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One Hour Photo (2002)

Eine Kritik von Arminowitsch (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 12.01.2003, seitdem 2031 Mal gelesen


Seit dem ich Robin Williams in "Insomnia" gesehen hatte, und dabei feststellen musste, dass er wirklich gut spielen kann (nicht nur so kitschig...), wollte ich auch diesen Film sehen. Er hatte ja im Vorfeld wirklich gute Kritiken bekommen.

Ich muss sagen, es stimmt. Der Film ist wirklich gut. Kurz zum Inhalt: Sy Parish, ein alter, einsamer amerikanischer Fotoentwickler hat sich schon immer sehr für Fotos, ihre Entstehung und ihre Wirkung fasziniert. Deswegen arbeitet er auch sehr gewissenhaft. Doch seine Leidenschaft äußert sich auch darin, dass er seine Kunden durch die Fotos bis aufs Detail studiert, und sich sogar eigene Abzüge ihrer Fotos machen lässt. Die Familie Yorkin hat es ihm besonders angetan, und er "sorgt" sich geradezu um sie, wünscht sich, als Mitglied integriert zu sein.
Doch sein "Glück" hält nicht länger an. Er merkt es unterschwellig bereits, als er an seinem geparkten Auto einen Riss in der Frontscheibe sieht. Seine heimlichen Diebstähle von Fotos fliegen auf, und er wird entlassen. Dazu kommt, dass er eine Familienkrise der Yorkins mitverfolgen muss. Bitterkeit, Einsamkeit und Wut packen Sy...

In äußerst kalt und steril gehaltenen Farben präsentiert sich hier ein leiser, ruhiger Serienkiller-Film, der eigentlich keiner ist. Der Regisseur spielt geschickt mit den Erwartungen des Zuschauers, zeigt viele Dinge nur andeutungsweise, äußerst subtil. Gewalt und Blut kommen so gut wie gar nicht vor, oder extrem künstlich wirkend, trotzdem herrscht eine gewisse Spannung, die vor allem auf das Konto der wirklich gut spielenden Protagonisten, allen voran Williams, geht. Dieser spielt Sy so packend, man bekommt richtig Mitleid mit ihm. Er ist ja schließlich auch kein schlechter Mensch. Er hat nur das Glück nicht gefunden, kann keine eigenen Familienfotos machen, anschauen. Er bedient sich der Harmonie anderer, tut alles, um diese zu erhalten.

Weiterhin wird in "One Hour Photo" auch ein wenig das Arbeiter-Chef-Verhältnis, das soziale System in Frage gestellt. Und der Schein der ständig erzwungen grinsenden Verkäufer-Figuren in amerikanischen Supermärkten, oder der auf den Fotos so harmonisch wirkenden Familien (Man fotografiert ja auch nur die schönen Erinnerungen, oder?). Die psychischen Abgründe, die der Film thematisiert, entstehen zum Großteil im Kopf des Zuschauers, und die vermeintliche "Serienkillerfigur" ist gar keine, sondern vielmehr eine tragische Gestalt, bedauernswert, die zuviel über das Leben anderer weiß und kein eigenes hat. Und doch behandelt der Film die Hintergründe der Psychologie eines John Doe aus Se7en, aber ohne Leichen, Stilisierung und Übertreibung, sondern nachvollziehbar (was übrigens nicht heißt, dass ich Se7en schlecht finde).

Ein kluger kleiner Film, der alles anders kommen lässt, als man erwartet. Nahezu gewaltfrei, aber nicht harmlos. Allein das ist heutzutage sehr selten geworden. 9/10.


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