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Rock - Fels der Entscheidung, The (1996)

Eine Kritik von Moonshade (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 03.05.2002, seitdem 1661 Mal gelesen


Intelligente Actionunterhaltung ist selten und gerade deswegen ist "The Rock" so wertvoll.
Stramm inszenierte Action wechselt sich hier ab mit rasantem, pulstreibendem (aber nicht außer Kontrolle geratenen) Schnitt und interessanten Charakteren samt flüssig erzählter Geschichte, die ganz in Tradition zwar nicht immer die Logik hochhält, aber nie so abstrus gerät, daß man verärgert abwinken möchte.

Dabei setzt Michael Bay in seinem Big Budget-Debut nicht auf einen, sondern auf mehrere Handlungsstränge, die das Interesse an der Handlung potenzieren, anstatt es zu halbieren.

Für die Exposition nimmt sich der Film extrem viel Zeit dabei, wenn die das Giftgas erst von desertierenden Truppe General Hummels gestohlen wird, um dann auf Alcatraz Geiseln zu nehmen und ein Lösegeld für Kriegsopfer zu erpressen, die das Militär vergessen hat.
Allein diese Doppelbödigkeit ist eine erfreuliche Erweiterung zum Gut/Böse-Schema, dem das Genre so verhaftet ist. Hummels Motive sind durchaus ehrenhaft, doch seine Mittel trotz alledem falsch. Dies macht ihn zum tragischen Bösen (wenn man ihn überhaupt so nennen will), der am Ende gewollt scheitert.

Auf der Gegenseite präsentiert sich uns Nicholas Cage als Sprengstoffspezi endlich mal in einer ihm passenden Rolle, zwar schablonenhaft, aber nicht fehlbesetzt, wenn er ohne es zu wollen oder zu können, in die Angreiferrolle gesteckt wird.
Wir sind schon recht weit im Film, wenn uns endlich Connery präsentiert wird, der als Abbe-Faria-Verschnitt aus der Vergessenheit seiner Zelle geholt wird, weil nur er einen Geheimweg nach Alcatraz kennt.

Natürlich ist das weit hergeholt, doch allein Connerys unheimliche Präsenz (sei es nun mit langen oder kurzen Haaren) macht die Unlogik wieder wett, ein Vorteil, den "Con Air" zum Beispiel nicht in einem Charakter vorweisen kann. Zusätzliche Komplikationen entstehen durch die Tatsache, daß er revolutionäre Dokumente versteckt hat (hallo, Schlußgag!), eine nur einmal gesehene Tochter besitzt und gleich einen Ausbruchsversuch unternimmt, der sich gewaschen hat.
Das führt zum ersten richtig großen, wenn auch leicht aufgeblasenen Action-Piece, der auf wunderbare Weise niemanden zu Schaden kommen läßt. Die zweite Hälfte ist dem Rettungskommando-Unternehmen gewidmet, dem sich Connery und Cage zwangsläufig anschließen müssen und von dem außer den beiden natürlich genregemäß niemand überlebt.

Leider ist gerade dieser Handlungskniff eine der schwächsten Sequenzen, wenn der Gruppenführer (ein agressiver Michael Biehn) schon überwältigt und ohne Deckung für sich und seine Männer nicht die Waffen strecken will. Der Rest vom Fest ist pfundiger Einzelkampf, allerdings immer charakter- und altersgemäß (Connery joggt halt nicht mehr so schnell). Da aber eine komplette Rettung außer Frage steht, muß sich die Terror/Söldnergruppe noch in sich zerstreiten, um schließlich den großen Showdown einzuleiten.

Daß Ed Harris Hummel (eine nuancierte Darstellung) kein echter Killer ist, konnte man sich eigentlich denken, doch die Szenen rund um den Abschuß der ersten Rakete sind trotzdem adrenalinfördernd, ebenso wie das finale Shootout zwischen den Soldaten. Daß es auch zwischendurch noch Härte setzt, beweisen kleine Einzelgefechte, in denen Connery Genicke bricht und Messer in Kehlen schleudert, wahrlich von angebrachter Härte. Der finale Kampf von Cage mitten im bereits laufenden Flugzeugangriff sorgt für das nötige Herzschlagfinale, auch wenn nicht ganz klar wird, warum er beim Abschuß nicht pulverisiert wird.

Seinen Reiz bezieht der Film durch seine vielen Ebenen, denn auch das Militär und die Regierung verfolgt den eigenen Plan, ebenso wie Connery und Cage private Interessen haben. Alcatraz gestaltet sich zu einem rasant interessanten Spielort, komplett mit düster-nassen Tunneln und sogar einer Indiana-Jones-ähnlichen Lorenfahrt.
Im Anschluß verlor Bay jedoch den Gehalt eines Films aus den Augen und präsentierte inhaltlich leeres, komplett retortenhaft gezogenes Augenkino in "Armageddon". Hier jedoch findet er genau die richtige Mischung, um jegliches Kopfschütteln über etwaige Lächerlichkeiten durch die innere Spannung der Story zu überdecken und Interesse für die überraschend gut geschriebenen Charaktere zu erwecken. Immer wieder: 9/10.


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