Ja, ja die 90er. Sie waren gut, sie waren schlecht, je nach dem wie man es haben will. Für mich gehören die 90er natürlich eher zu den guten Jahren, war es doch das Jahrzehnt, in dem ich meine Jugend verbracht habe. So waren Haddaway, Ace of Base oder Die toten Hosen "meine Musik" und in den Bereichen Film- und Fernsehen gab es auch allerhand Sachen, die mich geprägt haben. Im Nachhinein muss man mittlerweile zugeben, dass doch so einiges, was man früher als Teenie gut fand, doch eher dürftig war, aber so manches Relikt übersteht auch seine Zeit. So auch "Hey Dad!", die kultige Australiencomedy der 90er (zumindest in Deutschland), welche nach der Schule regelrecht Pflicht für mich war. Und auch bei der Wiederentdeckung auf DVD hat die Serie noch ihren ganz eigenen Charme.
Dabei sprüht die Serie inhaltlich jetzt nicht gerade vor Tiefgang. Es geht um den Familienvater Martin Kelly, welcher seine drei Sprößlinge, den Draufgänger Simon, die partyverliebte Debby, sowie das vorlaute Küken Jenny, welches zudem einen nicht ganz unbedenklichen Hang zur Gewalt hat, alleine groß ziehen muss, nachdem seine Frau verstorben ist. Nebenbei muss er sich zudem mit seiner Sekretärin Betty herumschlagen, die nicht gerade die hellste Kerze am Kronleuchter ist, sowie dem verfressenen Nudge, Simons besten Freund. Ein Fundus aus Situationskomik ist garantiert... Und das definitiv, denn auch wenn das ein oder andere Quäntchen Tiefgang hier und da nicht schaden würde, wie so oft bei Sitcoms regiert hier doch hauptsächlich der Spaß und der Wille der Macher, beim Zuschauer gute Laune zu verbreiten. Und das klappt.
Denn die Figuren sind einfach nur wie dafür gemacht um komisch zu wirken, ohne dass sie sich allzu sehr von der Realität entfernen. Sogar eher im Gegenteil. Martin und seine Sippschaft sind keinesfalls sonderlich überzeichnet worden, sondern könnten, in leicht abgemildeter Form, so wirklich unter den Mitmenschen leben. Martin ist der fürsorgliche Familienvater, der sich zwar nicht die Butter vom Brot nehmen lässt, aber eben doch nicht selten einknickt, wenn die Brut etwas von ihm möchte. Und die Brut weiß das auch, weshalb die drei auch nicht selten bei Daddy angedackelt kommen, wenn z. Bsp. mal wieder etwas Geld benötigt wird. Sei es für die stetigen Dates von Simon, neue Klamotten für Debbie oder die Hockeyausrüstung für Jenny. Alles kostet Geld und als allein sorgender Vater ist man dann auch der einzige, der stetig zahlen muss. Dazu kommen die üblichen Teenager-Probleme der beiden großen Kids, und eben Jenny, die ihre Hockeyausrüstung schon gerne einmal zweckentfremdet und auch lieber eine fleischfressende Pflanze denn ein Feilchen im Zimmer stehen hat. Na und wenn Allesfresser Nudge frühmorgends bereits eintrudelt, um vor dem Abend nicht zu gehen, dann liegen Martins Nerven blank.
Und die daraus entstehende Situationskomik ist mitunter wirklich sensationell, wenngleich wirklich große Albernheiten eher außen vor bleiben. Nein, den Machern war es schon wichtig, den Comedybottich nicht mit allzu viel Blödsinn vollzustopfen, sondern sich wirklich auf das leichte Überspitzen einzelner Situationen zu konzentrieren, die man durchaus nachvollziehen kann, weil man das ein oder andere mit seiner Familie auch schon erlebt hat. Zudem gibt es auch immer wieder einmal ein paar leisere Töne, z. Bsp. wenn Jenny in einer Folge ihre Mutter als imaginäre Freundin hat. Doch zum Glück bleiben diese Szenen eher eine kleine Nebenerscheinung und werden nicht zu sehr ausgewalzt. Wie es bei einer Sitcom sein muss ist Spaß die Hauptsache.
Wenn jedoch eine Figur Hang zum Blödsinn hat, dann ist es Betty, Martins Sekretärin. Denn diese darf man dann schon, mit Verlaub, als Strohdoof bezeichnen, was auch grundsätzlich dazu führt, dass Martin seinen, mitunter beissenden, Spott an ihr durchführt, den sie aber meistens auch nicht versteht. Doch auch wenn man sich fragt, weshalb Martin überhaupt an dieser Person festhält, schließlich braucht sie alleine um einen Brief zu tippen eine ganze Tube an Tipp-Ex, so hat auch diese Figur ihre ganz eigene Sympathie, so dass man sie sich aus der Serie einfach nicht wegdenken kann. Und na ja, irgendwann tut sie einem dann auch mal, in all ihrer Dusseligkeit, leid.
Ansonsten spielt sich die Serie jedoch in einem sehr eingeschränkten Rahmen ab. Zum Beispiel spielen die Episoden (bis auf ein paar wenige Ausnahmen) grundsätzlich im Haus der Kellys, zumeist in Küche, Wohnzimmer und Büro. Nur selten sind mal die Zimmer der Kinder zu sehen oder eine andere Location, wie vielleicht mal die Garage. Sprich nahezu alle Situationen, die sich irgendwie außer Haus abspielen, werden nur im Nachgang erzählt, was jedoch des öfteren trotzdem gut gelöst wird. Zudem sind auch weitere Figuren eher Mangelware. Vor allem in den ersten Staffeln, gibt es nur äußerst selten irgendwelche Gastfiguren. Da ist mal die Mutter von Martin da, mal der Freund von Betty und in der ersten Staffel zudem die Polizistin Anne, welche mit Martin kurzzeitig ein Verhältnis hat. Aber sonst ist lange Ebbe, bis zu einem späteren Zeitpunkt noch ein Kumpel von Jenny, sowie die Cousine Samantha mit in die Serie eingefügt werden. Der schmale Rahmen bleibt jedoch erhalten, was sich manchmal durchaus als störend, meist aber halt doch als passende Entscheidung herausstellt.
Und auch die Darsteller fügen viel zum gelingen des Ganzen bei. Robert Hughes hat in Martin Kelly seine Paraderolle gefunden, welche er bis zum Ende der 12. Staffel beibehielt und mit Bravour ausfüllte. Dazu Sarah Monahan, Simone Buchanan und Christopher Mayer als Rasselbande, wenngleich Mayer erst ab Staffel 2 Simon verkörperte. Der größte Star jedoch ist Julie McGregor, welche auch als einzige einen Preis für ihre Verkörperung ihrer Rolle, der matschbirnigen Betty, erhielt. Aber so herrlich wie McGregor das bekloppte Huhn darstellt, hätte es wohl auch niemand sonst gekonnt. Und wenn dann mal ein paar Gäste da sind, in zwei Episoden aus Staffel 4 sogar Naomy Watts, dann können auch diese überzeugen.
Fazit: Ein Quotenrenner der ARD in den 90ern, nachdem dann das Vorabendprogramm des Senderriesens nie wieder so erfolgreich war, wie zu dieser Zeit. Und das zurecht, ist die australische Sitcom doch wirklich ein Prachtstück in Sachen leicht verdaulicher Vorabendunterhaltung, welches nicht nur mit seinem passenden Humor glänzt, sondern auch mit seinen Figuren und eben den dadurch entstehenden, nicht gerade realitätsfernen, Situationen zu punkten weiß. Auch wenn die ganz großen Meisterstücke in Sachen Sitcom nicht ganz erreicht werden und heutzutage sicher auch schon einiger Staub auf der Serie liegt, wer sich mal wieder in die Zeit der guten Vorabendunterhaltung zurückversetzen möchte, der macht mit "Hey Dad!" definitiv nichts falsch.
Wertung: 8/10 Punkte