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Tatort: Undercover Camping (1997)

Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 24.04.2002, seitdem 232 Mal gelesen


„Undercover Camping“ ist sicher ein Tatort Highlight, da sich der Film und die Hauptdarsteller sich hier selbst nicht sonderlich ernst nehmen. Das Experiment den Tatort mit sehr viel Humor zu würzen gelingt überraschend gut und scheut nicht davor sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Göttlich wenn Stoever Sätze wie „Wenn man diesen Mist verfilmen würde, wäre man im Quotentief“ fallen lässt.

Die eigentliche Story gerät da schon fast zur Nebensache:
Als auf einem Campingplatz in der Nähe von Hamburg ein Mord geschieht, müssen die Kriminalhauptkommissare Paul Stoever (Manfred Krug) und Peter Brockmöller (Charles Braurer) den Täter überführen. Während Stoever sich als campender Pianist unter die Camper mischt, tritt Brockmöller ganz offiziell auf, um die Verdächtigen zu verhören. Wer könnte der Mörder sein?

Stoever ist in diesem Fall absolut urig. Da streitet er sich auf dem Campingplatz mit seinem Kollegen (beide tun, als würden sie sich nicht kennen) beim angeblichem Verhör, nachdem sie sich gegenseitig mit ihren aktuellen Frauengeschichten aufgezogen haben. Ihre obligatorische Singeinlage darf später natürlich auch nicht fehlen. Diesmal sogar in englisch, was Stoever vorher noch testet, indem er in einer Telefonzelle mitten in der Nacht auf englisch eher schlecht als recht an zu reimen anfängt.

Man merkt, der Mord dort wird schon bald zur Nebensache, denn man wartet nur auf den nächsten komischen Auftritt von Camper Stoever, der dann morgens beim Duschen schon mal einen Bodybuilder groß anguckt und der ihn als einen schwulen Opa bezeichnet worauf Stoever wiederum nur ein „So was muss ich mir gefallen lassen“ zurückbrummelt.

Pikanterweise sind auf dem Campingplatz alle möglichen Sorten von Campern vorhanden, wie man sie sich in den schönsten Klischees nicht vorstellen kann, sie es das alte Camperehepaar, die jungen Rowdies, der Öko oder die gebeutelte Blondine. Wirklich zutrauen will man es keinem, aber dieser Tatort nimmt mit seiner Inszenierung die Spannung auch schon ein wenig vorweg. Auch die Beweggründe des Mordes und die Beute die hinter dem Ermordeten steht sind recht bieder und einfach gehalten. Darauf legt dieser Tatort aber nun mal auch nicht so viel wert und das ist mit unter sehr erfrischend.

Am Ende wird es noch mal für diesen Tatort sogar recht spektakulär, wenn Stoever mit Dienstpistole den Bösewicht niederstreckt und sich als zum Guten wendet. Von Anfang bis Ende ist dieser Krimi, trotz der deutlichen Tatortkennzeichen, eine sehr humorige Angelegenheit, bei dem die beiden Hauptkommissare sich gern gegenseitig necken und aufs Korn nehmen oder sich auch mal meist im Scherz streiten.

Die Darsteller spielen wieder auf gewohnt solidem Tatortniveau, aus dem Brauer und Krug herausragen und ihr komisches Talent entdecken. Besonders die Kommentare und Schoten von Krug (bin Pianist in einem Erotikclub) sind zum großen Teil wirklich zum wegschmeißen.

Fazit:
Als Tatort von dem man eine kniffelige Geschichte und Spannung erwartet eher unterdurchschnittlich. Als Ausflug ins Komödienfach aber vielleicht der beste Tatort des dynamischen Duos. Selten ging es bei einem Mord lustiger zu....


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