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Die Karriere des Jean-Claude van Damme ließ sich jeher mit der Gute Zeiten, schlechte Zeiten-Melodie bepfeifen. Das anteilige Verhältnis hängt jedoch gemeinhin von der Fantreue ab. So richtet sich die allgemeine Rezeption dann auch danach, wie sehr man einen Van Damme-Film wider aller Fehler und/oder unfreiwillig komischen Eskapaden noch schätzen kann.
Mit stählerner Faust macht es dabei auch hartgesottenen Anhängern nicht einfach ihrem Idol die Stange zu halten. Der Film möchte eine ganze Menge und stolpert dabei über die eigenen Füße. Dabei muß man von der ersten Minute akzeptieren in einem Actionfilm mit eigenen Gesetzen gelandet zu sein, die dazu tendieren eine nahezu surreale Traumwelt zu erzeugen.

Van Damme gibt den Helden Louis Burke. Als solcher macht er überzogen spielerisch ein paar Straßengangster nieder, um sich schließlich seinem Hauptziel, dem Sandmann (Patrick Kilpatrick), zu widmen. Monate später marschiert er überlegen grinsend durch das Polizeirevier, erhält schließlich den Auftrag zwielichtige Vorgänge in einem Gefängnis zu klären und startet in die Mission.
Der Knast bietet einen bunten Blumenstrauß der Klischees. Harte Aufseher und Rassenkonflikte zwischen den finster dreinblickenden Gästen. Irgendwie muß es ja auch Verdachtsmomente geben, wie sich die Todesfälle in dieser Anstalt häufen konnten. Nur leider spielt Mit stählerner Faust seine Finten ungeschickt aus. Unbeholfen versucht sich Van Damme mit einem Sinn für Gerechtigkeit und unglaubwürdiger Überlegenheit Freunde unter den Gefangenen und Informationen zu verschaffen. Das Drehbuch weiß sich jedoch nur mit immer neuen Charakteren zu behelfen, die mit einem scheinbar unantastbaren Häftling, der über Telefon, Beziehungen und seinen eigenen Harem verfügt, sowie einen seltsam Verrückten aus dem medizinischen Bereich, welcher gegen Geld Betäubungsmittel verschreibt und Überschüsse aus dem Gefängnis schmuggelt, zwar für allgemeine Verwirrung sorgt, der Geschichte jedoch nicht die nötige Substanz gibt.
Ein Nebenplot um Van Dammes Kontaktperson Amanda Beckett (Cynthia Gibb) steigert gemeinhin nur die Schwammigkeit des Plots, jedoch nicht die Spannung. Der Auftritt taugt somit vornehmlich für Ausdehnung der knappen Spielzeit. Ihre Aufgabe besteht im Hauptteil aus Handlangertätigkeiten, die aus Geldschmuggel und Informationsbeschaffung z.B. über einen pubertären Hacker bestehen, welcher sich als gewollt komische Einlage mit Amanda sexuell zu entfalten wünscht.

Apropos Spannung, was soll das eigentlich sein, ein Thriller? Mit stählerner Faust macht spärlichen Gebrauch von Jean-Claude van Dammes kämpferischen Fähigkeiten, zu selten und wenig exzessiv. Der Rahmen allerdings ist so unspektakulär, daß man eine Sehnsucht nach zünftigem Gedresche entwickelt. Zwar gelingt es zum Ende einige Stränge des Plots zu einer Erklärung zu verweben und sogar die so offensichtlich abgegrenzte Einleitung erhält ihren unvermeidlichen Zweck, doch Begeisterungsstürme kann man einem regelmäßigen Filmkonsumenten damit nicht entlocken. Auch der Showdown gibt getreu dem Motto des Films wenig her, sondern fordert einem Stuntman gerade einmal Grundkenntnisse ab.
Ohne Frage, wer sich einen Film des muskelbepackten Belgiers ansieht, legt keinen unbedingten Anspruch auf ausgefeilte Handlung. Dafür würde sich der Fan über eine Menge wahlweise sinnlose Action freuen, die erforderlich gewesen wäre, diese Stringenzchaos aufzuwerten. Pustekuchen also von beiden Seiten.
Mit stählerner Faust eignet sich wirklich nur für Fanatiker und Komplettisten.

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