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Tanz der toten Seelen (1962)

Eine Kritik von Moonshade (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 17.08.2001, seitdem 1082 Mal gelesen


Liebe Filmemacher, wie produziere ich einen Horror-Klassiker für so gut wie kein Geld, ohne Spezialeffekte und mit unbekannten Darstellern? Und das Internet darf man auch nicht zur Vermarktung heranziehen?
Schwer?
Unmöglich?
Dann gönnt euch mal wieder eine Runde "Tanz der toten Seelen". Dieser Ultra-Cheapie aus den gruseltechnisch eher unterdurchschnittlichen 60ern weist sämtliche o.a. Attribute auf und schafft es dennoch zur permanenten Gänsehaut, wenn man nicht schon bis zum Dauersplatterbedürfnis abgestumpft ist.
Dabei bewegt sich der nur 80minütige Film mit einer unheimlichen Bedächtigkeit durch seine Szenen, von denen jede ihre besondere Bedeutung hat.
Alles beginnt mit dem Autounfall und beschäftigt sich dann mit den anscheinenden traumatischen Spätfolgen der überlebenden Mary Henry, die im Verlauf der Handlung immer öfter ihr Gehör zu verlieren scheint, von ihrer Umwelt nicht mehr wahrgenommen wird und von mysteriösen, zombiehaften Figuren verfolgt wird.
Dabei geht eine besondere Wirkung von der simplen akustischen Isolation aus, die für den Zuschauer genauso wie für Mary hörbar, bzw. nicht hörbar wird. Damit erschließt sich ihr wie dem Zuschauer, die kreatürlichste Angst vor dem Nichtwahrgenommenwerden, dem Verlust der Persönlichkeit, des Ich-seins.
Mehr als Sahnehäubchen wirken dann die Erscheinungen der zombiehaften Figuren, die hinter ihr her zu sein scheinen.
Besonders gut ausgesucht auch der alte Vergnügungspark/Pavillion, von dem sich das Mädchen immer wieder angezogen fühlt, eine Location, wie man sie nicht bauen kann. Dieses verfallene, morbide Bauwerk mitten im Nirgendwo strahlt geradezu unheimliche Impulse ab - der perfekte, isolierte Ort. Mehr bedarf es eigentlich nicht, die sich steigernde Hilflosigkeit des Opfers, unterbrochen nur von erleichternden, normalen Intervallen, bezieht den Zuschauer mit ein und liefert ihn dem Schicksal ebenso aus.
Über den Clou des Films sei hier nichts verraten; obwohl er nicht so spektakulär ist, macht er doch in seiner Simplizität mehr Eindruck als so mancher moderne Filme, der händeringend nach einer Schlußpointe sucht. Natürlich kann man sich vorher ausrechnen, was passiert ist, doch ein wenig Überraschung wird wohl immer am Ende verbleiben.
Gehalten in düsterem schwarz/weiß, geben Schauspieler und Regie ihr Möglichstes und schaffen so ein kleines Juwel des Low-Budget-Kinos. Für Herk Harvey, den Regisseur war und blieb es der erste und einzige Film. Trotzdem hat er einen Dinosaurierfußabdruck in der Horrorfilmgeschichte hinterlassen.
Wenn auch keinen extrem großen, dann doch einen besonders seltenen.
Haltet Ausschau nach dieser Perle, denn solche findet man nicht oft: 8/10.


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