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Als Paul W.S. Anderson ankündigte sich den bereits vielfach - und teilweise durchaus grandios - verfilmten Klassikerstoff "Die drei Musketiere" vornehmen zu wollen, verursachte dies allerorten mehr Fatalismus denn Enthusiasmus. Eine gesunde Skepsis war durchaus angebracht, hatte sich doch Anderson bis dato nur durch krude Science Fiction-Reißer (Event Horizon, Alien vs. Predator) und mediokre Computerspielverfilmungen (Mortal Combat, Resident Evil) hervorgetan. Während in Andersons Oeuvre also bisher vor allem Grobmotorik, Stumpfsinn und Plumpheit dominierten, ist das Mantel-und-Degen-Kino seit jeher berühmt und beliebt für Eleganz, Esprit und Leichtigkeit. Ein Widerspruch den es galt aufzulösen, wenn die x-te Verfilmung von Alexandre Dumas bekanntestem Roman überhaupt eine Daseinsberechtigung haben sollte.  

Und Anderson hatte sich offenbar einiges vorgenommen. Nichts weniger als eine poppige Revitalisierung des einstigen Aushängeschilds des Abenteuergenres sollte es sein, schließlich hat ja auch die Fluch der Karibik-Reihe den ebenfalls ordentlich angestaubten Piratenfilm fulminant in die Moderne katapultiert. Das Rezept dabei scheint verlockend simpel. Man nehme eine Prise der klassischen Zutaten, würze diese mit etwas Ironie und Respektlosigkeit und füge eine ordentliche Portion Fantasy hinzu. Dank eines stattlichen Budgets darf auch richtig geklotzt werden, sei es bei der pompösen Ausstattung oder den anspruchsvollen Rechenaufgaben für den Computer. Fertig ist der globale Sommer-Blockbuster.

Tja, ein Rezept kann jeder lesen, aber für ein wirklich schmackhaftes Menu braucht es vor allem einen begnadeten Koch. Und da ist Anderson leider noch in der Lernphase. Anfangs macht er immerhin noch vieles richtig.
Bei der ebenso tempo- wie actionreichen Exposition werden die drei Titelhelden Athos (Matthew MacFayden), Portos (Ray Stevenson) und Aramis (Luke Evans) kurz und knackig eingeführt. Mit einer äußerst effizienten Kombination aus Schnelligkeit, Überraschung und Gewalt dringen sie in eine venezianische Schatzkammer ein und entwenden Leonardo DaVincis Pläne für eine fliegende Kriegsmaschine. Unterstützt werden sie dabei von Athos Geliebter Lady deWinter (Milla Jovovich), die nach getaner Arbeit plötzlich die Seiten wechselt und die Pläne Frankreichs Erzfeind England in Person des Duke of Buckingham (Orlando Bloom) zuspielt.
Auch die übrigen Protagonisten lernt man durch ein paar kurzweilige Pinselstriche kennen. Der jugendliche Draufgänger D´Artagnan (Logan Lerman) nimmt den Abschiedsrat seines Vaters („Mache Fehler!") etwas zu wörtlich und macht sich binnen kürzester Zeit Rocheford (Mads Michelsen) - die rechte Hand Kardinal Richelieus (Christoph Waltz) - sowie Athos, Portos und Aramis zu Feinden. Der intrigante Richelieu plant unterdessen sein Land in einen Krieg mit England zu treiben, um den jugendlichen König Louis XIII. endgültig auszuschalten und die Macht in Frankreich offiziell zu übernehmen.

Soweit bleibt der Film noch relativ eng an der literarischen Vorlage, die Dank ihres sattsamen Bekanntheitsgrades den Vorteil mit sich bringt auch bei schlaglichtartiger Beleuchtung noch problemlos zu funktionieren. Die peppige erste Hälfte wird dann schließlich abgerundet durch ein nett choreographiertes und schneidiges Scharmützel zwischen D´Artagnan und seinen drei berüchtigten Duellpartnern auf der einen sowie einer Übermacht der Kardinalsgarde auf der anderen Seite. Nachdem Richelieus Schergen spektakulär in die Flucht geschlagen wurden, hat D´Artagnan drei neue Freunde gefunden, die nach der desillusionierenden Stilllegung des Musketierkorps aus ihrer Depression erwacht und frisch motiviert sind, dem heimlichen Herrscher Frankreichs Paroli zu bieten.

Leider veraschiedet sich Anderson nun so abrupt wie vollständig von Dumas Originalplot und fährt seine Fantasygeschütze auf. Dabei feuert er aus allen CGI-Rohren und pulverisiert so den gelungenen Beginn in einer trashigen Effekt-Orgie. Lord Buckingham hat nämlich die erbeuteten Pläne umsetzen lassen und landend krachend mit einem riesigen Segel-Luftschiff im Schlossgarten des französischen Königs. Den protzigen Höhepunkt bildet schließlich eine Luftschlacht, bei der sich zwei riesige Ballon-Segler in bester Fluch der Karibik-Manier gegenseitig die Planken zerschießen und zu allem Überfluss auch noch auf dem Dach Notre Dams notlanden. Da sieht dann genauso überkandidelt und lächerlich aus wie es sich anhört.

Die Darsteller bemühen sich unterdessen redlich in dem langsam abschmierenden Spektakel noch einigermaßen Akzente zu setzen. Gelingen tut dies lediglich den Musketierdarstellern Luke Evans, Matthew MacFayden und Ray Stevenson die immer wieder für etwas trockenen Witz, ironsche Brechung und launige Lässigkeit im zunehmend unübersichtlichen Actionkarussell ihres Regisseurs sorgen. Auch Andersons Gattin Milla Jovovich macht überraschenderweise gar keine so schlechte Figur als durchtriebene Lady de Winter. Logan Lerman dagegen bleibt erschreckend blass. Sein Milchbubicharme und die eindeutig an moderner Jugendsprache orientierten Sprüche passen so gar nicht zur Figur des draufgängerischen Fechtkünstlers D´Artagnan. Aber auch der mimisch erheblich begabtere Christoph Waltz hat keine bessere Idee, als erneut in den bewährten Hans Landa-Modus zu schalten und wirkt daher wie auf Autopilot.

Schade auch, dass Anderson es nicht versteht aus den phantastischen Schauplätzen mehr Kapital zu schlagen. Die Würzburger Residenz, die Alte Hofhaltung und Altstadt Bambergs sowie die Münchner Residenz samt Antiquarium und Hofgarten werden brav abgefilmt bzw. inspirationslos ins Bild geknallt. Man kann nur erahnen, was ein begabterer Regisseur aus solch wunderbaren Realkulissen hätte herausholen können. Zudem ist die Verknüpfung der bayerischen Originalbauten mit dem computergenerierten Paris wenig überzeugend. Das sieht alles mehr nach Konsolenspiel als nach authentischer Stadtkulisse aus.
Wenigstens ist der 3D-Effekt diesmal keine Mogelpackung. Wie schon beim letzten Resident Evil-Ableger drehte Anderson mit echten 3D-Kameras und verfiel nicht auf die inzwischen ebenso verbreitete wie ärgerliche Unsitte, seinen Film nachträglich zu konvertieren. Daher gibt es endlich mal wieder so etwas wie Räumlichkeit zu bewundern, anstatt der sonst üblichen Pappaufstelleroptik.

Am Ende sitzt man mit deutlich gemischten Gefühlen im Kinosessel. Für eine geglückte Wiederbelebung des berühmten Stoffes hätte es der Hand eines filigranen Künstlers bedurft, der es versteht altbewährte Genremuster und moderne filmische Stilmittel zu einer homogenen Einheit zu formen. Paul W.S. Anderson ist lediglich ein grober Handwerker der beides nebeneinander stellt und hofft, dass es sich irgendwie verbindet. Dass es dennoch gehen könnte beweist die erste Filmhälfte und ein durchgängig hohes Tempo. Für die fest geplante Fortsetzung gibt es damit neben der nach wie vor mehr als berechtigten Skepsis zumindest einen Hoffnungsschimmer. Ohnehin ist ein scheinbar aussichtsloser Kampf zumindest für die (vier) Musketiere erst recht ein Ansporn.

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