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Crazies - Fürchte deinen Nächsten, The (2010)

Eine Kritik von floair (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 09.09.2011, seitdem 228 Mal gelesen


Regisseur Breck Eisner (Sahara - Abenteuer in der Wüste, Thoughtcrimes) mag es mehr altmodisch, verzichtet gern auf jegliche optische Stilmittel, lässt dafür aber Bilder sprechen und punktet hier mit Geschwindigkeit. Und im heutigen Remake-Wahn sind gelungene Aufgüsse wie "The Crazies" eine willkommene Abwechslung. Schon das Original von George A. Romero aus dem Jahr 1973 war ein sehr realistisches und verstörendes Szenario, doch Eisners Version ist wesentlich gemeiner und intensiver. Geschickt bindet auch er die nötige Sozialkritik, nebst Angst vor biologischen Waffen ein und wie in einem Ernstfall gehandelt wird. Nämlich ohne Rücksicht auf die Bevölkerung, die man gleichzeit noch unwissend lässt.
Hier erwischt es die abgelgene Kleinstadt "Ogden Marsh", denn ein Militärflugzeug beladen mit einer biologischen Waffe ist in den Fluss gestürzt. Schnell ist das Trinkwasser verseucht und die ersten Menschen beginnen sich seltsam zu verhalten. So muss Sheriff David Dutton (Timothy Olyphant) einen Farmer erschießen, der mit einer Schrotflinte beim Baseballspiel auftaucht. Kurze Zeit später ermordet ein liebender Vater seine Familie und fackelt seinen gesamten Besitz ab. Doch für weitere Recherchen bleibt keine Zeit, denn plötzlich taucht das Militär auf und stellt "Ogden Marsh" unter Quarantäne.

Wie verhalten sich Menschen in Extremsituation und wie geht das Militär in solch einem Extremfall vor? "The Crazies" stellt keine abwegige Situation da und mausert sich zu einem knallharten Überlebenskampf. Im Mittelpunkt stehen nicht die Behörden, sondern David und seine schangere Frau Judy (Radha Mitchell). Eisner führt nicht erst die Charaktere ein, um dann mit ersten Vorkommnissen einen Spannungsbogen zu kreieren, sondern der Film läuft noch keine fünf Minuten und schon gibt es den ersten Vorfall. Während sich das Ganze steigert, wachsen einem die Hauptfiguren ans Herz, auch deren Handlungsweise bleibt größtenteils menschlich und nachvollziehbar. Über diverse Trennungen obwohl überall Infizierte rumlaufen sei hinweg gesehen, dafür wachsen sie in keiner Situation über sich hinaus. Besonders David muss bei den zahlreichen Konfrontationen mächtig einstecken und die Angriffe kommen immer so überraschend, dass man fast jedesmal zusammen zuckt. Hinzu kommt die Internierung des Militärs, welche die Menschen in Käfige sperrt oder irgendwelche Untersuchungen vornimmt. Bewusst werden hier einige Fragen nicht beantwortet, denn Unwissenheit ist ein großer Feind des Menschen. Und wie beim Menschen üblich, wurde die Situation überschätzt und so verfolgen wir stets David und Judy, die noch von Deputy Russell (Joe Anderson) und der jungen Becca (Danielle Panabaker) begleitet werden und versuchen das Sperrgebiet hinter sich zu lassen.

Dabei wehren sie nicht nur die Angriffe der Infizierten ab, sondern werden auch vom Militär verfolgt. Aber erstaunlicherweise setzt Eisner nicht auf plakative Gewaltszenen, sondern platziert diese nur wenn nötig, oder zeigt diese aus entsprechender Entfernung. Eine düstere Atmosphäre, unerwartete Schockmomente und ein hohes Erzähltempo sind seine wichtigsten Kriterien, die er alle bravurös erfüllt. Zwischendurch bleibt auch immer etwas Zeit für Konversationen und Emotionen, den Kontrast bilden einige fiese Szenen wie die Mistgabelattacke im Krankenhaus, der plötzliche Überfall in der Waschanlage oder das Finale an der Tankstelle. Auch in der kleinen Gruppe ist man sich bald nicht mehr sicher, denn die Gemüter sind erhitzt, aber trotzdem könnte einer von ihnen schon infiziert sein. Gegenüber herkömmlichen Zombies verlieren die Infizierten auch keinerlei Fähigkeiten, also hat man es hier stets mit ebenbürtigen Gegnern zu tun, die ihre Opfer auch gerne mal in einen Hinterhalt locken.
Mit Timothy Olyphant (Hitman, Stirb Langsam 4.0) und Radha Mitchell (Silent Hill, Mann unter Feuer) sind zwei glaubwürdige Hauptdarsteller an Bord, auch der restliche Cast überzeugt voll und ganz.

Ein wahres Alptraumszenario völlig schnörkellos in Szene gesetzt. Eisner gelingt ein tadelloser Spannungsbogen garniert mit überraschenden Schockmomenten und einigen blutigen Szenen. Zieht man die Handlungsweise der Menschen und die des Militärs in Betracht, ist das Gezeigte hier in keinster Weise abwegig. Auch hat es Eisner nicht nötig mit optischen Hilfsmitteln um sich zu werfen, "The Crazies" ist nach alter Schule inszeniert und weiß durch gute Darsteller zu punkten.


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