„Jump´n´run" ist eine Regieanweisung die Jake Gyllenhaal vermutlich noch nicht allzu oft zu hören bekam, war er doch bisher hauptsächlich im Charakterfach zu Hause. Das Angebot der Titelrolle in der Verfilmung des Videospielklassikers Prince of Persia dürfte nicht nur Gyllenhaal selbst gehörig überrascht haben. Bei Blockbusterproduzent Jerry Bruckheimer haben solche Besetzungscoups allerdings inzwischen durchaus erfolgreiche Tradition. Schließlich konnte sich zunächst auch keiner Nicolas Cage als Muskel-bepackten Actionstar oder Johnny Depp als cartoonartigen Drunkenboldpiraten vorstellen. Nun turnt also Jake Gyllenhaal durch knallbunte Kulissen aus 1001 Nacht und schwingt den Krummsäbel gegen allerlei finsteres Gesindel.
Das mit der Fluch der Karibik-Trilogie bestens bewährte Erfolgsrezept bildet auch das produktionstechnische Grundgerüst von Prince of Persia. Der Hauptrollenkniff wurde ja bereits erwähnt. Man nehme dazu eine Reihe gestandener Mimen für zentrale Nebenfiguren (in diesem Fall Sir Ben Kingsley und Alfed Molina), schmücke das Ganze mit einer noch relativ unverbrauchten Leinwand-Schönheit (hier Gemma Arterton) und öffne die Geldschatulle großzügigst für CGI-Effekte und aufwändige Bauten. An einer ausgefeilten Story oder gar differenzierten Figurenzeichnungen kann man ohne weiteres sparen, Hauptsache die ganze Chose hat ordentlich Tempo. Ist man in der Lage die mit dieser Machart unweigerlich verbundenen Mankos zu verschmerzen, steht einem unterhaltsamen Kinoaben(d)teuer nichts mehr im Wege.
Gyllenhall verkörpert den persischen Prinzen Dastan. Gemeinsam mit seinen Brüdern erobert er die heilige Stadt von Alamut, dort sollen Massen von Waffen zur Vernichtung der Perser versteckt sein (der einzige subversive Seitenhieb, den sich das ansonsten kreuzbrave Spektakel leistet). Als der Perserkönig auf mysteriöse Weise ermordet wird, fällt der Verdacht auf Dastan. Zusammen mit der Alamut-Prinzessin Tamina und einem geheimnisvollen Dolch flieht er aus der Stadt und versucht das Komplott aufzudecken. Auf ihrer turbulenten Mission bekommen sie es unter anderem mit Sandstürmen, gedungenen Mördern und einem findigen Veranstalter für Straußenrennen zu tun. Zudem haben sowohl der Dolch, wie auch die schnippische Prinzessin noch die ein oder andere Überraschung für den wackeren Prinzen parat ...
Natürlich ist die Story um einen Perserprinzen und einen magischen Dolch, der die Zeit zurückdrehen kann, veritabler Nonsens. Die Kunst besteht darin, diesen Nonsens so zu verkaufen, dass man erst gar nicht darüber nachdenkt. Dieses Unterfangen ist Regisseur Mike Newell weitestgehend gelungen.
Das liegt zu großen Teilen an den bestens aufgelegten Darstellern, die sichtlich Spaß daran hatten sich einmal so richtig an einem Abenteuerspielplatzgleichen Set einer megateuren Produktion auszutoben. Das gilt insbesondere für Jake Gyllenhaal, dessen Darstellung des Titelgebenden Prinzen durchaus an gute alte Swashbuckler-Zeiten erinnert. Draufgängerisch, charmant, schlagfertig und stets augenzwinkernd, lässt Gyllenhaals Prince Dastan goldene Genrezeiten eines Errol Flynn oder Stewart Grangers wieder aufleben. Auch Ben Kingsley als böser Prince Nizam oder Alfred Molina als schmierig-kauziger Sidekick stammen aus dem bewährten Standardfundus des Abenteuerkinos.
Die Schauwerte können sich ebenfalls sehen lassen und muten wie ein gigantischer Themenpark an. Diesmal könnte in umgekehrter Reihenfolge zu Pirates of the Caribbean die Disneylandattraktion dem Film folgen. Optisches Highlight ist sicherlich die heilige Stadt Alamut, eine gelungene Mischung aus erbauten Kulissen und Computerpanoramen. Farbenprächtige Kostüme, exotische Tiere und stimmungsvolle Wüstenbilder sorgen für zusätzliche optische Reize. Dazu kommen perfekt choreographierte Kampfsequenzen und Parkour-inspirierte Sprungeinlagen, die dem zugrundeliegenden Computerspiel ihre Referenz erweisen. Der absolute CGI-Overkill bleibt glücklicherweise aus, lediglich das überkandidelte Finale fällt unangenehm aus dem ansonsten recht moderaten Rahmen.
Spielerfinder und Mitdrehbuchautor Jordan Mechner dürfte durchaus zufrieden sein mit der Leinwandadaption seines Konsolendauerbrenners. Dynamik, Storyline und Charme des populären Action-Adventures sind auch in der Filmversion erhalten geblieben. Das gilt zwar ebenso für die Game-typische Eindimensionalität der Figuren und die Level-gleich gereichten Handlungshäppchen, aber da wollen wir mal den orientalischen Schleier des Schweigens drüber breiten. Eine Zielgruppenanhebung um zwei bis drei Jährchen hätte dem munteren Treiben allerdings auch nicht unbedingt geschadet.
Den lange Zeit auf ernste Rollen abbonierten Jake Gyllenhaal werden wir aber sicher noch mindestens ein weiteres Mal auf einen launigen Abenteuertrip ins alte Persien begleiten dürfen. Er muss sich auch nicht unbedingt erneut mehrere Kilo Muskelmasse antrainieren, schließlich nehmen wir ihm den sportiven Actionhelden inzwischen ungesehen ab. So lange er weiterhin so behände springt und wieselflink rennt, ist es jedenfalls noch lange nicht Abend im Bruckheimerschen Morgenland.
(6,5/10 Punkten)