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Blast Killer (1989)

Eine Kritik von Apollon (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 15.08.2004, seitdem 484 Mal gelesen


Hollywood zähmte John Woo, den einstigen Starregisseur des Hongkong-Kinos. "The Killer" ist einer der Höhepunkte jener vergangenen Tage, ein Actionfilm mit verblüffend künstlerischer Ästhetik und inhaltlich bemerkenswert fülligem Gewand.

Nicht selten wird im Hongkong-Kino für die Geschichten auf bewährte, konträre Motive wie etwa Verrat und Loyalität zurückgegriffen. Gleiches gilt für den Profikiller als im Mittelpunkt stehende Figur. Chow Yun-Fat nimmt diese Rolle ein. Offenbar gelassen und mit höchster Präzision erledigt er seine Aufträge - ein äußeres Auftreten, wie man es erwartet. John Woo geht jedoch weiter und verleiht seinem Hauptcharakter ungewöhnliche Tiefe. Jeffrey befindet sich in einem innerlichen Prozess, durch den langsam aber sicher warmherzige Gefühle die äußerlich harte und kalte Schale durchbrechen. Doch bis zur Vollendung der Metamorphose gilt es für ihn noch eine harte Prüfung zu bestehen.

Jeffrey, der als Profikiller zum tragischen Helden wird, ist jedoch nur ein Beispiel für die vielschichtigen Charakterdarstellungen. Eine simple Klassifizierung in Gut und Böse gibt es hier nur selten. So etwa wird die mentale Verbrüderung Jeffreys zu seinem Gleichgesinnten Sydney auf die Probe gestellt. Aus dem Freund wird scheinbar ein Feind, aus dem Feind wiederum ein Freund. Auch im Inneren von Inspektor Li vollzieht sich eine Wandlung. Aus heimlicher Bewunderung für den Gegner entsteht eine ehrliche Freundschaft. Letztlich stehen über allem wie so häufig fernöstliche Werte- und Moralvorstellungen, die gerade in der westlichen Welt eine erstaunliche Faszination ausüben können.

John Woos "The Killer" ist mit Sicherheit auch ein Drahtseilakt zwischen knallhartem Actionfilm und zwischenmenschlicher Tragik. In den Shoot-Outs wird die Realität überbrückt und vielmehr eine neue Welt von blutiger und beinahe poetisch-sinnlicher Action erschaffen. Weiße, Woo-typische Tauben flattern durchs Bild und stehen mit ihrer Friedenssymbolik vollkommen im Gegensatz zum gezeigten Geschehen, in dem in einem Gotteshaus in ästhetischen Zeitlupensequenzen Menschen von den Kugeln der beidhändig Schießenden durchtränkt werden. Eine gute Choreographie und reichlich blutige Einschüsse werden zu Markenzeichen der opernhaft-anmutigen Gewalt. Dass dies natürlich exorbitante Ausmaße annimmt, wird für Woo scheinbar zur Selbstverständlichkeit.

Auch wenn die Geschichte augenscheinlich nur Altbewährtes erzählt und auf traditionelle Motive zurückgreift, so taucht sie für diese Genregefilde allerdings in ungewöhnliche Tiefen ab. Passend zur teilweise vorhandenen Theatralik inszenierte John Woo handwerklich überdurchschnittliche Actionsequenzen mit selten gesehenem Feingefühl - zweifelsohne ein Highlight des actiongeladenen Hongkong-Kinos.


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