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Brudeferden i Hardanger (1926)

Eine Kritik von Ännchen von Tharau (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 30.03.2010, seitdem 151 Mal gelesen


Das Amerikafieber ist bis nach Norwegen vorgedrungen. Die Familie des jungen Mädchens Marit rüstet sich bereits zur Abreise, als sie sich weigert, ihre Heimat zu verlassen. Statt mit ihren Eltern das Boot zu besteigen, das sie zu dem Überfahrtsfrachter bringen soll, läuft sie weinend davon und lässt sich von niemandem dazu überreden, sich ihnen doch anzuschließen. Schweren Herzens trennt sich die Familie von dem eigensinnigen Mädchen, das von einem Fjord aus mit verheulten Augen zusieht wie das Boot in immer weitere Ferne rückt. Zwei Männer indes freuen sich darüber, dass Marit ihnen erhalten bleibt. Da ist einerseits Tore, der schon länger in sie verliebt ist, und Anders, für den Marit schon länger schwärmt. Tore nimmt sie erstmal bei sich und seiner Mutter auf, was jedoch auch nichts daran ändert, dass Marit, die an einem Hof eine Stellung als Magd annimmt, in ihm eher einen Freund sieht und in Anders die Liebe ihres Lebens. Der macht sich indes auch erstmal nach Amerika auf. Zuvor gibt er Marit das Versprechen, sie zu heiraten, wenn er zu ihr zurückkehre. Marit verbringt die folgenden zwei Jahre in züchtiger Warterei. Als sie eines Tages von einer prunkvollen Hochzeit in einem der Nachbardörfer erfährt, begibt sie sich aus jugendlicher Neugierde ebenfalls zu dem rauschenden Fest, zu dem jeder geladen ist. Für Marit bricht eine Welt zusammen, als sie in dem männlichen Teil des Pärchens vor dem Traualtar ihren geliebten Anders entdeckt. Dieser ist schon seit längerer Zeit aus Amerika zurück, hat sich jedoch mit einem anderen Mädchen verlobt, und es nicht mal für nötig gehalten, sie darüber in Kenntnis zu setzen. Marit verscherzt es sich bei ihren Herrschaften, als sie in ihrer Gedankenlosigkeit, hervorgerufen durch ihren tiefen Schmerz, einen Fauxpas verursacht, der ihr prompt die Kündigung einbringt. Auch sorgt sie für einen Skandal, als sie Anders mit ihren Vorwürfen konfrontiert und sich somit den Hass seiner Gattin zuzieht. Schließlich zieht das Mädchen schwere Konsequenzen, begibt sich in die Einöde der Berge, wo sie sich als Helferin eines eigenbrötlerischen, misanthropischen, sie alles Andere als gut behandelnden Holzfällers verdingt. Als jedoch Tore bei ihr auftaucht und um ihre Hand anhält, ihr anbietet, sie zu sich an den Hof und raus aus dem Elend zu holen, zögert sie nur kurz. Doch obwohl sie mit Tore eine Familie gründet, ihm zwei Kinder schenkt und ein scheinbar glückliches Leben an seiner Seite führt, hat sie die Verletzung, die sie durch Anders erfuhr, nie verwunden. Als Jahrzehnte später ihre Tochter mit dem Sohn von Anders anbandelt und sich zwischen ihnen eine Liebesbeziehung entspannt, tut Marit alles dafür, diese Liebe zu zerstören und ruft eine Katastrophe hervor… 

BRUDEFERDEN I HARDANGER ist ein durchschnittlicher norwegischer Stummfilm, über den es eigentlich gar nicht viel zu sagen gibt, da er sich kaum nennenswert von ähnlich gelagerten Liebesdramen der damaligen Zeit unterscheidet.  Das Werk zerfällt in zwei etwa gleichlange Hälfte, von denen ich die erste als die wesentlich interessantere und bessere empfunden habe. Gerade in seiner ersten Dreiviertelstunde vereinigt der Film im Grunde seine gesamten Höhepunkte. Der Auftakt beispielsweise, wenn Marit sich weigert, ihre Familie nach Amerika zu begleiten, hat mir bestens gefallen und liefert eine wunderschöne Szene, in der das Mädchen von der Höhe eines Fjords dem sich entfernenden Schiff hinterher schaut, das ihre Eltern für immer von ihr trennt. Überhaupt bin ich ehrlich beeindruckt von dem Schauspiel Aase Byes, die die Marit nahezu perfekt und mit äußerst wenig Theatralik verkörpert. Aase Bye sieht nicht nur hübsch aus, sondern vermittelt die Gefühle ihrer Figur in einigen Szenen allein über dezente Gesten, über einen einzigen Blick. Auch sind die Landschaftsaufnahmen, und etwas Anderes wird man von einem Film, der an der norwegischen Küste angesiedelt ist, wohl kaum erwarten, naturgemäß großartig. Leider endet die Liste der Punkte, die BRUDEFERDEN I HARDANGER für mich haben herausstechen zu lassen, hier schon. Die Geschichte entwickelt sich äußerst langatmig und ist teilweise recht steif inszeniert. Vor allem in der zweiten Hälfte rutscht sie einige Male in sentimentalen Kitsch ab, der die Wirkung von Szenen, die eigentlich berühren sollten, deutlich abschwächt. Wie Marits ehemalige Rivalin, die Gemahlin Anders, zu Tode kommt oder wie Marits Sohn, den sie jahrelang gegen Anders Familie aufstachelte, plötzlich zur Einsicht gelangt und freiwillig nach Amerika aufbricht, um dort zu einem besseren Menschen zu werden, empfand ich schon fast als lächerlich.
 

Meine eindeutig liebste Szene des Films ist allerdings die titelgebende Hochzeitszeremonie. Die wird zwar auch endlos ausgewalzt, doch besitzt sie ein beinahe schon dokumentarisches Flair, wenn die Kamera jedem einzelnen Schritt des Brautpaars folgt und die einzelnen folkloristischen Bräuche der Hochzeit en detail gezeigt werden. Für eine Zeitlang wirkt der Film hier wie eine Reportage darüber wie im Norwegen früherer Tage Hochzeiten rituell begangen wurden. BRUDEFERDEN I HARDANGER in seiner Gesamtheit allerdings fand ich vergleichsweise enttäuschend.


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