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Wolfman (2010)

Eine Kritik von Ed_Hunter (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 21.02.2010, seitdem 431 Mal gelesen


Während sich der Vampir in Zeiten von „Twilight" samt ebenso verächtlich mit Mythenstandards wie Sonnenlichtempfindlichkeit umspringenden Nachahmern grausamer Identitätsvergewaltigung ausgesetzt sieht, darf sein Kollege der Werwolf gerade aufatmen: „Wolfman", die von Genreallrounder Joe Johnston („Jurassic Parc III", „Hidalgo") inszenierte, starbesetzte Reanimation des Wolfsmensch-Stoffes, ist ein im besten Sinne altmodischer, keinerlei Schindluder mit den klassischen Charakteristika seiner Titelkreatur treibender Gruselfilm, der sein Oldschool-Wesen jedoch mit ausreichend Tempo und Gorekrawall ausbalanciert, um heutigen Sehgewohnheiten zu entsprechen.

Eine grausame Serie bestialischer Morde erschüttert das Städtchen Blackmoor. Lawrence Talbot (Benicio DelToro), der seinen Heimatort in jungen Jahren nach dem Tod seiner Mutter verließ, kehrt zurück, als ihn die Kunde vom Verschwinden seines Bruders ereilt, und kommt des Rätsels Lösung näher als ihm lieb ist, als er alsbald nachts von einer Wolfskreatur angefallen und gebissen wird. Nun ist er selbst dem Fluch des Vollmonds ausgeliefert - und das für die Morde verantwortliche Monster in Menschengestalt treibt weiterhin sein Unwesen. Scotland Yard schickt Inspector Francis Abberline (Hugo Weaving) zur Aufklärung und Beendigung des blutigen Treibens - mit der übernatürlichen Erklärung der Todesfälle muss der sich jedoch ersteinmal arrangieren...

Was die Klasse und den Unterhaltungswert von „Wolfman" ausmacht, ist die schöne Balance, die Drehbuch und Regie zwischen altmodischem Gruselflair und moderner Krawallumsetzung des Stoffes finden. Die auf Experimente und Abwandlungen verzichtende Originaltreue und Straightness in Bezug auf den Werwolf-Mythos sowie die auf wabernde Nebel und stimmungsvoll düstere, teils höchst kunstvoll arrangierte Bilder bauende Inszenierung verleihen dem Streifen den Charakter einer sympathisch altmodischen back-to-the-roots-Hommage an die Horrorfilme der 50er-Jahre und noch früherer Dekaden, während Regisseur Johnston auf der anderen Seite mit reichlich Action, Splatter und Radau für krawalliges Tempo sorgt. Erstaunlich detailfreudig spritzt das Blut, rollen die Köpfe und fliegen die Gedärme, wenn die Wolfsmenschen des Nachts wüten. Auch die Schockfrequenz ist hoch sowie das Creature-Design über die zentralen Werwolf-Figuren hinaus mit einigen schaurig-schönen, wenngleich ein wenig arg Gollum-inspirierten Albtraumvisionen aufwartend. Diesbezügliches Highlight ist Talbots von Horrorhalluzinationen geprägter Aufenthalt in einer sadistische Folterorgien auffahrenden Irrenanstalt.

Die herberen Momente des Films dienen jedoch stets nur der Ergänzung und der Hochhaltung des Tempos, sein Fokus liegt auf Oldschool-Gruselflair, zu dem auch eine inhaltlich bedingt notwendige Zigeunergruppe ihren atmosphärischen Beitrag leistet. Daneben sowie neben der überzeugenden Arbeit der FX-Abteilung für die Werwolf-Verwandlungen überzeugt freilich die hochkarätige Schauspiellerriege: Während Benicio DelToro souverän und Anthony Hopkins erhaben routiniert als Sohn und Vater den Hauptfiguren Leben einhauchen, ist es vor allem „Agent Smith" Hugo Weaving, der als Scotland Yard - Inspector eine Glanzleistung hinlegt.

Dass das Genre-Rad bei alldem in keiner Hinsicht neu erfunden wird, ist schon allein der Anlage des Films geschuldet und ihm ergo nicht anzukreiden, verhindert aber letztlich den Vorstoß in höhere Wertungsregionen. Als bedeutungsvoller Klassiker wird „Wolfman" zweifellos nicht in die Filmgeschichte eingehen - aber als nettes Entertainment.

Fazit: „Wolfman" ist ein im besten Sinne altmodisch gehaltenes Leinwandcomeback des Werwolf-Mythos, das mit einer schönen Balance aus Oldschool-Gruselflair und blutiger Action kurzweilige Genreunterhaltung bietet und mit einer prominenten Darstellerriege auftrumpft. Dass die klassische Story ohne Überraschungen ihren geradlinigen Lauf nimmt, gereicht dem Vergnügen ob des stimmungsvollen, der ebensolchen Inszenierung geschuldeten Flairs nicht zum Nachteil.


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