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Prinzessin Mononoke (1997)

Eine Kritik von Apollon (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 25.08.2003, seitdem 1329 Mal gelesen


Einer der besten und erfolgreichsten Beiträge aus Japan ist ausgerechnet ein Anime. "Prinzessin Mononoke" heißt er und erzählt von Prinz Ashitaka, der von dannen zieht, als er eines Tages von den Auswüchsen eines todbringenden Dämons in Gestalt eines riesigen Keilers verletzt wird, was in absehbarer Zeit zu seinem Tod führen wird. Nur der über Leben und Tod entscheidende Gott des Waldes Shishigami könnte den Prinzen heilen, weshalb Ashitaka nun fortzieht. Allerdings treibt ihn auch noch ein anderer Beweggrund an: Die Suche nach dem Ursprung der dämonischen Verwandlung des Ebers.

Bereits in der Einführung lässt Hayao Miyazaki die Geschichte trotz der Attacke liebevoll erzählen, sodass man sofort im Sog der zauberhaften Welt gefangen ist. Unter Einbeziehung der japanischen Kultur führt uns "Prinzessin Mononoke" fiktiv bis an die Ursprünge des Konflikts Mensch gegen Tier und lässt die in den Naturgesetzen eigentlich immer unterlegenen Wesen hier einmal in Gleichrangstellung gegenüber dem Menschen, auch wenn sich die Dominanz der intelligenten Zweibeiner durchzusetzen scheinen droht. Als wichtiger Aspekt im Gegensatz zur gnadenlosen Realität gilt hier jedoch die Fähigkeit der Tiere, sich wehren zu können. Die Thematik wird allerdings so geschickt dargestellt, dass für uns eine Wahl zu einer der beiden Fronten nicht möglich ist. Dazu besitzen alle Figuren und Tiere zu zwiespältige Eigenschaften, sowohl charakterlich positive als auch negative, die sich in etwa die Waage halten.

Besonders hervorzuheben ist dabei das Gegenspiel des Verhaltens beider Seiten ohne einen richtigen Rollentausch vorzunehmen. Menschen benehmen sich teilweise wie Tiere, Tiere benehmen sich teilweise wie Menschen. Dass der Mensch oftmals durch mitunter schlechtes Benehmen, Unüberlegung und Überheblichkeit tierisches Verhalten annimmt, ist, abgesehen von der Tatsache, dass der Mensch biologisch selbst eigentlich ein Tier ist, längst sprichwörtlich bekannt, doch dass selbst Tiere, hier vorwiegend Schweine und Wölfe, mit Vernichtungswillen, typisch menschlich und brutal in die Offensive gehen, lässt einen Konflikt viel ausgeglichener zu, um so als Ganzes mehr Parabel- wie Fabelcharakter einzunehmen, wie auf den ersten Blick vielleicht nicht vermutet. Die erzieherischen und sittlichen Gedanken von "Prinzessin Mononoke" sprechen aber logischerweise den Menschen an. Schließlich baut er die Waffen, nimmt den Tieren durch das Abholzen für Erz ihren Lebensraum und lässt sie dadurch aggressiv werden. Auch die Verwandlung der tierischen Geschöpfe zu einem Dämon geht auf die Kosten des Menschen, was bereits zu Beginn die Kugel im vom Dämon befallenem Keiler symbolisiert.

Zur Faszination des ganzen Filmes beitragend ist auch die ökologische Mythologie wie beispielsweise die dazugehörenden Baumgeister. Die Götter treten in Form von riesigen Tieren auf oder sind, deutlicher gesagt, einfach Tiere, wodurch der hohe Stellenwert des Filmes der Natur gegenüber ebenfalls verdeutlicht wird. Ein interessanter Aspekt dazu ist, dass durch das Einwirken des Menschen auf die natürliche Umgebung die Tiere immer kleiner und schmächtiger werden. Allerdings gibt es nicht nur diese negativen Beziehungen. So überrascht bei dem in Ohnmacht gefallenem Ashitaka die Loyalität seines seltsamen Reittiers, das ihm zu keiner Zeit von der Seite weicht. Und auch San, Prinzessin Mononoke, lebt als hasserfüllter Mensch bei den Wölfen, auch wenn sie sich selber nicht als solchen sieht.

Letztendlich präsentiert "Prinzessin Mononoke" als Zeichentrick Charaktere und Weisheiten wesentlich tiefgründiger als so manch anderer realer Film. In einer erfrischenden Erzählweise unter einer überwiegend japanischen Musikuntermalung werden in gut gezeichneten Bildern Moral, Ethik und Ökologie hier wirklich beeindruckend in einer zauberhaften Welt vereint - und das behauptet jemand, der eigentlich nicht so sehr von Fantasy begeistert ist... (9+/10 Punkten)


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