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McCabe & Mrs. Miller (1971)

Eine Kritik von klepp (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 21.08.2009, seitdem 109 Mal gelesen


McCabe & Mrs. Miller,
oder: Robert Altman, Leonard Cohen und der geflashte Film

McCabe begibt sich in eine kleine, sich im Aufbau befindende Stadt direkt an der legendären "frontier". Sein Ziel ist es, dort ein Bordell zu eröffnen. Dies gelingt ihm zwar auch, jedoch kommt der Rubel erst in's Rollen, als auch Mrs. Miller mit in's Geschäft einsteigt.

Was einem bei dem Film als erstes auffällt ist sicherlich seine besondere Optik. Das Filmmaterial wurde für diesen Film geflasht, das heißt es wurde bereits vor dem eigentlichen Dreh kontrolliert belichtet. Das führt zu diesem besonderen, weicheren Look, den dieser Film besitzt. Die Körnigkeit des Materials wird erhöht und die Farben scheinen beinahe auszubleichen. Der erzielte Effekt erinnert nicht von ungefähr an die leicht vergilbten Bilder aus Großmutters Fotoalbum.
Das alleine erzeugt schon eine leicht nostalgische Stimmung, doch in Kombination mit der beinahe omnipräsent scheinenden, herrlich lakonischen Musik von Leonard Cohen entfaltet sich eine melancholische Stimmung, die ihres Gleichen sucht.

Betrachtet man nun auch noch die narrative Ebene, sollte einem endgültig klar werden, dass man es hier nicht mit einem gewöhnlichen Western zu tun hat. Der titelgebende Held McCabe ist wahrlich alles andere als der klassische Revolverheld, den man aus unzähligen Filmen dieses Genres kennt. Er ist weder mutig noch sonderlich intelligent, auch scheint er die Situationen, in denen er sich befindet, nur in Ausnahmefällen unter Kontrolle zu haben. Wenn es wirklich ernst wird, greift er nicht zur Waffe, sondern sucht sich einen Anwalt. Die Figuren, hingegen, die tatsächlich Gebrauch von ihrer Waffe machen, tun dieses auf eine Weise, die sicherlich alles, nur nicht heldenhaft ist.
Die einzige Figur des gesamten Films, die man wirklich als stark und unabhängig bezeichnen könnte, ist Mrs. Miller. Die hat allerdings leider ein nicht zu unterschätzendes Opium-Problem und scheint nur in der Lage, Beziehungen aufzubauen, wenn sie dafür bezahlt wird.

Auch wenn es wahrlich keine Schwierigkeit darstellt, Filme zu finden, denen man nachsagt, sie seien Anti-Western, ein Abgesang auf das Genre oder dekonstruierten den Mythos des "wilden Westens", so gibt es doch vermutlich kaum einen Film, auf den diese sonst doch schon beinahe hohlen Phrasen so zutreffen wie auf McCabe und Mrs. Miller.


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