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Der Namen Mamoru Hosoda gilt unter Kennern als Qualitätsgarant für außergewöhnliche Stoffe. Spätestens seit Ausnahmetiteln wie „Das Mädchen das durch die Zeit sprang“ und „Summer Wars“ zählt der Regisseur zu den Besten seiner Zunft. Dabei zeichnet seine bisherigen Werke vor allem der grandiose Ideenreichtum aus. Mit viel Kreativität gelang es ihm immer wieder, wahre Perlen des phantastischen Films abzuliefern. Ame & Yuki – Die Wolfskinder ist nun sein neuster Streich und wurde von den Fans schon im Vorfeld sehnsüchtig erwartet. Und auch in diesem Werk darf Hosoda wieder in seiner Standarddisziplin, dem phantastischen Film, meisterlich glänzen. Dabei ist Ame & Yuki nüchtern betrachtet eine Art modernisierte Märchenvariante von Rotkäppchen. Allerdings wird das stereotypische Konzept des bösen Wolfs umgedreht und somit wird diese negativ behaftete Figur nunmehr in ein rechtes Licht gerückt. So darf sich Hana, die Hauptfigur dieser Erzählung, ausgerechnet in einen Wolfsmenschen verlieben. Trotz seiner zunächst äußerlichen Andersartigkeit ist er von seinem Verhalten sehr menschlich und schenkt der sensiblen Hana Nähe und Geborgenheit. Die beiden zeugen schließlich die Kinder Yuki (Schnee) und Ame (Regen). Da der geheimnisvolle Wolfsmann trotz seiner stärker ausgeprägten menschlichen Seite, seinen instinktiven Jagdtrieb nicht unterdrücken kann, kommt er bei der Nahrungsbeschaffung für seine Kleinen ums Leben. Hana steht nun ganz alleine da, doch sie gibt sich selbst das Versprechen, ihre Kinder nach besten Kräften großzuziehen. Allerdings gestaltet sich dieses Unterfangen, angesichts der schier unkontrollierbaren Wandlungsfähigkeiten ihrer Sprösslinge -  vom Mensch zum Wolf - als äußert schwierig. So fasst Hana eines Tages den Entschluss, fernab der menschlichen Zivilisation, mit den Kindern aufs Land zu ziehen. Dort sollen Ame & Yuki selbst entscheiden ob sie nun als Mensch oder Wolf leben wollen. Doch für einen Stadtmenschen wie Hana bedeutet das natürlich eine große Umstellung, welche sie aber gerne für das Wohl ihrer Kinder in Kauf nimmt.Ame & Yuki – Die Wolfskinder ist eine liebevoll inszenierte Drama-Komödie. Neben vielen komödiantischen Aspekten, beschäftigt sich der Film aber auch mit der Frage, ob eine allzu große Abweichung von der Norm überhaupt in der Gesellschaft Akzeptanz finden kann. Somit versucht die junge Mutter unter allen Umständen, die Wolfsgestalt ihrer Kinder vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Also zieht sie daraus die einzige logische Konsequenz und versucht auf dem Land, fernab der prüfenden Blicke, für Ame & Yuki ein unbeschwertes Leben zu ermöglichen.Vom Erscheinungsbild kommen die Mensch-Wolf-Mischlinge schon ziemlich knuffig daher und auch sonst sorgen sie wegen ihres teils animalischen, teils kindlichen Verhaltens für sehr viele schöne Momente und Lacher. Dabei hat der weitestgehend fröhlichen Plot aber auch jede Menge bewegende Momente zu bieten. Auch die innerliche hin und her Gerissenheit der allmählich heranwachsenden Kinder, beschäftigt Hana wie auch den Zuschauer gedanklich. Vor allem die gesunde Mischung aus Drama und Komödie, macht den Film letztendlich zu einer Besonderheit.Was die Charaktere angeht, so hätte man Hana als Hauptfigur gar nicht besser wählen können. Denn trotz ihres anfänglichen Schicksalsschlags ist sie ein wahres Energiebündel, wie sie nur im Buche steht. Ihre positive Ausstrahlung und auch das charmante Auftreten, lassen sie zur idealen Sympathieträgerin werden. Dank der ruhigen Erzählweise wird den Charakteren aber auch im Allgemeinen sehr viel Platz eingeräumt. Somit gelingt es dem Film äußerst treffsicher, seine Figuren ans Herz des Zuschauers wachsen zu lassen. Denn das bewegende Schicksal von Hana, Ame und Yuki dürfte selbst einen Eisklotz zum Schmelzen bringen. Dankenswerterweise kommt die Erzählung  dabei aber gänzlich ohne den berühmten, erhobenen Zeigefinger, oder gar überbordenden Kitsch aus. Vielmehr stehen Hanas Wertevorstellungen und die Erziehung ihrer „etwas anderen“ Kinder im Mittelpunkt. Natürlich hat der Film auch so manche Herzzerreißende Szenen auf Lager, die den Zuschauer gekonnt zum mitfühlen animieren. Neben diesen doch recht nahegehenden Momenten, kann der Film allerdings auch durch seine wohl dosierte Komik punkten.Auch wenn gerade für Hana aller Anfang schwer ist, könnte man dank der wunderschönen Lokalität Hosodas Werk als eine Art Liebeserklärung für das Leben auf dem Land verstehen. Denn die Bilder welche es hier zu bestaunen gibt, entfalten einen wirkungsvollen Sog, dem man sich nur schwerlich entziehen kann und so strotzt Ame & Yuki nur so über vor opulenter Bildgewalt. Die atemberaubenden Aufnahmen über alle Jahreszeiten hinweg wurden darüber hinaus mit treffsicherer, künstlerischer Schönheit eingefangen und versprühen den für diesen Film unverkennbaren, unbeschwerten Charme. Besonders in Verbindung mit den geschickten Kameraeinstellungen ergibt sich dabei ein künstlerisch hochwertiges Gesamtwerk. Doch nicht nur die unendlichen Weiten der Landschaften wurden mit unglaublich viel Liebe zum Detail gestaltet. Es sind auch die Charaktere die sehr bedeutungsstark in Szene gesetzt werden. So fügen sich die Figuren äußerst homogen in dieses Gesamtkunstwerk ein. Das gelungene Charakterdesign entspringt dabei übrigens der kreativen Feder von niemand geringeren als Yoshiyuki Sadamoto. Dieser war auch für Hosodas bisherige Werke verantwortlich. Darüber hinaus sind unter anderem seine künstlerischen Schöpfungen aus der erfolgreichen Evangelion Reihe bekannt und genießen in Fankreisen auch heute noch ein entsprechend hohes Ansehen. In Ame & Yuki legt der Meister abermals eine großartige Arbeit ab. Vor allem stechen die Emotionen der Figuren, die durch ein extrem facettenreiches Gestik- und Mimikspiel dargestellt werden, stark aus der Masse hervor. Dieser enorme Detailreichtum bei den Gesichtern kommt dem Film nochmals ungemein zugute, schließlich sind es die zwischenmenschlichen Beziehungen der Figuren, die in Hosodas Werk im Mittelpunkt stehen.Was die musikalische Umsetzung im Film angeht, kann sich das Dargebotene auf ganzer Linie wahrlich hören lassen. Wirkungsmächtig verschmelzen die berauschenden Klänge mit den bedeutungsstarken Bildern. Ein solcher audiovisueller Genuss ist heutzutage leider selten geworden. Letztendlich bleibt wohl anzumerken, dass man auf Mamoru Hosodas Werke weiterhin immer gut ein Auge behalten sollte. Nicht zu Unrecht gilt eben jener Hosoda als einer der aufstrebenden Regisseure überhaupt.


Fazit:
Ame & Yuki ist Wohlfühlkino pur. Rührend erzählt der Film von dem Leben einer alleinerziehenden Mutter und ihren Kindern, die auf der Suche nach ihrem ganz persönlichen Glück sind. Trotz so mancher herber Rückschläge lässt sich die mutige Frau nicht unterkriegen und versucht das Beste aus ihrer Lage zu machen. Neben der emotionalen Vielfältigkeit und den fein ausgearbeiteten Charakteren kann der Film auch von seiner audiovisuellen Gestaltung vollends überzeugen. Während der Lauflänge von knapp zwei Stunden gelingt es vorbildlich, den Zuschauer in eine fantasievolle Welt zu entführen, ohne dabei eine Spur von Langeweile zu hinterlassen. So wird Mamoru Hosoda also erneut seinem hervorragenden Ruf gerecht und liefert mit Ame & Yuki ein kunstvoll bebildertes, modernes Märchen ab.

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