kann, hat hier eine extrem ruhige, aber ebenso spannende und mit guten Schauspielern besetzte Agentenstory der Extraklasse abgeliefert.
Urs Rappold (Klaus Maria Brandauer) als im Rollstuhl sitzender bislang unfehlbarer Spion-Fahnder "klagt" Militär-Major Harry Wind (Sebastian Koch) an Schweizer Staatsgeheimnisse an die Russen verraten zu haben. Der Medien- und PR Experte wehrt sich sehr gut und im Laufe der Ermittlungen werden die genauen Zusammenhänge der Ereignisse sichtbar und sind eine noch grössere Überraschung für Rappold - dies alles basierend auf entsprechenden tatsächlichen Ereignissen in der Schweiz in den 50ern. Mehr soll hier um die Spannung zu erhalten nicht verraten werden.
Das ganze wird in einem 2 Personen Kammerspiel im sehr authentischer Ausstattung ca. Mitte bis Ende der 50er Jahre in der Schweiz dargestellt. Es gibt kaum Aussenaufnahmen und die meiste Zeit nehmen die lange Verhöre der o.g. Protagonisten im spartanischen Büro von Rappold ein. Wer also den grossen Spionage Block-Buster erwartet ist hier fehl am Platz.
Wer aber ruhige und schauspielerisch hochwertige Dramen wie zum Beispiel DAS LEBEN DER ANDEREN mag wo mit wenig Mimik und Aufwand hohe Spannung und Emotionen entstehen dem wird MANIPULATION sehr gut gefallen. Erwartungsgemäss spielt Brandauer den Spion-Enttarner sehr überzeugend und souverän. Man sieht ihm die Zweifel seines Tuns im Laufe der Story geradezu körperlich an. Sebastian Koch, vom Typ her ja eher der smarte Businesstyp, hält hier gut mit, ohne jedoch über die extreme breite Palette an Ausdrucksmöglichkeiten wie Brandauer zu verfügen.
Der Film erzeugt eine hohe Spannung und man will keine Szene oder einen Satz verpassen weil man sonst glaubt den inhaltlichen Anschluss an die anspruchsvolle Story zu verlieren. Die Musik in glasklarem und transparentem DTS Sound ist einerseits erstaunlich zurückhaltend, anderseits dann sehr subtil wummernd mit Hintergrund Bässen elektronischer Art und sehr prägnant eingesetzt.
Das Bild ist in Anlehnung an die Zeit in farbigen, aber sehr blassen Farben mit viel Grau, Braun und Grün und ab und an mal rot gehalten. Technicolor Freaks kommen hier nicht auf Ihre Kosten aber dieser Look trägt zusammen mit der o.g. authentischen Ausstattung zu einem hohem Realismusfaktor des Geschehens bei.
Zusammenfassend also ein wirklich lohnendes, spannendes kammerspielartiges Drama ohne wirkliche Schwächen, lediglich das Ende wirkt etwas holprig und in der Darstellung der Auflösung aller Fakten nicht mehr so rund wie zuvor. Die beiden Protagonisten tragen den Film alleine, er würde sich auch gut als Theaterstück empfehlen so intensiv ist die Darstellung.
8/10 Punkten