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Als Regisseur im phantastischen Bereich hat man es nicht einfach: spielt man nach den Konventionen, wird einem Ideenlosigkeit vorgeworfen, möchte man einen künsterlischen Film schaffen, wird es noch kritischer beäugt. So geschehen bei „The Cell" von Tarsem Singh, der zuletzt mit „Krieg der Götter" auf sich aufmerksam machte.

Gewagt hat der ehemalige Videoclip-Reigsseur sich 1997 nämlich eine Killerhatz im Stile eines „Schweigen der Lämmer" mit der Bilderflut eines Marilyn Manson-Videos zu verknüpfen. Angereichert wurde dies mit allerlei künsterlischer Symbolik, die, aufgesetzt oder nicht, genug Hintergrund besitzt, um dem interessierten Zuseher Interpretationsmöglichkeiten zu bieten. Doch genau hier scheint die Genre-Fangemeinde bis heute uneins, wie man denn nun „The Cell" einordenen soll. Die einen halten ihn für heiße Luft, ein Film, der mehr sein will, als er schlussendlich zu bieten hat. Die Gegenseite hält ihn schlicht für ein oppulentes und visuelles Meisterwerk.

Genau das ist das große Problem von "The Cell", er tanzt auf vielen Hochzeiten und lässt zu viel Raum für alle Formen der Kritik und des Lobs. Natürlich ist die Bilderflut ästhetisch, einer Parfumwerbung gleich, genau so sind die Albtraumszenen abstoßend wie in den wüstesten Metal-Videoclips. Visuell wird man aber nicht nur mit Gaumenfreuden umgarnt, sondern gleichzeitig auch überfordert. Vieles macht auf den ersten Blick keinen Sinn oder wirkt wirr und unverständlich, als wolle hier ganz große Kunst gezeigt werden. Hier kann man dem Film wahrlich attestieren, er will schwere Kost sein, interpretiert werden! Das Gefühl, dass sich die Macher wirklich etwas dabei gedacht haben, kommt aber in jedem Fall auf, denn wer dies wohlwollend den Werken eines David Lynch zuspricht, der sollte es im besten Falle auch anderen Filmemachern zusprechen können.

Auf der anderen Seite ist die Geschichte manchmal so flach, hahnebüchen und unlogisch, dass man sich wünscht, man hätte weniger fürs Auge und mehr für den Verstand. Klischees werden hier en Masse bedient: der besessene Cop, der Psychokiller mit der schlimmen Kindheit und dem Hass gegen Frauen... und irgendwo dazwischen eine Jennifer Lopez, die wunderschön aussieht, aber deren Rolle einfach nichts hergibt. Alle drei (brauchbar besetzten) Hauptfiguren leiden hier unter dem Drehbuch, das sich mehr für seine optischen Ideen interessiert, als für die Figuren. Das der Killer wirr gezeichnet und am Ende auch eindimensional bleibt, ist da noch zu verkraften - umso Dunkler die Nacht ist, umso schockierender ist sie. Dann braucht man aber auch Protagonisten, die den Zuschauer mit auf die Reise in die Hölle nehmen können und keine Schablonen.


Inhaltlich ist hier also nicht viel zu holen und somit hilft nur, sich auf die schönen, verstörenden Bilder einzulassen, den Hirnschmalz für Interpretation und nicht für den Inhalt zu verbraten und „The Cell" eine Chance zu geben. Am Ende ist er zwar nichts weiter als ein mit Versatzstücken der Horror- und Thrillergenres spielender Serienkillerfilm, aber zumindest ein recht unterhaltsamer. Ob es am Ende nun der ganz tiefgründige Blick in die Seelenwelt eines Mörders ist oder doch nur eine simple Hatz um Aufmerksamkeit beim anspruchsvollen Filmklientel sein sollte, ist zumindest für mich dabei zweitrangig.

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