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Halloween - Der Fluch des Michael Myers (1995)

Eine Kritik von Lloyd (Bewertung des Films: 4/10)
eingetragen am 01.10.2004, seitdem 408 Mal gelesen


ACHTUNG SPOILER

Wer nicht über diverse Details des Films informiert werden möchte, sollte hier aufhören zu lesen.

HALLOWEEN - DER FLUCH DES MICHAEL MYERS
(HALLOWEEN 6)

Story:
Mensch, mensch. Über was man als Horrorfan nicht alles schreiben kann. Ich habe schon einiges an verwirrenden Storys zusammengefasst (z.B. JASON GOES TO HELL), doch beim sechsten Teil der Reihe um den schwarzen Mann, der laut Plakat wohl auch in hundert Jahren noch keine Ruhe gefunden haben wird, musste ich ehrlich gesagt erstmal überlegen, wo man da überhaupt anfangen kann. Wir schreiben das Jahr 1995. Es ist jetzt sechs Jahre her, dass Michael Myers zum letzten Mal durch die Straßen von Haddonfield zog. Und da es auch damals ein Blutbad gab, hat man sich seit 1989 aus moralischen Gründen nicht mehr getraut, das Fest zu feiern. Indes bringt Jamie Lloyd (dürfte laut history 15 sein, sieht im Film aber ungefähr wie 20 aus) in irgendwelchen Kellergewölben, mit denen wir nicht weiter vertraut gemacht werden, unter der Aufsicht von scheinbaren Sektenmitgliedern, die uns vorerst auch nicht weiter nahe gebracht werden, ihr Baby zur Welt. Kaum ist der Kleine da, schon beginnt die Flucht: eine Krankenschwester (man erfährt in keiner Sekunde, wer das überhaupt ist) bringt Jamie aus den Gewölben und rät ihr, sich und ihr Baby zu retten. Der Grund dafür steht bald hinter der guten Schwester selbst – mit schwarzem Overall und weißer Maske. Michael is back! Nachdem Jamie sich einige Zeit scheinbar vor ihm retten kann, kriegt er sie schließlich in einer abgelegenen Scheune in die Hände. Doch ihr Baby scheint verschwunden… Zeitgleich in Haddonfield: die Bürger bereiten sich tatsächlich wieder auf’s Halloween – Fest vor, dass zum ersten Mal seit sechs Jahren mit Worten wie „Michael Myers ist längst tot“ gefeiert wird. In dessen Kindheitshaus wohnt inzwischen die Familie Strode, die mit Laurie Strode verwandt ist. Und gleich gegenüber treffen wir einen alten Bekannten: Tommy Doyle, der 1978 die erste Nacht des Grauens als einer der wenigen überlebte. Als dann auch noch Dr. Loomis auf völlig unmögliche Art und Weise mit ins Spiel kommt, fehlt eigentlich nur noch einer… Genau! Und der kommt schon bald. Da er es gar nicht gerne sieht, dass in seinem Haus nun von Teenies rumgemacht wird und der trinkende Vater seine Stieftochter schlägt, blüht der Family nichts Gutes. Parallel dazu erfahren wir, dass der kleine Danny, Sohn von Kara Strode, die gleichen Stimmen hört, die einst den kleinen Myers heimsuchten – und schwups steht der Kleine mit ’nem Küchenmesser vor Stiefpapa. Nun müssen wir nur noch das Eine klären: was macht man als Autor mit den losen Fäden, die ein Wurstfilm wie Teil 5 hinterlassen hat? Nun, Michael Myers gehört nunmehr zu einer Sekte, die den keltischen Totengott Thorn verehrt. Dieser Sekte gehört auch der ominöse schwarze Schlapphutträger aus dem Vorgänger an. Und wer ist der geheimnisvolle Fremde nun? Und wie soll Michael Myers, der sich dieses Mal wie Jason Voorhees durch Haddonfield schnetzelt und sticht, wohl nur gestoppt werden?

Also wenn ich jetzt noch weiter schreiben würde, dann würde das Ganze kolossale Züge annehmen, weil sich good old Michael in seinem Fluch so sehr verstrickt, dass er kaum noch richtig laufen kann. Meine Fresse, was man sich nicht alles ausdenken kann als Drehbuchautor. Die Story ist natürlich noch unglaubwürdiger und an den Haaren herbeigezogener als sie das schon im Vorläufer war. Während den Dreharbeiten starb der gute alte Donald Pleasence, so dass einige Szenen plötzlich fehlten oder umgeschnitten werden mussten, für den Regiestuhl erklärte sich sogar Kultregisseur Quentin Tarantino bereit (scheiße man, das wäre was geworden…), aber nach sechs Jahren und ewigem Hin und Her fand sich dort dann Joe Chapelle ein, der zuvor kaum Erfahrungen mit Filmen gemacht hatte. Als Michael Myers durfte coolerweise noch mal George Wilbur ran, der schon in Teil 4 für eine überzeugende Performance gesorgt hatte. Allerdings muss man dazu sagen, dass Michael während des kompletten Verlaufs auch hier wieder von drei oder vier verschiedenen Leuten zwischendurch gespielt wurde. Naja, Teil 5 war ja schon baden gegangen, was sollte mich da noch der sechste interessieren. Erwartungshaltung runterschrauben und anschauen war meine Devise. Es trat ein, was ich zwar gehofft, aber nicht gedacht hatte: Teil 6 ist tatsächlich besser als Teil 5! Und trotzdem muss ich einiges an ihm natürlich wieder schlechtreden.

Etwas mit Ungereimtheiten und Fragezeichen auf den Magen schlagen tut der Anfang. Dass es sich bei der jungen Dame, die ein Kind bekommt, um Jamie handelt, ist selbst mir erst im zweiten Moment halbwegs klar geworden. Der Ort des Geschehens wird auch nicht benannt, so dass man nur raten kann, wo sich die Gewölbe, Heizungsrohre und Gänge befinden (ich dachte für einen kurzen Moment, die hätten die Kulissen aus den NIGHTMARE – Filmen wieder verwendet). Nachdem in einem kurzen Intro für den Genrefrischling noch mal breitgewalzt wird, wie unglaublich böse Michael ist und dass er niemals sterben wird und dass er das personifizierte Böse ist und bla und blubb und weiß der Geier was noch, ist der Kerl auch schwups schon wieder da (woher er kommt und warum er dort ist wird auch ein Rätsel bleiben) und jagt Jamie hinterher. Was macht man als Frau, die mit einem Baby im Arm vor einem psychopathischen Serienkiller flüchtet? Man ruft natürlich erstmal in einer Radioshow an (!!!) und wimmert panisch, dass der alte Dr. Loomis doch bitte kommen und Michael verscheuchen solle. Klar, dass der Doc auch genau im selben Moment das Radio laufen hat und sich dieselbe Show reinzieht und klar, dass er sich flax den Mantel überwirft und gen Haddonfield düst. Ich hab selten was Idiotischeres gehört.

Die Geschichte um die Thorn – Sekte war so ziemlich das Lächerlichste, was ich je in einem Splatter/Slasher/Horrormovie sah! Die Storyline wurde dieses Mal so konfus gewählt, dass man selbst als eingefleischter Michaelfan wütend sein kann. Dass Dr. Wynn der Anführer der Sekte ist, kommt nicht nur unglaubwürdig, sondern schlichtweg verärgernd konzipiert daher, so sehr, dass sich der Nicht-Halloween-Auskenner sogar fragen dürfte, wer Dr. Wynn überhaupt ist, da er nur zu Anfang mal nebenbei eingeführt wird und sich der Autor im weiteren Verlauf einen Sch**ß um ihn kümmert. Und überhaupt: Michael Myers, der kultigste Slasher aller Zeiten, mit Tattoo und von irgendeinem Totengott gesteuert in einer keltischen Sekte? Ich glaub mein Schwein pfeift! Das hätte man wirklich raffinierter lösen können, da kann der 5. Teil nun noch so schlecht gewesen sein. Neben dem Shit, den man fortführen musste weil Teil 5 ihn vorgegeben hatte, brachte man gleich noch neue, genauso konfuse Ideen mit rein wie zum Beispiel die, dass Karas Sohn auch diese unheimliche Stimme hört, was aber im Verlauf des Films vollkommen an die Seite geschoben wird. Genauso faszinierend glaubwürdig ist es, wie der Tommy Jamie’s Baby findet. Naja. Der Gute nimmt das Baby dann mit zu sich nach Haddonfield (als wenn’s da sicherer wäre) und Dr. Loomis macht sich auch wieder auf in den Kultort um die Strodes vor dem ‚Bösen auf zwei Beinen’ zu warnen. Und Michael Myers?

Der ist auch relativ zügig wieder in Haddonfield. Wie schon erwähnt gefällt es ihm nicht, dass sich Fremdlinge im trauten Heim niedergelassen haben – dass sich das schnellstmöglich ändern muss steht genauso außer Frage. Der Boogeyman geht dieses Mal deutlich rabiater, schneller und – vor allem – brutaler zu Werke. Es wird sich wirklich alles zum Killen gegriffen, was nicht niet- und nagelfest ist. Spätestens, wenn die ersten drei Opfer gestorben sind, merkt man, in welche Richtung das Ganze hier läuft – man könnte denken, Halloween ist auf einen Freitag den 13. gefallen. Die Tötungen sind allesamt brutal und teilweise auch recht graphisch ausgefallen, was zu Halloween nicht immer nötig war (man siehe sich mal Teil 1 und 4 an). Allem voran geht man bei Jamies und John Strode’s Todesszenen effektemäßig in die Vollen, da fließt Blut und Gedärm ungeahnt reichlich. Warum Teil 5 indiziert ist hab ich mich schon nach dem ersten Anschauen gefragt, hier wächst die Frage dann zur echten Verwunderung, vor allem wenn man an das Verbot des zweiten Teils denkt. Teil 6 gilt also nicht umsonst als das härteste Halloween, dass Haddonfield bislang erlebte.

Dass Michael Myers wegen dem ewigen Durch-die-Gegend-schlitzen vollends die beängstigende Note abgeht, die ihn einst so besonders machte, scheint keinen zu interessieren. Die gesamte Optik wirkt eine Nummer gestylter als bislang (wir haben die goldenen 80er halt schon lange hinter uns) und auch der eigentliche Stil des Films kümmert sich weniger um eine suggestive Basis-Atmo als um Effekthaschereien. Dass diese nicht immer unerfahren und voraussehbar eingesetzt werden, zeigen einige Szenen, in denen ich schon zusammengezuckt bin. Leidliche Spannung kommt unerwarteter Weise tatsächlich auf, wenn Jamie alleine in der nächtlichen Scheune umherirrt oder Kara ihren Sohn im Myershaus suchen geht, obgleich sie weiß, dass der Mörder auf sie lauert. Nerven tun dagegen unnötige Spielereien der Cutter, die bei einigen Szenenwechseln für Sekundenbruchteile Schreie und ein Fleischermesser als Schockeffekt für Zwischendurch auf den Zuschauer jagen – seit wann hat ein Myers – Film so einen billigen Blödsinn denn nötig? Ein wenig mehr Gruselstimmung hab ich mir aber schon im 5. Part gewünscht, dagegen kann man hier noch von einem akzeptablen Durchschnittsslasher sprechen. Die leicht unreale, herbstliche Halloween – Atmosphäre in Haddonfield wurde relativ gut eingefangen, was mich schon mal sehr gefreut hat. Auch der Mittelteil des Films im alten Myershaus ist ordentlich in Szene gesetzt worden. Und wie gesagt: man hat sich bemüht, teilweise ein wenig Gänsehaut rauszukitzeln, aber da ich als gestandener Horrorjunkie bei den meisten Opfern leider schon Minuten vorher oder gänzlich von vornherein wusste, ob und wenn ja wann sie sterben, ist es mit den schwitzigen Händen und dem Herzklopfen auch genauso schnell wieder vorbei wie’s begonnen hat – doch selbst das ist schon ein Fortschritt im Gegensatz zu Teil 5.

So schlecht hört sich das ja wohl nicht an... Ist’s auch net. Der Mittelteil des Films schafft es tatsächlich, sich mehr oder weniger über Wasser zu halten, sieht man mal von den Szenen ab, in denen versucht wird, die käsige Geschichte fortzuspinnen. Aber wie man weiß, kann ein Finale einen Film noch mal ordentlich in die Tiefe reißen. Und da der ganze Sektenscheiß, der am Anfang und danach immer wieder angedeutet wurde, ja auch irgendwie aufgelöst werden muss, geht’s natürlich noch mal richtig rund – spätestens als die Sekte dann ins Spiel kam und zum Schluss noch Geschichten von wegen ‚neues Zeitalter’ und ‚Genmaterial’ erwähnt wurden, hab ich nur noch angefangen zu lachen, alle Vorgänger vergessen und den sechsten Teil als eigenständigen Slasher versucht zu genießen, denn das war so viel Blödsinn, dass ein Grundschüler was besseres geschrieben hätte. Klar, auch am Ende gibt’s noch mal ein bisschen Blut und Gekröse (obwohl die deutsche 18er bei ofdb als uncut eingetragen ist, ranken sich immer noch hartnäckige Geschichten um die ‚Gesicht-ins-Gitter’ – Szene) und Michael Myers wird so lange mit einem Eisenrohr platt gekloppt bis ihm irgendein grüner Schleim (?!) aus der Maske läuft, doch das ändert nichts daran, dass das Finale dem Film erhebliche Minuspunkte einfährt.

Fazit: Tatsächlich kommt des Michael’s FLUCH besser daher als seine RACHE von 1989. Schön anzusehen sind hier die teilweise sehr gelungenen, wenn auch Halloween – untypischen Morde, ein insgesamt passabler Mittelteil und einige hübsch düstere Bilder. Die Storyline ist dieses Mal allerdings aufs Fatalste verheddert, so dass der Film nicht nur unglaubwürdig daherkommt, sondern schlicht enttäuscht und darüber hinaus ein unglaublich schlechtes Finale zu bieten hat. Und mit dem Original von 1978 hat das hier in der Tat rein gar nichts mehr zutun. Der Nachgeschmack fiel somit deutlich besser aus als erwartet: nicht bitter und magenreizend, halt fad und unspektakulär. Fürs einmal reinziehen also noch ganz okay, doch dem eigentlichen Kult um die Reihe wird auch dieser Part definitiv nicht gerecht.


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