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One Hour Photo (2002)

Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 31.05.2003, seitdem 863 Mal gelesen


Nach "Insomnia" sollte laut Verpackung "One hour photo" ein weiterer Thriller mit Robin Williams sein, welcher nach seiner albernen Disneyzeit endlich wieder zu seinen schauspielerischen Qualitäten zurückfindet, die er so leider lange nicht mehr gezeigt hat. Problematisch in des aber der Inhalt des Films, denn da ich einen Thriller (wie versprochen) erwartete und ein Drama bekam, war die Enttäuschung herb.

Sy Parrish ist ein alternder Fotoentwickler in einem großen Kaufhauskomplex. Er hat keine Freunde, ist ein Einzelgänger und verbringt seine Abend vor dem Fernseher, sehnt sich aber nach Liebe und Zuneigung, um nicht von einer heilen Familie zu reden. Genau das findet er in der Familie Yorkin, oder besser deren Fotos, von denen er sich jedes Mal seine privaten Abzüge macht, mit denen er seine Zimmerwand tapeziert. Doch als das Familiengefüge der Yorkins zu bröckeln beginnt, erwacht etwas in Sy: Eine Art Wut, dass sie ihr Glück gar nicht zu schätzen wissen, die durch seine Entlassung (wegen genau dieser Abzüge) noch verstärkt werden. Langsam aber sicher schleicht er sich in ihr Familienleben ein, wird liebevoll aber deutlich abgelehnt und bedroht schließlich das Leben des Mannes..

Stylistisch klar trennt der Regisseur klar beide Welten: Während die Bilder der Yorkins klar, farbenprächtig und um freudige Stimmung bemüht sind herrscht bei Sly Tristesse. Seine Welt ist farblos, verwaschen,künstlich, menschenleer und kalt, was besonders im Kaufhaus (oder in seiner bleichen und leeren Wohnung) deutlich wird, wo der blonde Sy in einem weißen Fotoshop arbeitet.

Aus dem anfänglicher Charakterdarstellung eins Loosers, dem nie menschliches Glück wiederfuhr, wird erst spät der geworbene Thriller. Lange und ausführlich beschäftigt sich der Film mit dem einsilbigen,blassen Leben und den Plänen des Protagonisten wie er den Schuldigen bestrafen kann, was auf die Dauer doch etwas zäh wird. Ein überraschend ungewohnt einfaches Ende kann da aber viel wieder wett machen.

Nur dank der oscarreifen Performance Robin Williams schafft der Film bis zum Ende interessant zu bleiben. Der ehemalige Abokomiker mausert sich hier einmal mehr zu einem sehr ernsten, oscarwürdigen Charakterdarsteller, den ich so noch gern viel öfter sehen würde. Der weitere Cast bildet eigentlich nur eine Ergänzung zum Phänomen Williams und rundet das gute Gesamtbild ab.

Fazit:
Kein Thriller, sondern ein Drama mit einem unglaublich guten Robin Williams auf das man sich einlassen muss, auch wenn es ab und an etwas zäh zur Sache geht.


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