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H.G. Wells "Krieg der Welten" wird wohl für alle Zeit einer der beliebtesten und bekanntesten Sci-Fi-Romane bleiben! Seite Jahrzenten schon begeistert die Geschichte um die Marsianer, die die Erde einnehmen, Millionen und wird dies wohl auch in Zukunft tun. Es gibt bereits einige Filmversionen, bei denen die Bekannteste die pompöse, aber dennoch nicht wirklich gelungene Spielberg-Version darstellt. Hier nun, so könnte man erst meinen, kriegen wir es nun mit dem nächsten Film zu tun, einer Musical-Version. Was sich im ersten Moment etwas trashig anhört, entpuppt sich als ein Werk, dass schon seit gut 30 Jahren existiert. Denn der Musiker Jeff Wayne hat bereits 1978 ein Konzeptalbum entwickelt, auf denen eindringliche Musik, mit Songs und der Stimme von Richard Burton, als berichtender Journalist, untermahlen, zu einem wahren akustischen Ohrenschmaus wird. 2006 dann wurde das Album erstmals auf der Bühne vorgeführt und kurze Zeit später gibt es nun die Filmversion. Wobei "Film" nicht wirklich stimmt, denn mehr als eine reine Abfilmung des Bühnenstücks sollte man nicht erwarten.

Man sieht also Jeff Wayne zusammen mit seinen Musikern auf der Bühne stehen und Musik machen. Im Hintergrund eine riesige Leinwand, auf der eine Mischung aus Computeranimationen und Realszenen abläuft, die die Geschichte von "Krieg der Welten" erzählt. Und im Vordergrund, das Highlight: ein riesiger Kopf, der ein wenig Richard Burton nachgebildet wurde und den Reporter darstellen soll, der seine Erlebnisse erzählt. Im perfekten Einklang von Musik, Erzählung, gespielten Musical-Szenen, Lichteffekten und den filmischen Eindrücken auf der Leinwand, setzt sich damit eine Bühnenshow zusammen, die in ihrer Art durchaus Spaß macht, ja teilweise sogar regelrecht fantastisch anmutet. Auch wenn die Musikstücke ab und an ein wenig zu lang gezogen anmuten, die Computeranimationen nicht unbedingt auf dem neusten Stand der Technik sind und auch sonst alles ein wenig abwechslungsarm ist, so kann man schon mit Fug und Recht behaupten, dass Wayne seine Arbeit gut gemacht hat und die Bühnenshow für 2 Stunden gute Unterhaltung bietet. Vor allem auch deshalb, weil man Richard Burtons Archiv-Aufnahmen für die Sprach-Samples des Journalisten genutzt hat. Und wenn dann ein riesiges Dreibein auf die Bühne stolziert, dann weiß man, wo man sich befindet. Kurzum, für die Bühnenshow selbst lohnt sich das Lösen einer Eintrittskarte garantiert.

Doch haben wir es hier nun einmal nicht mit der reinen Bühnenshow zu tun, sondern mit knapp 120 Minuten Film, die sich auch überall als "Movie-Version" des Stücks verkaufen und das ist, ehrlich gesagt, nicht wirklich faires Marketing. Denn eine reine Abfilmung der Show, ohne auch nur die geringsten Neuheiten in diese Version einzubauen, ist dann doch ein wenig enttäuschend. Die Aufnahmen selbst mögen gut sein und auch der Schnitt, welcher immer wieder zwischen der Bühne und den Filmclips der Leinwand hin- und herschaltet, mag stimmen, doch das Stimmungsgefühl und der bombastische Eindruck, welcher in der Londoner Arena vorhanden sein muss, kann so gut wie gar nicht übertragen werden. Dafür ist die Bühne dann doch ein Stück zu groß, um sie passend in ein 1.78:1-Format zu quetschen. Und wenn man den Sound dann nicht einmal in 5.1 erleben kann, dann geht auch der akustische Leckerbissen flöten. Ähnlich wie bei "This is It" ist daher vor allem der Genuss in einer entsprechenden Soundumgebung unbedingt zu empfehlen.

Fazit: Jeff Wayne's musikalische Version (das Wort "Musical" trifft es dabei übrigens nicht wirklich) des berühmten Sci-Fi-Werks von H.G.Wells mag erst einmal ein wenig merkwürdig anmuten, doch nach nur wenigen Minuten fühlt man sich von dem Bühnenstück, der Musik, sowie der ganzen Inszenierung angezogen und man würde sich liebend gerne mitten in den Saal setzen, um die Show in bestmöglicher Art und Weise mitzuerleben. Doch man muss sich mit der Filmversion zufriedengeben, die zwar durchaus einen Eindruck vermittelt, was das ganze live für ein Erlebnis sein muss, aber im Endeffekt ist sie trotzdem nicht mehr, als eine reine Abfilmung, welche zwar nett geschnitten ist, aber ansonsten nur einen winzigen Bruchteil von dem Inne hat, was die Bühnenshow herzugeben vermag. Zumal auch das gewählte Bildformat der breiten Bühne durchgehend unterlegen ist. Da jedoch wohl nur wenige hierzulande die Möglichkeit haben dürften, das Stück live zu erleben, mag jedem Kenner des Konzeptalbums der "Film" ans Herz gelegt sein, doch wer mehr als nur eine 110 Minuten lang abgefilmte Show erwartet, der sollte sich von dem Marketingkonzept nicht übers Ohr hauen lassen.

Wertung: 6/10 Punkte

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