Eine Kritik von A RetroKinski (Bewertung des Films: 6/10) eingetragen am 27.07.2011, seitdem 163 Mal gelesen
SATTE FARBEN VOR SCHWARZ von der noch unbekannten Regisseurin Sophie Heldman setzt zunächst mal auf bekannte Schauspieler in Form von Bruno Ganz und Senta Berger. Die Story setzt auf den Themenverbund Familie, Liebe und das Umgehen mit Krankheit im Alter. Anita (Senta Berger) und Fred (Bruno Ganz) sind beide um die 70 und kennen sich seit ca. 50 Jahren.
Zum einen sind sie sich sehr nah, zum anderen hat sich jeder für sich ein wenig zurückgezogen und nicht alle Details werden bzw. wollen geteilt werden. So verheimlichen sie auch seinen Prostatakrebs vor den Kindern, er will nicht seine letzten Jahre als Krebspatient verbringen. Als sie die Situation nicht mehr ertragen will sucht sie die Flucht nach vorn....
Es ist ein ganz leises Drama mit sehr schöner und persönlicher Handschrift der Regisseurin wie man der Pressenotiz entnehmen konnte. Ohne falschen Pathos und übertrieben-vordergründige Sentimentalitäten wird die Geschichte behutsam entwickelt und wirkt in langen und ruhig-sachlichen Kameraeinstellungen und kaum vorhandener Musikuntermalung stets souverän.
Die Ausstattung und Details der Szenen ist vielfältig und das Auge kann in den langen Szenen oft und viel auf den Hintergrund schweifen und zu der Geschichte passende Details entdecken. Man merkt den Protagonisten die grosse Routine an und es entsteht eine durchaus authentische Atmosphäre.
Allerdings gelingt für mich das Zusammenspiel der o.g. routinierten Schauspieler nicht in jeder Konsequenz. Bruno Ganz spielt grossartig und stark den knochig-trockenen und emotional einsamen Fred. Senta Berger allerdings merkt man die Rolle an und dass sie eine Person "spielt" mit jeder Faser des Körpers und Ihrer gestelzten Sprache an.
Sie schauspielert einfach zu viel, anstatt einfach zu SEIN. Gemäss Ihrer Art wirkt sie leider sehr oberlehrerhaft-steif, besserwisserisch-verbrämt und senioren-emanzenhaft in ihrem Habitus und Sprache. Unter anderem deswegen harmonieren die wenigen Dialoge nicht wirklich gut und oft reden die beiden ungeplant aneinander vorbei.
Zudem ist das radikale Ende der Geschichte vorher nicht im Geringsten durch dunkle Ecken oder Momente bzw. Charakterzüge angedeutet worden und wirkt somit auch isoliert von der Geschichte und letztlich auch überzogen. Für mich rettet fast alleine Bruno Ganz den Film aus der Mittelmässigkeit nach oben. Trotzdem hat SATTE FARBEN VOR SCHWARZ ganz viel Erstlingsbonus verdient. Noch mehr sollte man sich auf weitere Filme der Regisseurin freuen.
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