"Ein Amerikaner in Paris"
Nein, politisch korrekt ist dieser Film ganz sicher nicht. Für wen diese Haltung eine Tugend ist der auch das Unterhaltungskino ohne wenn und aber folgen sollte, der dürfte hier wenig Freude verspüren. Wer allerdings beim Frühwerk des Gouvernators und seines italienisch stämmigen Dauerrivalen so richtig in Partylaune kommt, der wird garantiert auch From Paris with love ins kompromisslose Actionherz schließen.
Schon im vergangenen Jahr feuerte das französische Duo Pierre Morel (Regie) und Luc Besson (Produktion, Story) mit dem beinharten Actionthriller 96 hours eine auf sämtliche Konventionen pfeifende Breitseite gegen das häufig glattgebügelte Genrekino aus Übersee. From Paris with love setzt hier in jeder Hinsicht noch einen drauf. Wer Liam Neesons blutigen Rachefeldzug durch die Pariser Unterwelt als reaktionäres, menschenverachtendes und dumpfeste Vorurteile bedienendes Machwerk abkanzelte, wird hier definitiv das Vokabular ausgehen, um seine Abscheu auszudrücken.
Diesmal darf John Travolta als prolliger US-Superagent Charlie Wax in der Stadt der Liebe mal so richtig aufräumen. Und er braucht keine 96 Stunden, um den französischen Hauptstadtfieslingen auf äußerst unsanfte Art die amerikanische Überlegenheit zu demonstrieren. In nicht einmal einem Viertel der Zeit ist alles im wahrsten Wortsinn erledigt.
Schon bei seinem ersten Auftritt legt er binnen Minuten einen als chinesisches Lokal getarnten Dogenumschlagplatz in Schutt und Asche und schießt die gesamte Belegschaft in Fetzten. Der ihm als Assistent und Übersetzer zugeteilte Agentennovize James Reece (Jonathan Rhys Meyers) ist fassungslos ob der gnadenlosen Brutalität des neuen Partners, zumal diese mit sichtlicher Freude am blutigen Handwerk gepaart scheint. Binnen eines Arbeitstages befördert Wax jedenfalls gefühlt mehr Gegner ins Jenseits als John McClane in der gesamten Die Hard-Reihe.
Dass diese Ballerorgie zu keinem Zeitpunkt ernst gemeint ist, kann man eigentlich weder übersehen noch überhören. Travoltas Charlie Wax ist so überzeichnet, dass selbst der Begriffsstutzigste Miesepeter ihre karikaturhaften Züge erkennen muss. Mit Vollglatze, Klobrillen-Bart, diversen Ohrringen, Palästinensertuch und Armyhose ist er in etwa so unauffällig wie ein Elefant auf dem Eiffelturm. Bei der Ausführung seines Auftrags setzt er ein Waffenarsenal ein, das selbst eine Privatarmee vor logistische Schwierigkeiten stellen würde. Und die auf ihn einschießenden Heerscharen von fremdländischen Widersachern (neben Chinesen vor allem Franzosen mit nordafrikanischem oder arabischem Migrationshintergrund) erledigt er quasi im Alleingang, ohne auch nur einen einzigen Kratzer davonzutragen. Dazu kommt ein Sperrfeuer an zynischen und vornehmlich unter die Gürtellinie zielenden Onelinern, die ihn selbst bei den niveaulosesten Talkshows privater Fernsehsender zur Hauptattraktion machen würden. Wer den entsprechenden Humor mitbringt, wird an dieser Figur zweifellos ordentlich Spaß haben.
Die eigentliche Story ist hier ebenso nebensächlich wie gute Manieren. Es geht um die Verhinderung eines Bombenattentats auf einen amerikanischen Staatsgast sowie die Zerschlagung der dafür verantwortlichen Terrorzelle. Der Botschaftsangehörige und Agentenlehrling James Reece ist der klassische Normalo-Sidekick, um die besonderen Qualitäten des Protagonistenheroen noch deutlicher zur Geltung zu bringen. Darüber hinaus ist er für den humoristischen Einschlag verantwortlich, der From Paris with love auch zu einem typischen Vertreter des Buddy-Movie macht.
Im Endeffekt dient die zugegebenermaßen reißbrettartige Handlung lediglich als Vehikel für ein ausschließlich auf Unterhaltung getrimmtes Actiongewitter, das vor allem den ersten Streifen des Genre-Triumvirats Schwarzenegger-Stallone-Seagal seine Referenz erweist. Frei nach dem Motto: Wozu fragen, wenn man auch gleich schießen kann, es trifft ohnehin nicht die Falschen.
Fazit:
From Paris with love ist eine rasante, politisch völlig unkorrekte Actiongranate wie man sie im Kino zuletzt in den 80er Jahren zu Gesicht bekam. Der vom französischen Actionpapst Luc Besson geschriebene und produzierte Reißer ist so offensichtlich „over the top", dass der Vorwurf hier reaktionäres und menschenverachtendes Gedankengut befördern zu wollen völlig ins Leere läuft. Die von John Travolta als kaltschnäuzige, zynische und ultrabrutale Ein-Mann-Armee angelegte Hauptfigur ist in etwa so realitätsnah wie John Rambo als buddhistischer Mönch. Für Freunde kompromissloser Actionkost absolut empfehlenswert. Kurzweilig, bleihaltig und garantiert ohne Rücksicht auf den „guten Ton".