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Einer flog über das Kuckucksnest (1975)

Eine Kritik von nofx-total (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 19.01.2008, seitdem 249 Mal gelesen


Lieber Klapse als Knast - der Kriminelle McMurphy (Jack Nicholson) ahnte wahrscheinlich nicht, worauf er sich eingelassen hat, als er bei seinem Psychiater die Einweisung in eine Anstalt erwirkt.

Viel schlimmer kann es jedenfalls nicht sein. Denn die Zustände, die hier herrschen, lassen fast die aktuellen Diskussionen um die unhaltbaren Zustände von hiesigen Pflegeheimen wieder verblassen. Da werden Menschen mit Elektroschocks behandelt und mit Unmengen vom Medikamenten ruhig gestellt. Da geraten die regelmäßigen Therapiesitzungen zur Farce, da keiner seine Meinung kundtun darf. Und über allen thront die despotische Oberschwester Ratched (Louise Flechter), die keinen Widerspruch der Insassen duldet.

Er ist schon ein gewaltiger Klotz, dieser Film. Sehr schwer konsumierbar und herausfordernd für den Zuschauer. Mit großartigen Schauspielern und einer beklemmenden Atmosphäre wird man auf einen emotionalen Seelentrip geschickt, den man so schnell nicht mehr vergessen wird. Die Anklage von Milos Forman ist dabei eher allgemein gehalten: Schwache Menschen haben keine Lobby in einer Gesellschaft, die kalt, herzlos und voller Ellenbogen ist. McMurphy kommt da gerade recht, die eingefahrenen Gleise zu verlassen, er gibt den Leuten ein Stück Würde zurück, sei es nun auf den Therapiesitzungen, in denen er wortgewandt aufbegehrt oder die ansteckende Begeisterung für das Basketballspiel. Höhepunkt ist sicher der heimliche Angelausflug auf einem Kutter, hier bricht der düstere Film regelrecht aus seinem Rahmen, man kann die freie Luft auch als Betrachter förmlich aufsaugen.

Neben Nicholson brilliert besonders Will Sampson in der Rolle des Indianers Chief Bromden, der sich taubstumm stellt und nach einem Plan von McMurphy mit diesem fliehen will. Das Ende des Filmes ist dabei der tragische Gipfel, der so nicht erwartet wurde und den Zuschauer nur noch traurig zurück lässt, die wenigen komischen Momente des Films geraten dadurch völlig in den Hintergrund...

Fazit: Dieser Film bietet mehr Grausamkeiten als manch blutiger Horrorfilm. Sicher nicht für jeden Abend geeignet, die entsprechende Stimmung dafür muss man schon drauf haben. Ein filmisches Plädoyer für mehr Menschlichkeit.


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