Impressionen der Sehenswürdigkeiten von Washington, D.C., ein Telefonanruf. Ur-Buffy Kristy Swanson in der Rolle der Psychologin Dr. Julia Craig ist die einzige Person mit der ein Angeklagter reden möchte. Ein Szenario wie in Das Schweigen der Lämmer baut sich auf, doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ruppiger Kniff eines B-Movie Scripts, oder uninspirierte, durchschnittlich zusammengeschusterte Stangenware für den Videomarkt? Eiskalte Stille bietet von beidem etwas, erinnert daran, daß es nicht nur Blockbuster auf dieser Welt gibt und weiß mit seinem nun folgenden und eher an Der einzige Zeuge erinnernden Plot zumindest den Griff zur Fernbedienung zu unterbinden.
In Kansas gerät das Mädchen Rachel, recht überzeugend verkörpert von Daveigh Chase, als Samara aus The Ring und Samantha aus Donnie Darko keine Unbekannte mehr, durch eine kleine Ungezogenheit in Schwierigkeiten. Sie sollte in einem Parkhaus nicht aus dem Auto steigen. Als sie es doch tut, um ein Kätzchen zu streicheln, wird sie unter einem PKW Zeugin eines Mordes, der Teil einer Verschwörung ist.
Sonderliche Überraschungen bietet Eiskalte Stille dabei nicht. Rachel kommt in Behandlung bei Dr. Craig. Detective Spanks (Vincent Spano) übernimmt die Ermittlungen, bei denen der unsympathische FBI Special Agent Preston (Bruce Boxleitner aus Babylon 5) keine große Hilfe abgibt.
Unterdessen miemt, unser Parkhausmörder, gemäß den Wünschen seines Auftragsgebers die diätversion des Terminator, denn die Hatz richtet sich gen Zeugin und einer vermißten CD. Zwar darf sich Vladimir Kulich (Firestorm, Der 13. Krieger) unter PG-13 Grenzen lange nicht so austoben wie Arnold Schwarzenegger auf der Jagd nach Sarah Connor, aber der B-Movie Bösewicht steht ihm gut. Irgendwie wirkt er dabei wie Matthias Hues mit einem Schuß Klaus Kinski, was Eiskalte Stille deutlich aufwertet.
Mit der verschwörerischen Hintergrundstory hat sich Autor und Regisseur Tom Whitus aber einfach zuviel aufgeladen. Zu sehr durchschaubarer Nebenplot, zu wenig bedrohliche Fädenzieher aus dem Hintergrund, nagen die Figuren mit Unglaubwürdigkeit am Fundament der ansonsten recht solide umgesetzten Haupthandlung. Das nur um nochmal in einem Traum aufgegriffen zu werden eingeschobene Intro im Gefängnis und wenig authentische Statisten auf Polizeiseite tun dem Film dabei auch keinen großen Gefallen.
Dennoch flutscht Eiskalte Stille erstaunlich gleitfähig durch die Sinnesorgane des B-Movie erprobten Zuschauers und haarscharf an einem zusätzlichen Wertungspunkt vorbei. Stets gibt es kleine Wendungen, ein wenig Action oder bestenfalls einen Anflug von Spannung. Wer sich an einer Reißbretthandlung nicht stört, erfreut sich bei einer der regelmäßigen Ausstrahlungen im ZDF an einer gegenüber Schunkelprogrammen deutlich begrüßbareren Anlage der GEZ Gebühren. Hochglanzkino verwöhnte Feingeister brauchen aber nicht einschalten.