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Hot Tub - Der Whirlpool... ist 'ne verdammte Zeitmaschine! (2010)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 13.02.2011, seitdem 509 Mal gelesen


Zurzeit besinnt man sich gern auf die (Teenie)Komödie der 80er zurück, neben „Adventureland“ und „Easy A“ macht auch „Hot Tub Time Machine“ einen auf Retrocomedy.
Während „Adventureland“ in den 80ern spielte und „Easy A“ aus heutiger Sicht an jene Ära erinnerte, findet „Hot Tub Time Machine“ einen dritten Weg: Den der Zeitreise. Aber ehe es in die 80er und dann back to the Future geht, beginnt der Film durchaus ernst: Lou (Rob Corddry), Jugendfreund von Adam (John Cusack) und Nick (Craig Robinson) versucht sich das Leben zu nehmen. Das ist ein überraschend herber Einstieg, der aber leider recht allein dasteht: Tiefgründiger wird es nicht, da verband ein „Fanboys“ die Idee eines ernsten Anlasses und einer komödiantischen Odyssee wesentlich besser und ehrlicher.
Um Lou aufzumuntern soll es in das Skiressort gehen, in dem man in den 80ern so richtig einen draufmachte, nicht bloß Ski fuhr, sondern auch wilde Partys feiern, die mit reichlich Wein, Weib und Gesang abgingen. Allerdings haben sie auch Adams videospielsüchtigen Neffen Jacob (Clark Duke) an der Backe, der von seiner Mutter vernachlässigt und bei Adam geparkt wird. Der hat nach seiner gescheiterten Beziehung Schwierigkeiten, Nick wurde von seiner Frau betrogen, also hat jeder der Charaktere sein Säckel zu tragen, aber als wäre das nicht schon schlimm genug, ist auch noch das Ressort klinisch tot.

Betrunken steigt man in den Whirlpool um wenigstens so noch einen draufzumachen, die Elektronik schmiert durch – und am nächsten Morgen erwacht man in den 80ern, Adam, Nick und Lou als jugendliche Varianten ihrer selbst. Sie wollen den Urlaub noch mal verleben, der Zeitreiselogik zuliebe nichts ändern, aber das ist nicht so einfach…
Auf dem Papier hört sich das Konzept durchaus reizvoll an, eine Hommage an „Zurück in die Zukunft“ und den Teenfilm der 80er, gepaart mit problembehafteten Charakteren, die der Komödie eine Erdung verpassen. Leider, leider wird der ernsthafte Ansatz schnell fallengelassen, am Ende steht dann ein Friede Freude Eierkuchen Ende, das – ganz in der Tradition von „Zurück in die Zukunft“ – die Verbesserung des Raum-Zeit-Kontinuums für die Hauptfiguren vor allem als materielle darstellt, doch ohne den Charme und die (verzeihbare) Naivität von Zemeckis’ Glanzstück, welches sich nie so abgeklärt gab wie „Hot Tub Time Machine“ und welches auf solche Simplifizierungen zurückgreifen durfte.
Ein Darstellungsproblem ergibt sich in der Hinsicht, dass die drei erwachsenen Hauptfiguren für ihre Umwelt wie Jugendliche aussehen, der Film aber seine Topkomiker nicht zu kurz kommen lassen will – also bleibt es bei einer Darstellung der Jugend-Ichs im Spiegel, danach agieren die Erwachsenen mit Teens und der Zuschauer muss sich halt vorstellen, dass die Gespräche von Teen zu Teen sind. Das funktioniert aber recht gut, amüsant ist auch Bezug auf die 80er Jahre und den Zeitreisefilm. „Hot Tub Time Machine“ versucht gar keine Erklärung zu geben, es gibt halt Whirlpoolzeitmaschinen und entsprechende Mechaniker (Gastauftritt von 80er-Comedy-Ikone Chevy Chase), und mit den verqueren Erklärungsversuchen des seriös bemühten Zeitreisefilms hält man sich gar nicht erst auf. Stattdessen witzelt man (nicht ohne Liebe) über die Zeiten als Mobiltelefone noch die Größe eines Tetrapacks hatten, als man aus heutiger Sicht potthässliche Klamotten und Frisuren noch für den letzten Schrei hielt, als Michael Jackson noch schwarz war und als die amerikanische Weltsicht noch weniger zynisch, weniger abgeklärt und auch weniger verunsichert war – oder zumindest so erschien.

Das große Problem des Films bei all seinen Verweisen und Referenzen ist jedoch das Drehbuch, das humoristisch leider alles andere als eine große Nummer ist. Platte Ficki-Ficki-Witze noch und nöcher, mauer Slapstick an allen Ecken und Ende und die Extraportion Nacktheit, die wohl für fehlendes Comedytiming entschädigen soll. Etwas geschmacklos erscheint der Running Gag, dass die Figuren immer jenen Moment erwarten, in denen der in der Gegenwart einarmige Portier (Crispin Glover) seine Hand verlieren wird. Schade um die in der Minderzahl befindlichen guten Gags, z.B. die Auseinandersetzungen mit den hirnlosen Sportlerjungs, die einmal zu oft „Die rote Flut“ gesehen haben.
John Cusack als liebenswerter Töffel in Nöten, die 100ste, aber auch beim wiederholten Male kann der Mann die Kohlen aus dem Feuer holen, so sympathisch ist er in seiner Paraderolle. Craig Robinson schlägt sich okay, Rob Corddry läuft mal wieder zu prolliger Hochform auf, überträgt seinen Spaß aber gekonnt auf den Zuschauer und Clark Duke fällt wie schon in „Sex Drive“ und „Kick-Ass“ als begnadeter Komiker auf. „Kick-Ass“-Kollegin Lyndsy Fonseca ist leider etwas unterfordert, Crispin Glover und Chevy Chase supporten ordentlich und bei der Frauenfraktion kann immerhin Lizzy Caplan als Love Interest Adams noch punkten.

„Hot Tub Time Machine“ fährt ein reizvolles Konzept, eine tolle Besetzung und liebevolle Referenzen in Richtung 80er auf, den Film aber vor die Wand: Zu platt sind die meisten Witze (eine ungewollte Verbeugung vor „Porkys“ und Co.?), zu selten stimmt das komödiantische Timing. Macht 4,5 Punkte meinerseits, die vor allem deshalb aufgerundet werden, da Rob Corddry fast den gesamten Film über in einem Iron Maiden T-Shirt rumläuft – das verdient Sympathiepunkte.


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