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Einer flog über das Kuckucksnest (1975)
Eine Kritik von Puty Willi (Bewertung des Films: 10/10) eingetragen am 28.12.2006, seitdem 660 Mal gelesen
Die 70ger waren das goldene Jahrzehnt Hollywoods. In dieser Dekade enstand ein Klassiker nach dem anderen. Dazu gehört auch Einer flog über das Kuckucksnest der nicht nur ein tragikomisches Meisterwerk sondern auch einer der vielschichstigsten Filme aller Zeiten ist.
Den Film nur als Kritik an der modernen Psychatrie zu begreifen, hieße in misszuverstehen. Das ist er sicher auch alllerdings ist das wohl eher am Rande wichtig. Einer flog über das Kuckucksnest ist ein sehr gesellschaftskritischer Film und vor allem stellt er die Frage wie man "irre sein" definiert.
Sind die Patienten wirklich irre oder werden sie nur als solche bezeichnet? Ist nicht eigentlich Schwester Ratched, welche die Patienten unterdrückt und Hilfsbereitschaft heuchelt, die Wahnsinnige? Oder sind wir alle die unter dem Druck der Gesellschaft stehen nicht auch in Gewisserweise verrückt?
Fragen über Fragen die der Film stellt und es bleibt dem Zuschauer selber überlassen wie er sie beantwortet.
Deutlich wird dies vor allem in einer der Schlüsselszenen des Films in der sich heraustellt das die meisten Patienten freiwillig in der Anstallt sind. Sie sind dem Druck der Gesellschaft nicht gewachsen und lassen sich deswegen ihr Leben und ihren Tagesablauf vorschreiben. Für McMurphy ist dies unbegreiflich.
Er ist ein klassischer Rebell und dabei beileibe kein Held. Doch er steht für Freiheit und weiß wie man das Leben genießen kann, deswegen wird er zur Sympathiefigur schlechthin. Er ermutigt die Insassen und bringt Farbe in den grauen Alltag. Doch solche Leute wie McMurphy werden von der Gesellschaft, obwohl Politiker einem andauernd das Gegenteil sagen, nicht wirklich toleriert. Wer nicht verrückt und auch nicht normal ist wird als Gefahr angesehen. Der Kampf McMurphy gegen Schwester Ratched kann übertragen werden auf den Kampf Außenseiter gegen das System.
Doch jetzt genug davon. Der Film ist abgesehen davon auch verdammt unterhaltsam und wird gegen Ende immer tragischer.
Sicher kann der Film von manchen als langweilig empfunden werden, denn passieren tut nicht wirklich viel und die Location bleibt beinahe durchgehend die gleiche. Doch das Drenbuch ist wunderbar und vor allem die Schauspieler sind brillant.
Ein wunderbares Ensemble voll von unvergesslichen Gesichtern hat Regisseur Milos Forman für den Film gefunden und alle spielen ausgezeichnet. Einige davon unter anderem Danny DeVito, Christopher Lyod und Brad Dourif sind heute längst bekannt. Louise Fletcher spielt auch sehr gut. Selten gab es eine Filmfigur die so hassenswert ist.
Über allem steht jedoch Jack Nicholson in seiner, ja ich glaub man kann sagen, besten Rolle. Großartig verkörpert er McMurphy, seine Gestik und Mimik ist einfach brillant und er ist einem sofort sympahtisch.
SPOILER
Beim ersten Ansehen fand ich das Ende etwas seltsam, doch bei genauerem Hinsehen ist es doch nachvollziehbar. Das McMurphy nicht abhaut liegt daran das er ein Zocker ist. Er wähnt sich in einem Spiel das er glaubt kontrollieren zu können. Doch schließlich ist es zu spät auszusteigen nachdem die Situation um Billys Tod eskaliert ist wird er lobotomisiert. Das war das nächste, man denkt in der Szene unweigerlich an Science Fiction aber diese Methode wurde damals öfters angewendet und existiert wirklich. Das der Indianer McMurphy dann tötet ist nur allzu logisch, da die Person nach der Operation nicht mehr der lebensfrohe McMurphy ist. Das der Häuptling ausbricht sorgt dafür das der Film kein pures Antihappyend besitzt. Der Geist des toten Freundes lebt in ihm weiter.
SPOILER ENDE
Fazit: Einer flog über das Kuckucksnest ist ein wichtiger Film mit großen Szenen und dem besten Nicholson aller Zeiten. Tragisch, komisch, anspruchsvoll und unterhaltend. Eben aus den 70gern.
9,5/10
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