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Wolfman (2010)

Eine Kritik von Bretzelburger (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 23.02.2010, seitdem 659 Mal gelesen


Im Abspann taucht der Name "Curt Siodmak" kurz auf und erinnert daran, dass es sich bei diesem Film um ein Remake des 1941 erschienenen Films handelt, für den Siodmak das Drehbuch schrieb. Auch die Rollen von Sir John Talbot (Anthony Hopkins) und Miss Gwen Conliffe (Emiliy Blunt) weisen direkt auf das Original hin, aber Sir John war dort jung und hatte noch keine Söhne, die das Schicksal ereilen konnte, vom Werwolf angegriffen zu werden.

Ben Talbot hatte diesen Angriff nicht überlebt, weshalb sein Bruder Lawrence (Benicio del Toro) nach vielen Jahren wieder zu seinem Vater zurückkehrte, von dem er als Kind, nach dem Selbstmord seiner Mutter, nach Amerika zu Verwandten geschickt wurde. Der eigentliche Anlass dafür lag in einem Brief Gwens, die den inzwischen bekannten Theaterschauspieler darum bat, den Tod ihres Verlobten aufzuklären. Als Lawrence bei Vollmond im nebelverhangenen Wald, in der Nähe des kleinen Ortes Darkmore, nach dem Mörder sucht, trifft ihn das selbe Schicksal wie seinen Bruder, aber im Gegensatz zu diesem überlebt er den Angriff des Werwolfs, nicht zuletzt dank der Heilkräfte Malevas (Geraldine Chaplin), einer alten Zigeunerin.

Dunkle Wälder im Nebelschleier, ein altes, leicht verfallenes Schloss, Bürger, die das Ungeheuer selbst zur Strecke bringen wollen, ein seltsamer Schlossherr, Zigeuner und ein Polizeioffizier (Hugo Weaving), der nicht an die Sage vom Wolfsmensch glaubt, sondern einen gefährlichen Irren hinter den Morden vermutet. "Wolfman" befindet sich mitten im traditionellen Sujet des Horrorfilms und unterstützt das mit einer Bildsprache, die an die alten Schwarz-Weiß Filme erinnern soll. Das gilt auch für die Schockwirkungen, die trotz der deutlich detaillierteren Darstellungen der körperlichen Verstümmelungen, auf altmodischen Grusel setzen. "Wolfman" ist der Versuch, den klassischen Horrorfilm mit einer modernisierten Story und dem Nutzen aktueller Effekte wieder zu beleben, aber trotz aller Bemühungen, eine möglichst altmodische Optik auf die Leinwand zu werfen, atmet der Film nicht mehr den geheimnisvollen Charme des Originals.

Das wird offensichtlich nach dem Angriff auf Lawrence, denn anders als im Original überlebt dabei auch der ihn angreifende Werwolf, was nur bedeuten kann, dass es in der kommenden Vollmondnacht zwei Werwölfe geben muss. Der Film beschränkt sich zudem nicht mehr auf wenige Protagonisten, sondern entfaltet eine düstere Familiengeschichte, deren wahren Hintergründe sich erst langsam vor dem Auge des Betrachters entfalten sollen. Man spürt dieses "Think big" aktueller Block-Buster-Filme besonders in der Szene, in der der Professor der Londoner Nervenheilanstalt seinem "Zögling" Lawrence beweisen will, dass dieser sich seine Werwolf - Verwandlung nur einbildet, weshalb er ihn bei Vollmond vor einem großen Auditorium präsentiert.

Diese Konstellation ist nicht nur unlogisch, weil ein solcher Skeptiker sich nie die Blösse geben würde, eine Hundertschaft Wissenschaftler herbei zu rufen, nur um einem aus seiner Sicht kranken Irren zu beweisen, dass nichts passiert, sondern vor allem verlässt der Film damit die Aura des Ungewissen. Nur die unmittelbar Beteiligten wissen normalerweise von der Werwolf - Verwandlung, während deren Umgebung immer eine logisch klingende Erklärung für die Ereignisse aufgetischt wird. So behielten die gruseligen Geschichten vom Werwolf den Charakter einer Sage, aber hier wird regelrecht wissenschaftlich bewiesen, dass es den Werwolf gibt, genauso wie die Situation dazu genutzt wird, einmal richtig unter den Zweiflern aufzuräumen.

Das hat durchaus etwas Spektakuläres und so zieht sich auch die gesamte Handlung mit entsprechendem Unterhaltungswert dahin, aber die wesentlichste Komponente des Originals - die Liebe zwischen Gwen und dem zum Werwolfdasein Verdammten - wird unter der sich steigernden Action begraben. Für sanfte Zwischentöne gibt das Drehbuch auch so exzellenten Darstellern wie Hopkins, Del Toro und Blunt keine Gelegenheit, weshalb der Geschichte die Tragik fehlt, die darin verborgen ist, einen Menschen aus Liebe zu töten. Als gruseliges Action - Spektakel im altmodischen Gewandt ist "Werwolf" durchaus ansehbar, bleibt aber als Remake oberflächlich und nutzt nicht die individuelle Klasse des Originals (5/10).


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