<!--StartFragment -->Im aufrüttelnden Vorspann gellen zwar die Schreie einer verängstigten, sich vor dem maskierten Angreifer in die letzte Ecke des Hauses flüchtenden Frau in die Sinne des Zuschauers, wird auch dieser verzweifelte Versuch eines Entkommens nicht mit Erfolg belohnt, sondern die bloße unglückliche Anwesenheit des Opfers mit dem Tode bestraft, besteht der Film dahinter aber dennoch nicht die Funktion des Terrors. Statt die natürlich und unnatürlich vorkommenden Quellen von Furcht auszuspielen und mit den erschreckenden Wirklichkeiten des Lebens im 20. Jahrhundert zu konfrontieren und anzufechten wird in der Begrenzung auf künstlerische Darstellung nur eine weitere Variation kantonesischen Horrors präsentiert; diesmal in einer Anleihe zwischen dem whodunit und dem whydoneit. Ein mit Schauerelementen aufgepeppter Krimi zweiter bis dritter Garnitur, der seine eher handzahmen Mordtaten auch gar nicht mal in den Mittelpunkt des Geschehens stellt, sondern meist nur in verbaler Manier mit dem zurückliegenden und dem noch möglichen Schrecken kokettiert.
Nach der ersten Tat per Schlachterbeil entfärbt sich für kurze Zeit das Bild, wird bereits die Vorgeschichte präsentiert, die entscheidende oder doch nur eventuelle Erklärung für das noch folgende Geschehen, die auch mit vielen weiteren Verdächtigen und Verdächtigungen immer wieder Reflexionen innerhalb des Zusammenhangs aufwerfen. Ein kleiner Junge auf der Flucht vor seinem trinkenden und prügelnden Vater gezeigt, ein Kind starr vor Angst, dass seinen einzigen kurzen Ruhemoment im Leben kurz darauf nur während einer Sonnenfinsternis findet:
Joey [ Lam Suet ], lebt gute 25 Jahre später immer noch mit seiner Mutter Mrs. Lim [ Helena Law ] zusammen. Er, durch ungeschütztes Blicken in die intensive Strahlung der gleißenden Sonne an Hornhaut und Augenlinse geschädigt und gleichfalls in seiner ganz eigenen unnahbaren Welt gefangen, wird von ihr weiterhin wie als Dreikäsehoch behandelt; auch ihr Bruder Hoi [ William Ho ] nimmt den geistig Behinderten nicht für ernst, bemuttert ihn allerdings nicht, sondern traktiert ihn bei allen passenden Gelegenheiten. Außerdem will er das von den Lims geführte "Sunshine Resort" auf der Cheung Chau Insel schnellstmöglichst verkaufen, und spannt den Wehrlosen nach einiger Resistenz für seine Zwecke ein. Währenddessen häufen sich die Vermisstenanzeigen in der Wohn- und Ferienanlage, und werden auch zwei- bis dreimal im Monat Frauenleichen gefunden, die von dem zuständigen Officer Li [ Lee Siu-kei ] allerdings schnell als Selbstmorde in die Akte gestempelt werden. Als die Schauspielerin Phoebe [ Cherry Chan ] nach einem Beziehungsstreit mit ihrem Freund Paul [ Mark Cheng ] ebenfalls nur tot wieder auftaucht, wird die in HK tätige Journalistin Mayse [ Sophie Ngan ] neugierig, verfolgt den Hinterbliebenen und schickt per Fährenpier Nr. 6 ein fünfköpfiges Reporterteam unter Leitung von Julie [ Shirley Hung ] und deren Lover Sunny [ Samuel Cheung ] in das Inselhotel.
Der Schauplatz einschließlich seiner funktionsbedingten Begrenztheit, Abgeschiedenheit, Abgeschottenheit ist ebenso wie die Schar der darum und darin wirbelnden Schauspieler durchaus gut gewählt, ein geographisch abgestecktes Territorium mit einem Dutzend ebenso zweckgerechter Darsteller, deren traditionelle Rollenfunktion praktisch in jedem Durchgang produziert wird. Ist schon die winzige Umgebung des abgerungenen Landes selber die ideale Voraussetzung für eine gewissen gottverlassene Aura, so sind die dargebotenen Figuren in ihr als Musterexemplare der zeitgenössischen Gesellschaft ebenso direkte Kommentatoren für den Drang nach Klatsch, Hysterie und Maskerade; zwischen realer Drohung und der Abbildung der mythischen Anteile – vor zwei Jahrhunderten wurde das Atoll von der Pest und Piraten okkupiert – gefangen, stellen sich selbst die Begleitumstände der Bluttaten als unfertige Metamorphose dar. Letztlich erschafft Regisseur Bowie Lau, der sich zuvor mit seinem Debüt Deadly Camp bereits noch deutlicher um die Aufbereitung von backwood - Klischees in einem gar nicht so in die Modernität drängenden Slasher bemüht hat, hier aber trotz vor allem formal aufkeimender Wenigkeiten im Reflexivaufbau nur das groteske Bild einer formlosen Ganzheit, ein leidenschaftsloses patchwork. Eine spürbare Neigung zur Abweichung ist zu registrieren, aber die mit festen Ausgangspunkten gebotene Mischung aus einem Giallo, dem Category III, einer Psychoanalyse und dem Zitatenschatz wiedergewonnenen Gedächtnisses von Blood and Black Lace über Blow Out bis zu Scream besitzt kaum eigene auffassungsfähige Anmerkungen und instinktive Energien.
Speziell scheitern tut man im Bereich der bemühten freudschen Psychologie, an der Ohnmacht, eine konstante Konfrontation zu finden statt bloß die schematische zu unterlaufen und dem Unvermögen, gegebenenfalls Unbehagen und Unsicherheit im Publikum verursachen zu können. Am Genre des emotionalen Affektes, dessen komplettes Fehlen auch der offensichtlichste Punkt der Unterscheidung zwischen halbherzigen Gelingen und uninspirierten Scheitern ist. Nicht nur, dass der finale Täter mal abgesehen von etwas Ratespielchen nicht weiter interessiert, auch die Beweggründe und die angedeuteten Erklärungen bis dahin locken keine Neugier oder gar Empathie hervor; selbst wenn man sich in dem umfangreichen Gebrauch von Motiven geradezu sudelt – [Meuchelmörder in hypnotischer Steuerung, aus Gier nach Geld und/oder Sex, und/oder in quasi-medizinisch/wissenschaftlicher Erklärung] – und bis zum Showdown erstmal darin genügt, über Joeys körperliches Aussehen hin sein Status als das Monster zu zementieren. Auch die während dem "Blutbad" Leidtragenden sind für eine Gemütsregung zu unwesentlich und entsprechend wirkungslos, die Konsequenz der Taten – [Messer in Hals, Stein auf den Schädel, Kopf auf den Barbecue-Grill] – für den Ekel in seiner äußersten Bedeutung nicht erschreckend genug, und die Anziehungskraft des düsteren Hinterwald-Karnevals zu unbeträchtlich, um einen gewünschten Affekt zu verursachen.
Wenigstens im sexuellen Voyeurismus setzt die Universe Films Distribution Company Produktion auf geeignetes ästhetisches Vokabular zwischen Eros und Thanatos; mehrere Duschszenen mit und ohne durchnässende Kleidung als verlockende Abbildung und angedeutete blow- und handjobs veranschaulichen stichhaltig die Kampagne um die Befriedigung einer vulgären Schaulust.