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Einer flog über das Kuckucksnest (1975)
Eine Kritik von Largo (Bewertung des Films: 10/10) eingetragen am 15.03.2002, seitdem 1556 Mal gelesen
Es ist ein Film, an dem einfach alles stimmt, und das nicht nur ungefähr. Perfekt inszeniert, von einer legendären Buchvorlage makellos übernommen, mit einem grandiosen, kaum zu überbietenden schauspielerischen Aufgebot, all das zeichnet das vielseitige und dementsprechend preisgekrönte Machwerk „Einer flog über das Kuckucksnest“ aus. Einen wesentlichen Leistungsträger stellt natürlich, wie sollte es auch sonst sein, Jack Nicholson dar, der hier einen der besten Auftritte seiner gesamten Karriere hinlegt, obwohl er nur scheinbar in seinem typischen Element ist.
Zu Beginn dominieren die komödiantischen Einlagen die Handlung, lassen jedoch im späteren Teil des Films, als die Situation allmählich zu eskalieren droht, ziemlich rapide nach. Dies mag auf den ersten Blick als Nachteil erscheinen, da das Geschehen nun ein wenig langweiliger wird, allerdings resultiert diese Änderung nicht etwa aus mangelndem Einfallsreichtum von Seiten der Autoren, es war vielmehr die eindeutige Intention, das Augenmerk jedes Zuschauers auf wesentlichere Elemente zu richten. Denn „Einer flog über das Kuckucksnest“ ist nur an der Oberfläche eine unterhaltsame Komödie, die viel tiefgründigere Aspekte aufgreift. Zum einen sind Parallelen zur amerikanischen Gesellschaft unverkennbar, zum anderen gibt der Film einen schockierenden Einblick in das Innere einer Irrenanstalt, wo die Insassen unter der diktatorischen Herrschaft, hier personifiziert durch Schwester Ratched alias Louise Fletcher, unmenschlichen Grausamkeiten ausgesetzt sind. Ein Thema, das eigentlich jeden von uns angeht, immer aktuell bleiben wird und ausschlaggebend dafür ist, dass auch der Film niemals als veraltet angesehen werden kann. Spätestens ab jetzt sollte jeder merken, worauf sich die Handlung tatsächlich konzentriert, im übrigen ist es auch passender, die Gags mehr zu zügeln, da die darauf folgenden Ereignisse alles andere als lustig sind.
Natürlich wäre „Einer flog über das Kuckucksnest“ ohne seine Besetzung nicht das geworden, was er ist, vor allem nicht ohne die exzellente Auswahl für die Hauptrollen: Jack Nicholson als vermeintlicher Irrer und Louise Fletcher in der Gestalt der boshaften Hausschwester, der Kontrast zwischen diesen zwei Charakteren wird schlichtweg genial rübergebracht, da sich beide Darsteller den für ihre Rollen nötigen Platz schaffen. Ein besonderes Kompliment gilt dabei Louise Fletcher, die sich von Jack Nicholson zu keinem Zeitpunkt an die Wand spielen lässt (wer Nicholson kennt, weiß, welchem Leistungsvermögen so was bedarf) und deshalb gleichermaßen belohnt wurde. Dass Nicholson letztendlich doch etwas mehr im Mittelpunkt steht, liegt nur daran, dass seine Figur für sämtliche Überraschungen und Wendepunkte steht, während Fletchers Gestalt stets darauf bedacht ist, das obligatorische Programm stur durch zu ziehen. Wer es dann noch schafft, auch den übrigen Akteuren, die ebenfalls eine zweifelsohne erstklassige Vorstellung abgeben, Aufmerksamkeit zu widmen, wird darunter die Gesichter einiger Stars erkennen, die damals noch keinen nennenswerten Bekanntheitsgrad hatten.
Fazit: Ein zeitloses Meisterwerk, das sich seine Oscars allesamt redlich verdient hat.
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