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Joint Security Area (2000)

Eine Kritik von Der Ewige Lawrence (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 29.05.2006, seitdem 363 Mal gelesen


Das Deutschland der nahen Vergangenheit und Korea haben eine Wichtigkeit gemein: Beide Länder waren (zumindest ist es noch eines) geteilt - zwischen kapitalistischer und kommunistischer Seite.

Während es in (West-)Deutschland in Filmen damals hauptsächlich um den Vergleich der beiden Systeme ging, und dem Publikum propagiert wurde, dass das eigene System besser ist, und auch heute noch hauptsächlich Filme über Stasi-Spitzel gedreht werden oder bestenfalls nostalgische Späße, wo die "Armut" (in vielerlei Hinsicht) im Osten karikiert wird, macht es (Süd-)Korea mit Joint Security Area mehr als nur vor, wie man zu diesem Thema auch einen Beitrag leisten kann, der nicht nur stilistisch fesselnd, publikumswirksam und erfolgreich ist, sondern auch inhaltlich anspruchsvoll und klug.

Auf den ersten Blick hört sich die Geschichte wie aus einem typischen kalten Krieg-Spionagethriller an: An der Nord-Süd-Koreanischen Grenze ereignet sich ein Zwischenfall mit Todesfolge und je einem Verletzten Soldaten auf jeder Seite.
Um diplomatische Verwicklungen zu vermeiden - jetzt da zum ersten Mal eine Annäherung beider Staaten möglich wäre - wird ein neutrales Ermittlungsteam unter der Führung einer koreanisch-stämmigen Schweizerin mit der Klärung des Falles beauftragt. (Wie sich noch zeigen wird, wird ihre herkunft für die späteren Ermittlungen von großer Relevanz sein.)
Beide Seiten des Systems legen jeweils eine leicht propagandistisch angehauchte Variante des Tathergangs vor, die beiden Soldaten weigern sich standhaft, bei den Ermittlungen zu helfen.

Es gibt genügend Filme, in denen nun die kommunistische Seite als die bösen Jungs dargestellt werden, und es schließlich zu einem bombastischen pyrotechnischen und unglaubwürdigen Finale kommt.
Dieser Film geht hierbei differenzierter vor: Es werden beide Seiten der Medaille nahezu gleichwertig bedacht, es gibt kein großes Komplott, es gibt nur eine kleine Geschichte der Annäherung von Menschen, die wissen, dass sie zusammengehören und nur wegen politischem Kalkül auseinanderdividiert wurden. Es ist unwichtig welches System das Bessere ist, weil es in erster Linie um die Menschen geht, und unter der Trennung leiden beide Seiten.
Sicher, es werden auf nordkoreanischer Seite viele Defizite im Vergleich zum Süden aufgezeigt, aber das ändert doch an der Menschlichkeit des Nordkoreaners nichts.
Dennoch, die Protagonisten sind auch nur Bestandteil ihres Umfeldes und dadurch letztlich zum Scheitern verurteilt.

Alles in allem ist der Film handwerklich perfekt in Szene gesetzt, scheut sich auch nicht davor, den Film im Originalformat in Teilen in Englisch zu belassen.
Hinzu kommt, dassJoint Security Area die Creme-de-la-Creme des späteren männlichen koreanischen Kinos in sich versammelt sieht, mit Ausnahme vielleicht eines Minh Sik Choi, welche allesamt eine bravouröse Ensemble-Leistung abliefern.
Die Story selbst ist sensationell ausgetüftelt und die Auflösung mittels Flashback ist auch sehr ansprechend gelungen.
Die musikalische Untermalung ist tadellos.

Dass der Film funktioniert, ist ja kein Garant für seinen Erfolg, vielleicht steht das südkoreanische Volk ja der Grundaussage des Films ablehnend gegenüber?
Na ja, war nur rhetorisch gemeint. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wurde der Film zum erfolgreichsten koreanischen Film aller Zeiten, mittlerweile ist er es nicht mehr, aber dennoch kann er als eine Art kleiner koreanischer Klassiker angesehen werden.

Park Chan Wook hat sich mit diesem Film den Ruf einer der besten und innovativsten kommerziellen Regisseure Koreas zu sein erarbeitet, was er mit seinen folgenden Filmen nur noch untermauert hat - sein unmittelbar folgender Film war zwar Kassengift, aber ist dennoch von sehr hoher Qualität.

Und nun noch etwas, was diesen Film überdurchschnittlich macht: Mehrere Mitzuschauer waren etwas verwundert über die differenzierte und nicht-Kommunistisch-feindliche Inszenierung sowie die Auflösung, und sie fragten sich, ob dies vielleicht ein nordkoreanischer Film gewesen sei.

Abschließend vielleicht noch ein Wort zum koreanischen Kino an sich: Im Moment das Beste, was Hollywood zu liefern hat.
Soll heißen: So sollte Kino sein.

9 Punkte


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