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Pòrco Rósso (1992)

Eine Kritik von Df3nZ187 (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 07.10.2006, seitdem 635 Mal gelesen


Als das Studio Ghibli unter Leitung von Hayao Miyazaki mit den Arbeiten an „Porco Rosso“ begann, war der Plan einen 30 bis 45 Minuten langen Kurzfilm zu drehen, der als Unterhaltung in Flugzeugen laufen sollte. Eine anspruchslose Komödie sollte es werden, die selbst einen müden Fluggast nicht überfordert.
Doch irgendwann während der Produktion begann Miyazakis Fantasie abzuheben und aus „Porco Rosso“ wurde das was wir heute kennen.
Aber was ist Porco Rosso eigentlich?
Bei kaum einem Miyazaki Film den ich bisher gesehen habe, viel es mir so schwer ihn einzuordnen wie bei diesem. Der Film ist irgendwie, hmm, zu unvollständig nach meinem Geschmack.
Es beginnt wie eine leichte, fantasiereiche Komödie, mit rasanten Luftkampfeinlagen und etwas mystischem Schwermut. Das Porco ein besonderes Geheimnis umgibt wird schnell klar und treibt die Spannung natürlich mächtig voran. Auch was es mit ihm und Madame Gina auf sich hat und wo ihre Verbindung liegt, bildet schnell eine zweite Schwerpunktfrage die den Zuschauer mächtig interessiert.
Doch erst einmal lässt sich der Film Zeit.
Schwelgt in der wunderschönen Inszenierung von Ginas Gesang in der Bar und entzückt mit vielen schönen Flugsequenzen und deren tollen Bildern.
Ruckzuck verfliegen die ersten 50 Minuten.
Porco wird abgeschossen und wir wissen, dass wird noch Folgen haben.
Mit Fio kommt eine weitere weibliche Hauptrolle hinzu, die fortan sogar eine wichtigere Rolle spielt als Madame Gina und zusätzlichen Schwung nicht nur in den Film, sondern auch in die Beziehung zwischen Gina und Porco bringt, und quasi einen Dreier daraus macht. Ihre Avancen gegenüber Porco sind jedenfalls eindeutig.
Als düstere Bedrohung dazu wird die politische Komponente im Hintergrund weiter ausgebaut. Die Faschisten übernehmen die Macht und Porco ist in Gefahr. In einer wortwörtlich traumhaften Sequenz erfahren wir einen Teil von Porcos Geschichte, ein Erlebnis während des letzten Krieges, dass sein Leben sichtlich verändert hat. Und wir sehen Porco mit normalem Gesicht. Sein Fluch ist also nicht allmächtig.
Doch dann kommt das zweite Duell mit Donald und damit der Schluss.
Einfach so. Ganz abrupt.
Wie sind die restlichen Hintergründe von Gina und Porco?
Was wird aus Porco?
Was war mit dem Fluch?
Wird er ihn jäh überwinden können?
Der Film endet so ziemlich völlig offen.
Donald geht nach Amerika zurück und wird Filmstar, Gina und Fio werden beste Freundinnen und sehen sich noch lange regelmäßig, selbst als Fio Chefin eines großen Flugzeugwerkes geworden ist. Porco sieht sie allerdings nie wieder.
Und das soll es gewesen sein?
Nach gut 90 Minuten werden wir damit zurückgelassen?
Ich will nicht sagen das ich jetzt maßlos enttäuscht bin oder so, aber ich bin unzufrieden. Der Film endet viel zu abrupt. Man wird förmlich hinaus gerissen aus der Porco Rosso Welt, so wie wenn einen früh der Wecker aus einem schönen Traum reißt, und man würde so gern weiter träumen.
Dabei habe ich prinzipiell eigentlich nicht unbedingt etwas gegen offene Enden, aber hier war ich absolut nicht darauf gefasst und es stört mich. Ich möchte mehr sehen!
Mehr von den tollen Zeichnungen, die mal wieder wunderschön detailliert sind und in denen Miyazaki seiner Leidenschaft für westliche Städte und Landschaften mal wieder freien Lauf lässt. Mehr von den exzellenten Animationen, die die rasanten Luftgefechte erst möglich machen. Ich will mehr von der ebenfalls wieder perfekt abgestimmten und eingesetzten musikalischen Untermalung hören, die vielen Szenen erst die richtige emotionale Tiefe ermöglicht, die die Ghibli Filme so mitreißend macht.
Doch es gibt leider nicht mehr, und das ist einfach Schade.
Besonders weil „Porco Rosso“ mal ein anderer Miyazaki Film ist. Realistischer und erwachsener als die seine übrigen Werke, die mehr auf seine schier grenzenlose Phantasie setzen. Die Geschichte rund um den Kampfpiloten würde sicher genauso gut als Realfilm und ohne den Schweinefluch funktionieren, was man von Miyazakis sonstigen Filmen ja eher nicht behaupten kann. Der Film ist in dieser Hinsicht irgendwo auch bodenständiger als seine sonstigen Filme.

Aber auch mit dem offenen Ende bleibt „Porco Rosso“ ein guter Film, dem der typische Ghibli- und Miyazakicharme anhängt und der viele bezaubernde Szenen zu bieten hat. Wie oben schon gesagt, die Zeit verfliegt wie im Flug und der Film lässt einen in seine Welt eintauchen. Nur das man ziemlich plötzlich wieder ausgespuckt wird, damit muss man bei diesem Film leider wohl leben.
Na ja, so ist das halt. Was nützt es über verschüttet Milch zu jammern. Kopf hoch und weiter.
Und dann sind da ja auch noch Porcos Worte, die er in einer der deutlichsten Szenen die Miyazaki je über das, bei ihm ja irgendwo immer präsente, Thema Krieg und Faschismus gedreht hat, sagt: „Ich bin lieber Schwein, als Faschist!“
Ein gutes Schlusswort denke ich.


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