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Virgin Suicides - Verlorene Jugend, The (1999)
Eine Kritik von Tool (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 27.01.2003, seitdem 606 Mal gelesen
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Dieses Sprichwort trifft auch auf die Familie Coppola zu, denn nicht nur Francis Ford ging zum Film und bescherte uns Meisterwerke wie „Die Pate“-Trilogie oder „Apocalypse Now“. Nein, auch dessen Tochter Sofia entdeckte schnell ihre Leidenschaft als Regisseurin, der er schließlich auch freien Lauf ließ und somit kürzlich mit „The Virgin Suicides“ für Aufregung sorgte.
Dieser Film kann schwer beschrieben werden, kommt doch teilweise etwas die Atmosphäre eines Teenie-Films herüber, andererseits jedoch offenbart sich in ihm ein sehr schwarzhumorigen, aber – oder gerade deswegen – auch sozial-kritischen Streifen, der es in Frage stellt, ob Eltern ihre Kinder wirklich daheim verschließen sollten, nur damit ihnen nichts geschieht. Alles spielt in den 70ern und handelt hauptsächlich von den Lisbon-Schwestern, 5 an der Zahl. Dort wären Cecilia, die jüngste im Bunde, Lux, Bonnie, Mary und Therese, die in der Kleinstadt, in der sie wohnen, allesamt als recht hübsch gelten und der Traum vieler Männer sind. Ein großes Manko haben sie jedoch: sie leiden unter ihren überaus strengen Eltern, die ihnen stets untersagen, auf irgendwelche Partys zu gehen. Nur als der Frauenschwarm der Schule (Josh Hartnett) bei Lux anklopft, weil er mit ihr weggehen möchte, entpuppt sich der Familienvater (James Woods) sogar als ganz liebenswürdig, da er seiner Tochter gestattet, einen Abend abseits des Hauses zu verbringen. Und noch besser: die anderen Schwestern dürfen auch alle mitkommen, jede in Begleitung eines Freundes des Frauenschwarms. Als sich Lux jedoch nicht an die familiären Abmachungen hält und erst am nächsten Morgen nach Hause kommt, ist das erst der Anfang vom schrecklichen Ende.
Das zu Beginn erwähnte Sprichwort trifft gleich noch mal auf eine Tatsache zu. Und zwar auf diese, dass auch die Qualität der Filme, bei denen jemand aus dem Hause Coppola die Finger mit ihm spielt hat, ziemlich hoch anzusiedeln ist, auch bei Sofia. Denn mit „The Virgin Suicides“ hat sie einen Film geschaffen, der gleichzeitig unterhaltsam wie schockierend ist und zusätzlich noch zu Denken anregt, wobei das Ganze eher ein Lehrfilm für die Eltern ist als einer für deren Kinder. Schauspielerisch gibt’s Nichts zu beklagen, auch handwerklich ist alles einwandfrei. Der Soundtrack wirkt sehr eindringlich und melancholisch, kein Wunder, stellt die Band „Air“ doch die instrumentale Variante ihres Lieds „Playground Love“ zur Filmmusik. Die Tatsache, dass eine derartige Musikuntermalung gewählt wurde, macht „The Virgin Suicides“ garantiert nicht zur jedermanns Sache, denn die Regisseurin hat anscheinend einen Hang zur langsamen, bedächtigen Bilderfolge und verbreitet nicht den Hauch irgendwelcher Hektik. So solls auch sein, wer aber meint, irgendwelche Szenen zu sehen, in denen aufgedrehte Teenager dumm herumkreischen und durchs Bild hüpfen, liegt hier völlig falsch, da es sich zwar teilweise um einen Teenie-Film handelt, aber nicht in der Art eines „American Pie“ oder „Harte Jungs“. Vielmehr wird bei „The Virgin Suicides“ anspruchsvolle Unterhaltung geboten, die zwar Spaß macht, aber andererseits auch sehr deprimiert.
Macht Sofia Coppola da weiter, wo sie bei diesem Film aufgehört hat, wird aus ihr noch mal eine ganz große Regisseurin, die in der Lage ist, jeden Zuschauer, der sich das über sich ergehen lassen möchte, mit ihrer Aussage und der Art der Inszenierung zu packen und zu ergreifen. Mit „The Virgin Suicides“ gelang ihr ein grandioser Film, der nicht nur Hoffnung auf mehr macht, sondern jetzt schon völlig überzeugen kann. Großartig! 8,5/10 Punkte
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