Rage als Verb, das bedeutet so viel wie tosen, rasen, wüten oder toben. Ausgetobt haben sich P.M. Entertainment und der Hauptdarsteller Gary Daniels, der sich erstmals auch an einer Produktion beteiligt, wörtlich. Man erzählt die kurze Geschichte vom Wolf im Schafspelz. Der Grundschullehrer Alex wird kurzerhand als Geisel genommen und soll einem Spießgesellen mit seinem Auto unter vogehaltener Waffe zur Flucht verhelfen. Weit kommen sie nicht, dann sind die Bullen zur Stelle, doch anstatt zu helfen findet sich Alex als Versuchskaninchen eines der unzähligen streng geheimen Experimente vor, die in der Filmindustrie so gern dokumentiert werden.
Kaum auf dem Operationstisch, da sammelt Alex auch schon seine Kräfte, um zu einem ersten Schlag anzusetzen und das Labor bei seiner Flucht in Schutt und Asche zu legen. Bei einer unfallstrotzden Verfolgungsjagd in einem Truck zerschrotet er manch Polizeiauto in gleißender Explosion und zerledert nebenher auch andere Schwergewichte, verläßt schließlich kurz vor dem frontalen Zusammenprall mit einem Schulbus fliegenderweise das Führerhaus, um seinen Weg zu Fuß fortzusetzen.
Speed Rage geizt nicht mit unterschiedlichsten Kulissen. Ob im Heim eines S/M Pärchens, an der Fassade eines Hochhauses oder im Karussell einer Mall, überall findet sich die Gelegenheit schier übermenschliche Stunts zu inszenieren und jede Menge Explosionen anzubringen, Glas zu zerdeppern und kistenweise Schüsse abzufeuern. Wer seine Ansprüche ohnehin nicht höher legt, wird lächelnd darüber, daß schon weit tiefgründigere Werke als stupides Actionkino verrissen wurden, seine helle Freude daran haben.
Abgesehen von einigen Logikfehlern, die in schon vor dem Zusammenprall spektakulär explodierenden Polizeiwagen einen Höhepunkt finden, hat die mit sehr knapper Zeit ausgestattete Storyabteilung jedoch auch etwas mit ungünstigen Schnitten zu kämpfen, die es in der sich nahezu überschlagenden Einleitung schwer machen, eine Motivation für die Hauptfigur zu finden. Erst später wird seine ohnehin erstaunliche Physis durch einen kurz vorgestellten Kampfkunstlehrer erklärt, der jedoch in der Geschichte gar keinen Belang hat. Ein halbherziger Nebenplot um einen Reporter dritter Wahl, der schließlich Alex' Amoklauf vor der Öffentlichkeit rechtfertigen und einen öffentlichen Schutzschild um die von der um Geheimhaltung bemühten Organisation gewährt, dient mehr als Atempause, als wirklich eine Entwicklung zu begünstigen. Eher noch tragen auch diese Abschnitte kleine Actioneinlagen auf ihrem Rücken.
Im für den Videomarkt damals üblichen Vollbild geht natürlich ohnehin viel der Ästhetik einer Kinoproduktion in Scope verloren, doch man vermißt nicht nur akribische Bildkomposition. Die Kamera in Speed Rage interessiert sich für den einzigen Sinn und Zweck der Operation. Da wo es knallt und rummst, da wird draufgehalten. Man spürt keine tiefere Neugierde für Details der Motive und so bleibt es den erdrückend hervorstechenden Spezieleffekten, einige Ahs und Ohs einzuheimsen. Für den Cineasten und Actionfan ist diese eine Engelchen-/Teufelchensituation. Ganz platt auf der Couch mit auf bloße Existenz heruntergefahrenem Metabolismus kann Gary Daniels in einer atemberaubenden One-Man-Show überzeugen, die so rasant Actionszenen aufeinander folgen läßt, daß man garantiert nicht einschlummert. Sobald jedoch das Gehirn stärker durchblutet wird, wünscht man sich schnell eine versiertere Feder herbei, die für ein wenig Abrundung der Geschichte sorgt.