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Schloss im Spinnwebwald, Das (1957)

Eine Kritik von Df3nZ187 (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 27.09.2008, seitdem 664 Mal gelesen


Akira Kurosawa, einer der bedeutendsten Regisseure Japans, und William Shakespeare, erst vor kurzem auf ARTE zum bedeutendsten Dramatiker Europas gewählt (stand September 2008), das diese Mischung bestens aufgeht, davon hat mich schon der großartige „Ran“ vollends überzeugt.
Nun, viele Jahre vor selbigen, hatte sich Kurosawa also schon einmal an einen Stoff von Englands Theaterkönig gewagt und erzählt hier die Geschichte des Königs Macbeth nach.
Dabei gelingt es ihm auch hier sich sowohl erfreulich ans Original zu halten, als auch die Geschichte glaubhaft in japanische Kulturkreise zu übertragen, was wohl sowohl von Kurosawas Talent als auch von der Allgemeingültigkeit von Shakespeares Geschichte zeugen dürfte. Schön ist dabei vor allem wie für berühmte Sätze aus dem Werk entsprechend symbolische Bilder im Film gefunden werden. Wenn im Stück die Frau Macbeths die große Schuld die sie auf sich geladen haben mit einem kaltblütigem „A little water clears us of this deed“ wegwischt und sie im Film entsprechend schnell ihre Hände abspült, während ihr Mann wie versteinert dasitzt und seine blutverschmierten Hände vor sich hält.
Allerdings gönnt sich Kurosawa auch Freiheiten beim erzählen und weicht besonders im Ende vom Original ab, was aber auch sehr gut zum Film und zur Geschichte passt.
Großartig, wie es dem Film gelingt den sonst ja auch gern mal als zäh verschriehenen Stoff des Engländers zu rasantem Leben zu erwecken.
Das beginnt schon mit dem überstürzten Anfang der Schlag auf Schlag mit immer neuen Nachrichten eintreffenden Boten und setzt sich im immer wieder auftauchenden Motiv der durch den dichten Wald reitenden Pferde fort, die wir jedes Mal wieder aus dem verästelten Unterholz heraus in schnellen Kamerafahrten und –Schwenks beobachten.
So lässt einem der Film sowohl vom Erzähltempo, als auch von der Inszenierung her kaum die, von so einem epischen Theaterstück erwarteten, Pausen und vermeidet Geschickt unnötige Längen die die Aufmerksamkeit des Zuschauers eher in Richtung Uhr wandern lassen.
Ihren Beitrag dazu leisten natürlich auch die guten Schaupiel-Leistungen, die mit ihrer recht expressiven Mimik und Maske noch sichtlich vom Stummfilm inspiriert sind. Allen voran natürlich Kurosawas Dauergast Toshiro Mifune, dessen Darstellung von Wut, Angst oder verrücktem Übermut nach heutigen Maßstäben wohl ziemlich „overactet“ sind, aber für meinen Geschmack ersten nun mal zur damaligen Zeit und zweitens auch gut zu einem Theaterstück im Allgemeinen passen.
Lustig dabei natürlich die Set-Anekdote darüber dass in der Abschlussszene zum Teil echte Pfeile von echten Meisterbogenschützen auf ihn abgefeuert wurden, um seine Darstellung der Angst noch etwas anzuheizen und durch etwas echte Angst aufzupeppen.

So kann ich „Das Schloss im Spinnwebwald“ eigentlich auch nur jedem wärmsten empfehlen, egal ob nun Shakespeare Freund oder Asiafilmfan, hier wird für beide gute Kost geboten. Auch wenn natürlich wiederum für die einen Kurosawa schon immer zu „westlich“ und für die anderen die Änderungen an der Geschichte zu frevlerisch sein könnten. Man gluckt ja auch gern übervorsichtig auf seinem eigenen, für sich selbst eroberten Ei.
Und die Frauen, ja die Frauen, die können sich hier auch wieder zum Schlechten, zur dunklen Seite des Herzens des Mannes degradiert, sehen. Zum Ur-Übel das die perfekte Männerfreundschaft torpediert und damit nur Verderben bringt.
Ja es gibt wohl auch Gründe den Film und die Geschichte nicht zu mögen, aber mir hat er dennoch sehr gut gefallen. Eine klasse Werk bzw. ein Werk mit Klasse, ein Klassiker.


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