Found Footage ist mittlerweile bei vielen Filmfreunden ein arg überstrapaziertes Stilmittel, weil es einerseits anstrengend zu verfolgen ist und es andererseits auch nur selten einen Sinn ergibt, warum das Filmmaterial nun ausgerechnet von der Handkamera eines Amateurfilmers stammen soll. Bei „Skew“ hingegen basiert der Schrecken auf den Bildern der Handkamera und der Obsession seines Trägers, alles zu jederzeit zu filmen.
Simon schleppt also seine Handkamera mit sich herum, die ihn auf dem Trip mit den Freunden Richard und Eva rund um die Uhr begleiten soll. Einen Dämpfer erhalten die drei zwar, als sie einen Kojoten überfahren, doch als kurz darauf der Portier erschossen wird, in dessen Motel die drei schliefen, schaut Simon genauer auf die gefilmten Gesichter und tatsächlich nimmt er einige durch die Kamera geradezu verzerrt wahr…
Die Geschichte erinnert schon arg an „Final Destination“, nur dass diesmal eine Handkamera als Todesbote dient. Leider benötigt die Erzählung eine ganze Weile, um die drei Hauptfiguren vorzustellen und das Problem zwischen Simon und Freundin Laura regelmäßig anzudeuten, denn damit scheint es noch einen Twist auf sich zu haben.
Was jedoch positiv auffällt, ist die Natürlichkeit, mit der die beiden Hauptdarsteller (Simon ist zu keiner Zeit zu sehen) an die Sache herangehen, denn man nimmt ihnen sowohl die Dialoge als auch die emotionalen Entwicklungen voll ab.
Leider geizt die Handlung ein wenig mit unheimlichen Momenten, was eventuell dem geringen Budget geschuldet ist, denn bis auf ein paar Todesahnungen, der Erscheinung einer unheimlichen Gestalt im Hotelzimmer, einem Läufer im Feld neben dem fahrenden Auto und einigen verzerrten Gesichtern ist nicht viel an Schauwerten auszumachen, wobei ein leichter Gänsehautfaktor dadurch gegeben ist, inwieweit Simon seine Erkenntnisse offenbart und ob nicht vielleicht auch seine beiden Freunde plötzlich mit verzerrten Gesichtern abgelichtet werden.
Die Ausstattung ist denkbar minimal, - ein fahrendes Auto, ein paar kleine Touristenattraktionen, ein Hotelzimmer, ein paar Tankstellen, ein Zwischenstopp auf einem Polizeirevier (hier dient die Überwachungskamera in der Dienststelle als Lieferant der Bilder) und manchmal auch nur ein festgelegter Blickwinkel im Halbdunkel, so dass die Sache beinahe schon zum Hörspiel mutiert.
Zwar wundert es, wie selten Simon die Tapes wechseln muss und dass es kaum zu Bildstörungen oder Knappheit des Akkus kommt, doch anderweitig wird nicht allzu schlimm verwackelt und auch der Zoom wird nicht überstrapaziert.
Am Ende ist der Twist zwar erahnbar, doch infolge eines Rückspulmodus recht geschickt in Szene gesetzt. Im letzten Drittel muss man schon genauer hinsehen, um keine Einzelheiten zu versäumen und kann irgendwann im Mittelteil auch die Philosophie Simons verstehen, warum er ohne Unterbrechung filmt, denn jeder der mit seiner Kamera beispielsweise durch den Wald spaziert, wird sich spätestens dann ärgern, wenn beim Anblick eines Rehs hinter einem Baum, die Kamera erst wieder eingeschaltet werden muss und das Tier daraufhin verschwunden ist.
„Skew“ wird möglicherweise eher schneller in den Analen des Handkamerakinos verschwinden, doch ein paar atmosphärische Momente, ein gutes Maß Spannung und die originelle Grundidee sind zumindest eine Sichtung wert.
6 von 10