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McCabe & Mrs. Miller (1971)

Eine Kritik von noface (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 01.12.2006, seitdem 515 Mal gelesen


Spätestens mit dem November ist die dunkle Jahreszeit mit ihren trüben Nachmittagen und scheinbar endlosen Nachtstunden angebrochen, und jedweder Filmliebhaber vermag seinen heimischen DVD-Player von nun an ganz ohne Gewissensbisse mit den kleinen, handlichen Silberlingen zu füttern. Und da speziell die kalendarische Spanne um den Totensonntag herum das Gedenken an die jüngst wie auch in der Vergangenheit Verstorbenen hochhält, mag mancher Filmfreund sich des großen und erst im Frühjahr 2006 für sein Lebenswerk mit einem Oscar geehrten Regisseurs Robert Altman zu erinnern.

Nach seinem Durchbruch mit der überaus derben und historisch im Korea-Krieg angesiedelten Satire „M*A*S*H" (1970) schuf Altman - in den Hauptrollen mit dem seinerzeit libidinös verbandelten Dream-Team Warren Beatty (John McCabe) und Julie Christie (Constance Miller) - auf dem Höhepunkt des scheinbar unaufhaltsamen Durchmarsches von „New Hollywood" durch die verrotteten Studiolandschaften jenen von der Kritik hoch gelobten Neo-Western namens McCabe & Mrs. Miller, welcher die filmische Folie für den in jenen Tagen schwer angesagten kulturellen Antikapitalismus abgab.
Genauer betrachtet, handelt es sich bei McCabe & Mrs. Miller um einen durch und durch merkantilistischen Western, in welchem nahezu sämtliche Handlungen und Gedanken allein um den schnöden Mammon kreisen, und während die gewöhnlichen Huren des Hauses für lumpige anderthalb Dollar zu Diensten stehen, müssen für den Verkehr mit Puffmutter Mrs. Miller fünf blanke Scheine auf den Tisch gelegt werden - und dies gilt sogar für den Kompagnon und gelegentlichen Bettgefährten McCabe! Für die in Western herkömmlicher Machart unverzichtbare Romantik (Sonnenuntergänge im Gegenlicht usw.) bleibt in solch auch äußerlich harsch gezeichneten Verhältnissen keinerlei Platz; vielmehr findet inmitten der schmutzigen, ruinösen und verkommenen Kulissen der Bergbau-Siedlung von Presbyterian Church ein unbarmherziger ökonomischer Kampf statt. Das auf purem Gewinnstreben basierende, quasi familiär organisierte mittelständische Unternehmen McCabe & Mrs. Miller sieht sich nach lokalen Anfangserfolgen alsbald dem begehrlichen Blick überregional operierender Bergbau-Konzerne und Trusts ausgesetzt, deren finanziellen Offerten sich die Unternehmens- gründer kaum mehr zu erwehren wissen; denn Widerstand ist nur um den Preis der physischen Vernichtung (McCabe) bzw. der Flucht in den Opiumrausch (Miller) möglich.

Der für Altman's Spätwerk typische Ensemble-Film (siehe "Short Cuts") ist hier quasi erst im Anfangsstadium zu besichtigen: die Sorgfalt, die auf die Zeichung der (Haupt-)Charaktere verwendet wurde; die Kunst des vielsagend sparsamen Dialoges; ein ausgefeiltes Set; farbenprächtige Bilder, die ihren Teil zum Gesamtkunstwerk beitragen; und nicht zuletzt der minimalist- ische Soundtrack von Leonard Cohen - alles zusammen genommen gilt es hier ein frühes Meisterwerk zu bewundern, welches mit nicht weniger als 8,5/10 Punkten belohnt werden darf.


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