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Rammbock (2010)

Eine Kritik von Hitmanski (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 20.01.2011, seitdem 226 Mal gelesen


RAMMBOCK überrascht. Weniger weil es ein deutsches Filmteam ist, welches sich da mitten in Berlin in ein fremdes und unwirtliches Terrain vorwagt, sondern eher deshalb, weil es der erste ernstzunehmende Infiziertenfilm seit einer halben Ewigkeit ist, der die subversive politische Attitüde der Urgesteine des Genres erkennt und aufgreift, sie aber nicht zur ostentativ ausgestellten Zeitgeistkritik ausbuchstabiert.

Krens Themen sind universeller Natur; die Anonymität und der Egoismus innerhalb seines Mikrokosmos eines der meist behandelten Topoi innerhalb der Auseinandersetzung mit dem Wesen einer Großstadt - ein Punkt, an dem RAMMBOCK letztendlich auch inhaltlich scheitern muss, denn neue Aspekte diskutiert er zu keiner Zeit wirklich.

Man möchte ihm diesen Malus großzügig verzeihen, denn das „Wie“ der Erzählung weiß stets zu beeindrucken: Die Tristesse seiner spärlich ausgeleuchteten Settings überträgt die Trostlosigkeit der Situation und die Ausweglosigkeit der Figuren ohne Katalysator auf das Publikum. So kommt es auch, dass RAMMBOCK immer dann seine stärksten Momente erlebt, wenn er seine Protagonisten schweigen, und die Morbidität der Bilder ganz für sich alleine stehen lässt. Es ist ein Stimmungsfilm, nirgendwo wird dies deutlicher als in der finalen Auflösung der Situation, die eigentlich keine ist. Mozarts „Lacrimosa“ als Credittitle mag in diesem Zusammenhang etwas manipulatives und berechnendes an sich haben, aber es verfehlt seine Wirkung nicht.

Die knappe Laufzeit von 63 Minuten möchte angesichts der unbestrittenen Qualitäten fast enttäuschen, ist letztendlich aber der richtige Schritt gewesen, um die Konzeption des Werks als Momentaufnahme nicht mit dramaturgischen Versatzstücken strecken und die Atmosphäre verwässern zu müssen.

RAMMBOCK ist ein Geheimtipp, der angesichts der breiten Resonanz innerhalb der Internetgemeinde eigentlich so geheim nicht mehr ist - und man möchte Film und Team diesen Erfolg von Herzen gönnen; wohl auch, weil er wirklich eine Art Leuchtturm innerhalb der von Kriminalgeschichten- und Vergangenheitsverwurstungen dominierten deutschen Filmlandschaft ist.


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