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Fargo (1996)

Eine Kritik von floair (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 28.12.2011, seitdem 91 Mal gelesen


Fargo ist die größte Stadt im US-Bundesstaat North Dakota und verdankt ihren Namen einem erfolgreichen Unternehmer. Einen Teil ihres heutigen Bekanntheitsgrades verdankt Fargo aber dem gleichnamigen Film der Brüder Joel und Ethan Coen (True Grit, No Country for Old Men). Für neun Oscars war dieser Film nominiert, zwei konnte man schließlich einheimsen, der erste ging an Hauptdarstellerin Frances McDormand (Darkman, Kaltes Land) und Nummer zwei bekamen die Coen Brüder für ihr teilweise skurriles Drehbuch.
Im Mittelpunkt steht der Autoverkäufer Jerry Lundegaard (William H. Macy), welcher Carl Showalter (Steve Buscemi) und Gaear Grimsrud (Peter Stormare) anheuert, um seine Frau Jean (Kristin Rudrüd) zu entführen. Schließlich will er Lösegeld von ihrem reichen Vater Wade Gustafson (Harve Presnell) erpressen. Carl und Gaear führen den Job durch, begehen auf ihrer Flucht aber einen dreifachen Mord. Dies bringt die schwangere Provinzpolizistin Marge Gunderson (Frances McDormand) ins Spiel, welche sich mit der Aufklärung des Falls befasst. Jerrys scheinbar simpler Plan läuft immer mehr aus dem Ruder, schließlich schaltet sich auch noch Wade in die ganze Sache mit ein und provoziert damit eine Katastrophe.

"Fargo" ist pure Geschmackssache, für mich zählt er leider zu den schwächeren Werken der Coen Brüder. Was mir hier komplett fehlt sind ihre oft bösartigen, schwarzhumorigen und peppigen Dialoge. Erstaunlich wenig Wortwitz hat "Fargo" zu bieten, um dafür immerhin mit viel Gespür das Leben der Leute auf dem Land zu porträtieren. Ungewöhnlich auch die schwangere Marge Gunderson, welche mit ihrem Mann Norm (John Carroll Lynch) ein Film untypisches Leben führt. Doch gerade dies und ihre ständigen Fressorgien aufgrund der Schwangerschaft machen Marge so sympathisch. Auch der Plot ist ganz nett durchdacht, denn wie im realen Leben ist die Wurzel allen Übels ein Plan, bei dem nicht viel schiefgehen kann. Auch wenn eigene Ideen und Überraschungen sehr rar vertreten sind, so weiß dieser absurde Genremix trotzdem gut zu unterhalten. Dafür sorgen auch die Loser Carl und Gaear, welche beide alles andere als Profis sind. Besonders die Entführung von Jean lädt zum Schmunzeln ein, während es mit der Ermordung des State Troopers und der beiden Zivilisten wieder bierernst wird. Während der ständig quasselnde Carl den Haupteil der Arbeit erledigt, so bleibt der stille und finster dreinblickende Gaear ein Unsicherheitsfaktor, auch weil ihn seine kompromisslose Art total undurchsichtig macht.

Währenddessen geht es mit Jerry kontinuierlich bergab, nicht nur Marge ist ihm auf der Spur, sondern auch Wade hat ihm das Geschäft seines Lebens kaputt gemacht und schaltet sich nun auch noch in die Entführung ein. Bei den Charaktere haben die Coen Brüder alles richtig gemacht, doch oft ist "Fargo" schlichtweg zu geschwätzig. Auch Marges Treffen mit ihrem alten Schulkumpan wäre nicht nötig gewesen und manchmal meint man, es ginge handlungstechnisch gar nicht vorwärts. Ein paar Morde die mit Brutalitäten nicht geizen erwarten den Zuschauer, die schönen Schneelandschaften färben sich hier wortwörtlich blutrot, besonders wenn Gaear seine Ausraster hat.
Ein Highlight sind auch die Darsteller, Frances McDormand (Ehefrau von Joel Coen) geht in dieser ungewöhnliche Rolle richtig auf, ihr gehören eindeutig die Sympathien der Zuschauer. Auch William H. Macy (The Cooler, Sahara) gibt den Verlierertypen sehr überzeugend, dessen erdachter Plan zunehmend in die Hose geht. Nebst geben Steve Buscemi (Die Insel, Con Air) und Peter Stormare (8MM. Bad Boys II) ein ungewöhnliches Gespann ab.

Die Schauspieler sind klasse, auch entpuppt sich "Fargo" als ungewöhnlicher Mix aus Krimi und schwarzer Komödie mit einigen blutigen Spitzen. Jedoch verschleppen die Coen Brüder gerne mal das Tempo und den Dialogen mangelt es an Pepp. Auch die Story dürfte einfallsreicher sein, dafür sind es immerhin die Charaktere. Für mich leider zu weit vom gerne betitelten Meisterwerk entfernt, aber dennoch absurd-amüsant.


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