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Minority Report (2002)

Eine Kritik von Apollon (Bewertung des Films: 4/10)
eingetragen am 13.02.2003, seitdem 471 Mal gelesen


So langsam habe ich mich persönlich an Steven Spielbergs Kommerzfilmen satt gesehen. "Minority Report" ist eher ein Reinfall, der mitunter auch Dank Tom Cruise Philip K. Dicks durchaus gute Vorlage verreißt.

In der Grundthematik steht das Department of Precrime, dessen Polizisten Menschen für einen zukünftigen Mord verhaften. An sich ein sehr interessantes Thema, das sich um das Schicksal mit Einbezug der moralischen Hinterfragung dreht. Auch die Precogs, Hellseher, die wie Tiere in einer Nährflüssigkeit leben, bieten als ausgenutzte Objekte mehr als genug Gesprächs- und Gedankenstoff. Doch statt eifrig solch gerichteten Fragen nachzugehen, beschäftigt sich der Film damit nur viel zu oberflächlich, weil Tom Cruise es einmal mehr wieder schafft, dass sich die Handlung völlig auf seine Person konzentriert. Er muss scheinbar magnetische Fähigkeiten besitzen, denn "Minority Report" ist einer der so genannten "Cruise-Filme". Seine Person ist schon fast mit einem schwarzen Loch zu vergleichen, dass hier auf den gesamten Film bezogen handlungstechnische Materie anzieht und gnadenlos einsaugt. Alles wirklich Interessante ist wie vom Erdboden verschluckt, sodass nur noch die gähnende Geschichte um Cruise' Figur erhalten bleibt.

Der von heftigen Spannungslöchern zerbohrte weitere Verlauf ist viel zu langatmig geraten, sodass auftretende Langeweile im Endeffekt überhaupt kein Wunder ist. Des weiteren ist dieses Spielberg-Werk auch wieder eine bis an den obersten Rand vollgestopfte Klischeekiste. Die Einbringung des Familienkitsches will doch niemand wirklich sehen und dann das in der Vergangenheit auf tragische Weise verlorene Kind des Hauptprotagonisten - Mein Gott, wie oft gab es das schon! Eine nervende Pflanzen-Apostel-Oma sowie zahlreiche Unglaubwürdigkeiten drücken das Gesamtbild weiter; ganz zu schweigen erst von den vielen storytechnischen Ungereimtheiten. Eine Augenoperationen, bei der die Augäpfel von einem Pferdedoktor vollständig entfernt und durch andere ersetzt werden, ist trotz der futuristischen Umstände des Guten deutlich zu viel, auch wenn einige Einfälle wie die Spiders, kleine hochintelligente spinnenartige Überwachungsroboter, gefallen können.

Immerhin kann Spielberg im Bereich der Inszenierung noch einiges an Boden gut machen. Die virtuellen und durchgestylten Bilder schaffen eine angemessen futuristische Atmosphäre, die durch den Einsatz von scheinbar zum Teil verwendeten abdunkelnden Filtern intensiviert wird. Allerdings hinterlässt das Ganze auch eine ziemlich künstliche und sterile Wirkung, die in den Augen des Publikums auf unterschiedliches Feedback stoßen wird. Die hingegen penetrante Zukunftsverspieltheit überzeugt nicht auf ganzer Linie. Die teilweise vertikal fahrenden Hightech-Autos beeindrucken in ihrem Aussehen kaum. Zahlreiche Effektspielereien sind zwar technisch hochwertig, versetzten mich persönlich aber ebenfalls nicht ins Staunen. Und ob die Klassik hier als ab und zu zuhörende musikalische Untermalung dem filmischen Design entsprechend die beste Wahl war, ist auch mehr als fraglich.

Der gute Steven Spielberg ist statt der Schaffung eines neuen Krachers dieses noch jungen Jahrhunderts mit "Minority Report" eher ins Fettnäpfchen getreten. Nicht zuletzt ist auch die Besetzung des nicht unbedingt schlecht spielenden Tom Cruise in der Hauptrolle, dessen anziehende Wirkung den Spielraum und das Aufleben anderer Charaktere gänzlich terminiert, ein Grund für die Repression der eigentlichen Thematik. (Noch 4/10 Punkten)


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